Irak Weniger Truppen, mehr Terror?

Die Taktik des US-Militärs für den Irak schien aufzugehen: Die Anzahl der Anschläge ging zurück. Doch mit Selbstmordattentaten zeigt al-Qaida, dass der Kampf weitergeht

Der Januar war ein guter Monat für den Irak. Seit dem amerikanischen Einmarsch 2003 war es die sicherste und ruhigste Zeit in dem vom Terror gebeutelten Land. Die Taktik des amerikanischen Militärs schien vollständig aufzugehen. Die US-Regierung kündigte an, die neue Strategie in der Aufstandsbekämpfung auf Afghanistan zu übertragen.

Doch im Februar stieg die Zahl der von Terroristen ermordeten Iraker bereits wieder. Und der März scheint der blutigste Monat seit Langem zu werden. Am Dienstag sprengte sich ein Selbstmordattentäter auf einem belebten Marktplatz in Abu Ghraib im Westen Bagdads in die Luft und tötete weitere 33 Menschen. Der Terrorist schlug zu, während einige Stammesführer und irakische Polizei- und Armeeoffiziere den Markt besuchten.

Anzeige

Zwei Tage zuvor war ein Mann mit einem Mofa vor eine Polizeiakademie in Bagdad gefahren. Vor dem Gebäude warteten junge Männer, die sich zum Staatsdienst melden wollten. Der Attentäter zündete seine Sprengstoffweste und tötete 30 Menschen. Die beiden Bluttaten verdrängten in den amerikanischen Nachrichten die Wirtschaftskrise und machten deutlich, dass das Terrorismusproblem der USA im Irak noch keinesfalls gelöst ist.

Seit dem Wochenanfang verübten Terroristen gleich mehrere Anschläge. Am Montag beschossen Aufständische einen britischen Militärstützpunkt am Flughafen von Basra mit Raketen. Bei dem Angriff starb ein Zivilist. In West-Bagdad eröffneten Terroristen an einer Straßensperre das Feuer auf eine Bürgerwehr und töteten zwei Männer. In der Stadt Mossul warfen am selben Tag Attentäter eine Handgranate in eine Hochzeitsgesellschaft. Neun Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Und am Dienstag fuhr ein irakischer Polizeikonvoi bei Kirkuk im Norden des Landes in eine Sprengfalle. Zwei Beamte starben bei der Explosion. Seit Monatsbeginn haben Extremisten schon mehr als 100 Menschen ermordet. Die Ruhe vom Januar ist dahin.

"Diese Anschläge sind Racheakte, weil wir in letzter Zeit viele Kommandeure der al-Qaida festgenommen haben", sagte der irakische Innenminister Jawad al-Bolani am Dienstag in Bagdad. Die irakischen Sicherheitskräfte und die US-Armee erzielten in den vergangenen Monaten einige Erfolge im Kampf gegen den Terror. Die Zahl der von Radikalen getöteten Zivilisten sank laut US-Armee von 100 auf zehn am Tag. Sicherheitsexperten führen das auf die Truppenaufstockung, die verstärkte Präsenz amerikanischer Soldaten auf den Straßen, die Verhandlungen mit sunnitischen Aufständischen und das harte militärische Vorgehen gegen schiitische Milizen zurück. Doch die erhöhte Militärpräsenz war eine kurzfristige Aktion, langfristig soll sie drastisch sinken.

Präsident Barack Obama hatte im Wahlkampf einen Abzug der Truppen innerhalb von 16 Monaten versprochen. Mit 12.000 Soldaten, die den Irak in den kommenden sechs Monaten verlassen sollen, macht er einen Anfang. 128.000 Mann sind dann jedoch weiterhin im Irak stationiert. Bis Ende August 2010 will Obama die Truppenstärke auf rund 50.000 Mann verkleinern. Er holt die regulären Kampftruppen nach Hause. Pioniere, Einheiten, die für die Versorgung und die Ausbildung irakischer Soldaten zuständig sind, und Spezialkräfte, die weiterhin gegen Terroristen kämpfen werden, bleiben im Land. Die letzten US-Soldaten sollen den Irak bis Ende 2011 verlassen.

