Justiz Staatsanwalt fordert neun Jahre für Klatten-Erpresser
Der Ex-Geliebte von Susanne Klatten hat vor Gericht zugegeben, die BMW-Mitinhaberin und Millionenerbin erpresst zu haben. Die Staatsanwaltschaft beantragte neun Jahre Haft
Der Schweizer Helg S. hat vor dem Münchner Landgericht ein umfassendes Geständnis abgelegt. Sein Anwalt verlas eine Erklärung, in der sein 44-jähriger Mandant die Vorwürfe umfassend einräumt. "Ich möchte folgende Erklärung abgeben", ergänzte S. in einer persönlichen Erklärung. "Ich bedauere das Vorgefallene zutiefst und entschuldige mich hier in dieser Hauptverhandlung und in aller Öffentlichkeit bei den geschädigten Damen." Zum Verbleib des Geldes und möglichen Hintermännern machte er allerdings keine Angaben. Mit seinem Geständnis erspart S. den drei betroffenen Frauen, darunter die Milliardärin Susanne Klatten, eine Aussage vor Gericht.
Mit einem minutenlangen Blitzlichtgewitter hat der Prozess am Morgen begonnen. Helg S. stellte sich gelassen und ruhig einem Dutzend Fotografen und Kameraleuten; 150 Journalisten hatten sich für das Verfahren akkreditiert. Die Anklage wirft ihm vor, die Quandt-Erbin und BMW-Großaktionärin Susanne Klatten sowie drei weitere wohlhabende Frauen verführt und dann um Millionenbeträge erleichtert zu haben. In zwei Fällen versuchte er den Ermittlungen zufolge auch, die Frauen mit intimen Bildern zu erpressen. Klatten selbst hatte das Verfahren mit ihrer Anzeige ins Rollen gebracht.
Der Schweizer hatte die Frauen in edlen Wellness-Hotels kennengelernt und Beziehungen begonnen. Als er seine Erpressungsversuche startete, hatte er binnen eineinhalb Jahren bereits 9,4 Millionen Euro freiwillig bekommen. Zu den Zahlungen brachte er die Frauen laut Staatsanwalt stets mit der Geschichte von einem Unfall mit einem schwer verletzten Kind. Nun müsse er sich freikaufen. Die Millionensummen soll S. dem Leiter einer Sekte in Italien gegeben haben. Die Staatsanwaltschaft hält den Sektenführer für einen Mittäter. Jedoch soll ihm in Italien der Prozess gemacht werden.
Insbesondere die Verstrickung der 46-jährigen Klatten, der reichsten Frau Deutschlands, sorgt für immenses Interesse der Öffentlichkeit. Kennengelernt hat Helg S. Susanne Klatten im Juli 2007 in einem Gesundheitszentrum in Österreich, wo er gezielt den Kontakt zu ihr suchte. In der Folgezeit bemühte er sich hartnäckig darum, dass sich ein Verhältnis entwickelte. Ende August gaukelte S. Klatten demnach vor, er habe in den USA einen Verkehrsunfall verschuldet, bei dem ein Kind verletzt worden sei. Weil er im Auftrag der Schweizer Regierung in Krisengebieten als Verhandlungsführer arbeite, müsse er mit Hilfe von Geld einen drohenden Prozess abwenden. Dazu brauche er von ihr sieben Millionen Euro als Darlehen. Klatten lehnte erst ab, zahlte aber dann doch - im Glauben, einem querschnittsgelähmten Mädchen zu helfen.
Anfang Oktober 2007 habe S. die Unternehmerin aufgefordert, ihren Mann seinetwegen zu verlassen; für seinen Lebensunterhalt forderte er 290 Millionen Euro. Klatten weigerte sich und beendete kurz darauf die Beziehung. In der Folge informierte S. sie über die kompromittierenden Filmaufnahmen und drohte, diese an ihren Ehemann, die Vorstände der Unternehmen, an denen Klatten beteiligt ist, und an die Presse zu schicken.
In einem Telefonat Anfang November 2007 verlangte S. laut Staatsanwaltschaft 49 Millionen Euro. Im Dezember reduzierte er demnach seine Forderung auf 14 Millionen und stellte Klatten ein Ultimatum bis zum 15. Januar 2008. Womit er nicht gerechnet hatte: Die sonst überaus diskret in der Öffentlichkeit auftretende Frau wandte sich an die Ermittler. Am 14. Januar wurde S. in Tirol festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft.
Die Staatsanwaltschaft wirft S. in vier Fällen Betrug im besonders schweren Fall und in zwei Fällen zusätzlich versuchte Erpressung im besonders schweren Fall vor. Dem Angeklagten droht eine mehrjährige Haftstrafe; auf Betrug stehen bis zu zehn Jahre Gefängnis, auf Erpressung in besonders schwerem Fall bis zu 15 Jahre. Das Gericht will bis zum 1. April sein Urteil gesprochen haben.
