Island "Krise? Welche Krise?"

Island ist zum Synonym für den Staatsbankrott geworden. Doch es gibt auch Gewinner: Fischerei, Agrarwirtschaft und auch der Tourismus erleben einen erstaunlichen Boom

Der Hafen von Reykjavik: Seit der Finanzkrise ist Fischfang wieder zu einer Kernbranche geworden

Der Hafen von Reykjavik: Seit der Finanzkrise ist Fischfang wieder zu einer Kernbranche geworden

"Krise? Welche Krise?" Eggert Benedikt Gudmundsson lehnt sich in seinem Schreibtischstuhl zurück. Hinter ihm, durch eine breite Fensterfront, blickt man weit über die Bucht von Reykjavík hinweg auf die schneebedeckten Berge hinter der Stadt. Eigentlich ist das alles viel zu schön, um ein hässliches Wort wie "Krise" überhaupt in den Mund zu nehmen.

Auf Gudmundssons hellblauem Kittel steht nur sein Vorname, Eggert, dabei ist der jungenhafte Mann mit der runden Metallbrille Generaldirektor von HB Grandi, einem der größten isländischen Fischereibetriebe. Er beugt sich jetzt ein wenig vor und sagt: "Wenn Sie die internationale Krise meinen: Ja, die Preise für Fisch sind gesunken. Wenn Sie aber unsere isländische Krise meinen: Es geht uns hervorragend. Wir machen unsere Geschäfte seit Jahren in Euro."

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Hervorragend geht es seit dem Kollaps der isländischen Banken im Herbst 2008 den wenigsten Isländern. Nach der massiven Entwertung der Krone können die meisten ihre im Ausland aufgenommenen Kredite für Haus, Auto oder Betriebe nicht mehr zurückzahlen. Gudmundsson hat hingegen den Fisch, den seine zwölf Schiffe gefangen und seine drei Fabriken verarbeitet haben, für harte Devisen exportiert. Er ist inzwischen einer der wichtigsten Arbeitgeber im Hafen von Reykjavík. Leute wie er sind die letzte Hoffnung der isländischen Wirtschaft.

Nachdem Isländer in den vergangenen Jahren vor allem in ihren skandinavischen Nachbarländern den Ruf hatten, ein Unternehmen nach dem anderen aufzukaufen, sind sie seit dem Beinahe-Staatsbankrott plötzlich wieder auf die Kernbereiche ihrer Wirtschaft zurückgeworfen: Fischfang, Landwirtschaft und Pferdezucht.

Unternehmer in diesen Bereichen profitieren sogar von der massiven Finanzkrise: Seit dem Absturz der isländischen Krone kosten die Arbeitnehmer nur noch die Hälfte. Und ein Arbeitgeber, der wie Gudmundsson sein Geld in Euro verdient, kann diese Kronen-Löhne nun mit links zahlen.

Auch Knútur R. Ármann kommt fast nicht mehr hinterher mit der Produktion. Er steht im unwirklichen Licht eines seiner Gewächshäuser und serviert Schnaps in ausgehöhlten Tomaten. Auch ohne "Jubiläums"-Aquavit schmecken sie zumindest nicht schlechter als gute Gewächshaustomaten aus Holland oder Spanien.

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