Leser-Kommentare
  1. Herr Friederichs, mal Hand aufs Herz, was haben Sie denn da fabriziert?
    Ein Artikel über den Irak, in der Mitte eine Box mit Hintergrundinformationen über Afganistan, dann ist mal die Rede von al-Qaida, mal von Aufständischen dann wieder von Terroristen. Über die Menge der von den Besatzern getöteten Zivilisten schweigen Sie sich ganz aus. (über eine Millionen übrigends seit dem Einmarsch).
    http://www.projectcensore...
    Ein Kessel Buntes?

  2. ...schließlich ist das Land selbst eine Kreation der alten Kolonialherren. Es wurden Volksgruppen zu einem Land zusammengezimmert, die noch alte Rechnungen zu begleichen haben(Sunniten-Schiiten) oder die für ihre Unabhängigkeit kämpfen(Kurden im Norden).
    Auch wenn das zynisch klingt: Ein gewisser Teil Instabilität ist den Amerikanern sogar Recht, da sie somit weiter frei über das Öl verwalten können.
    Die weiteren Ankündigungen für mittelfristige Truppenabzüge sind genauso illusorisch, wie die Ankündigung das Defizit bis 2011 zu halbieren(wie das jemand ,ohne die Miene zu verziehen, behaupten kann ist mir unverständlich).

    Und um nochmal auf die Kommentare meiner Vorgänger einzugehen:
    Stellen sie sich mal vor, dies würde einem christlichen Land oder noch schlimmer einem Land mit einer weißen Bevölkerung widerfahren!!
    Kriegsverbrecher!! Völkermörder!! So würde die ZEIT und der Rest unserer Medien das ganze titulieren!!

    [Rest entfernt, bitte mäßigen Sie Ihre Ausdrucksweise und vermeiden Sie unpassende Vergleiche/ Redaktion; svb]

  3. Lassen sie sich das ganze mal von dem größten amerikanischen Stand-up-Comedian
    unserer Zeit(meiner Meinung nach) erklären.

    George Carlin 12.05.1937- 22.06.2008

    http://www.youtube.com/wa...

    ....not because they're trying to cut in on our action, just because they're brown...

    Genießen sie es. Zwischen all den Lügen und Manipulationen, endlich mal ein Blick auf das wahre Gesicht der amerikanischen Bevölkerung.

    (Achtung, harte Wortwahl)

  4. So was steht nämlich im Irak bevor.Wenn die Amerikaner abziehen, werden die Sunniten von Saudi-Arabien bis an die Zähne bewaffnet versuchen die übermächtigen Schiiten zu bekämpfen, mit Iran an ihrer Seite,weil Saudi-Arabien mit ihrem Wahabismus einen schiiischen Staat arabischer Prägung direkt vor ihrer Haustür nicht dulden können.Natürlich werden sie dabei noch von den USA unterstützt.Was die arabischen Christen angeht, die wenigen die noch geblieben sind werden sich wohl auf in die USA machen, um nicht masssakriert zu werden.Nicht zuletzt ist die sunnitische Kehrtwendung aus der Angst vor den Schiiten zu erklären, die ausgerechnet dank der USA zum ersten Mal in ihrer Jahrtausend alten Geschichte sich von der sunnitschen Bevormundung befreien und an die Macht gelangen können.Und wenn man die Unwägbarkeiten einer möglichen kurdischen Unabängigkeit im Norden hineinbezieht,dass das türkische Militär auf den Plan rufen würde, so droht eine Abgrund , der alle mithineinziehen könnte.
    Ob Obama bei solchen Aussichten überhaupt in bälde abziehen kann, bleib abzuwarten.

    An Herrn Stenkamp:
    Ich weiss garnicht, wieso sie überhaupt so optimistisch sein konnten in Bezug auf die Menschen.Wenn man sich die Verhältnisse auf der Welt ansieht und sich die Tatsache vor Augen hält, dass in Krisensituationen die Menschen zeigen, wie sie wirklich sind, dann ergibt das kein sonderlich lobenswertes Bild. Menschen können zum Guten erzogen werden, dass setzt aber einen funktionsfähigen Staat und/oder geordnete Familienverhältnisse voraus, und selbst dann können sie aus anerzogenen Verhaltensmustern ausbrechen und ihren Killerinstinkten freien Lauf lassen, wenn sie meinen, auf sich alleine gestellt zu sein. Dies hat für mich zum Beispiel die Unfassbarkeit der Nazi-Verbechen ausgemacht oder wie jetzt geschehen, der Amoklauf von Winnenden.

  5. und zwar von denjenigen, die weder gewillt sind, selbst daran teilzunehmen, noch ihre Kinder für die Kämpfe zur Verfügung zu stellen.

    Jeder Krieg ist für Großmachtinteressen geführt worden. Dafür kämpfen soll natürlich der Kleine Mann, der davon gar nichts hat. Das wussten ja schon die Nazi-Führer, wie zum Beispiel Hermann Göring, die auf dieser Erkenntnis ihre psychologische Strategie zur Manipulation aufbauten (Erschaffung einer angeblichen äußeren Bedrohung), die seitdem immer wieder angewendet wurde, um die Menschen von der Notwendigkeit eines Krieges zu überzeugen. Denn kein Volk will Krieg.

    Wenn jemand Killerinstinkte hat, dann unsere selbsternannten "Eliten", vorzugsweise Bankerfamilien, die im Hintergrund ihre Strippen ziehen, und sich in streng geheimen "Bilderberg" und anderen Treffen mit denjenigen treffen, die wir für "unsere" Volksvertreter" halten.

    Wenn der Mensch wirklich solche Killerinstinkte hätte, wie behauptet wird, dann hätten sich die Eliten nicht über Jahrhunderte durchsetzen und ihre Privilegien sichern können, da sie von seiten der restlichen Bevölkerung auf vehemente Gegenwehr gestoßen wäre.

    Übrigens hat Sigmund Freud seine psychologischen Theorie geändert, weil sie manchen Angehörigen der damaligen "Eliten" nicht in den Kram gepasst haben. Diese Theorie sah ursprünglich vor, dass psychische Störungen durch Aggression von außen hervorgerufen werden. Da manchen Herrschaften das nicht genehm war, hat er seine Theorie dahingehend geändert, dass er nun einen dem Menschen innewohnenden Aggressionstrieb vorsah, den dieser gegen sich selbst richten würde, wenn er sie nicht nach außen richten würde.

    ___________________________________________________________________

    "Doch wenn die Proles sich nur einmal ihrer Stärke bewusst werden konnten, brauchten sie gar nicht zu konspirieren. Sie brauchten nur aufstehen und sich schütteln, wie ein Pferd, das Fliegen abschüttelt."
    George Orwell, 1984

  6. http://www.youtube.com/wa...

    hier noch der Link zu dem, was ich über Freud geschrieben habe.
    __________________________________________________________________

    "Doch wenn die Proles sich nur einmal ihrer Stärke bewusst werden konnten, brauchten sie gar nicht zu konspirieren. Sie brauchten nur aufstehen und sich schütteln, wie ein Pferd, das Fliegen abschüttelt."
    George Orwell, 1984

  7. der Link stimmte immer noch nicht ganz genau, nochmal genauer: zum "natürlichen Destruktionstrieb"

    http://www.youtube.com/wa...

    __________________________________________________________________

    "Doch wenn die Proles sich nur einmal ihrer Stärke bewusst werden konnten, brauchten sie gar nicht zu konspirieren. Sie brauchten nur aufstehen und sich schütteln, wie ein Pferd, das Fliegen abschüttelt."
    George Orwell, 1984

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service