- Datum 09.03.2009 - 14:47 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa. Reuters
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...für ihren Mut, diesen Gauner angezeigt zu haben, ebenso wie ihre Bereitschaft, ggf. auch öffentlich gegen ihn vor Gericht auszusagen.
Über die Gründe ihres "Fehltritts" zu spekulieren ist müssig.
Vermutlich gibt es noch mehr Sgarbis auf dieser Welt zu deren Entlarvung manche betroffene Frau nicht den Mut aufbringt, den Frau Klatten hatte.
Ihr Beispiel sollte anderen Betroffenen ein Vorbild sein.
Warum verdient Frau Klatten denn den grössten Respekt?Insgesamt kann man auch am gerade vorgetragenen Plädoyer der Staatsanwaltschaft(sie fordert 9Jahre Haft für den geständigen Angeklagten)erkennen,das die alten Seilschaften,die Frau Klatten und den Quandts ihren Reichtum erst ermöglicht haben,noch immer funktionieren.Der Angeklagte hat lediglich ein wenig von dem Geld bekommen,das tausenden von Zwangsarbeitern dieser Familie bis heute vorenthalten wurde.Beinahe jeder anderen Person des öffentlichen Lebens hätte man sicherlich ein ganz anderes "Schlammbad"in den Medien bereitet.
Was mich an der Sache irritiert ist, dass jemand mit einer Geschichte, die aus einem billigen Drehbuch stammen könnte, es schafft, einem anderen jemand einige Millionen aus der Tasche zu ziehen. Menschen schalten offenbar sehr schnell ihren Verstand aus, wenn Gefühle mit im Spiel sind. Ein wenig traurig ist das Ganze ja schon, aber ich finde, dass sie für den Mut, den Vorfall anzuzeigen, und sich damit auch der Neugierde (und in einigen Fällen sicher auch der Schadenfreude) der Öffentlichkeit auszusetzen, durchaus Respekt verdient. Die meisten Leute würden es wohl vorziehen, mit Nobelpreisen in die Schlagzeilen zu kommen, als mit derartigen Geschichten. Und die Courage, sich mit Peinlichem dieser Art ins Rampenlicht zu wagen, hat in einem Land, in dem Politiker aus Prinzip alles richtig machen, und z.b. nie Wahlen verlieren, sondern nur von ihren (dämlichen) Wählern nicht verstanden werden, durchaus Seltenheitswert. Insofern wirklich ein Beispiel für Mut, der gefällt.
Also die Bewunderung für Frau Klatten kann ich nicht nachvollziehen. Dass sie sich nach der unfassbaren Dummheit, sich auf die Erpressung einzulassen, letztlich doch noch dazu durchgerungen hat, das Selbstverständliche zu tun, nämlich Anzeige zu erstatten, beeindruckt mich wenig.
unfassbare Dummheit öffentlich zu machen. Vielleicht ist das der Punkt für die Bewunderung?
unfassbare Dummheit öffentlich zu machen. Vielleicht ist das der Punkt für die Bewunderung?
unfassbare Dummheit öffentlich zu machen. Vielleicht ist das der Punkt für die Bewunderung?
"Weil er versucht hat, den Lebensmittelkonzern Lidl zu erpressen, muss ein 38 Jahre alter Mann aus Köln für ein Jahr und drei Monate ins Gefängnis, das Amtsgericht Heilbronn befand den Mann der räuberischen Erpressung für schuldig."
Selbst ein anderer Erpresser, der damit drohte, vergiftete Lebensmittel in LIDL –Regale zu stellen, bekam „nur’ 3 ½ Jahre.
"Fünf Jahre und drei Monate Gefängnis - so lautet das Urteil für den Hauptangeklagten Michael S. wegen der millionenschweren Erpressung der Liechtensteinischen Landesbank mit gestohlenen Kontodaten."
9 Jahre für einen Gigolo, der ein paar schwerreiche Damen wie weiland Felix Krull abzocken wollte…
Sag mir doch keiner, in diesen Kreisen hat man keine Ahnung, mit wem man sich im Bett "paart", selbst wenns heimlich ist...
Frau Quandt hat 10 Milliarden und sicher auch 1.000 EUR Tagesatz für eine erstklassige Detektei übrig...
Wie schrieb der FOCUS:
„Die Geschichte der Quandts ist auch eine Geschichte von Affären, Seitensprüngen, Ehebruch.“
Selbst neben Harald Quandt verstarb ja bereist seine Geliebte beim Flugzeugabsturz...
Insgesamt, 9 Jahre, ich kann mir nicht helfen, aber irgendwas ist bei dieser Strafbemessung eigenartig…
PS:
Seit Jahren lobt die Quandt - Familie einen Journalistenpreis aus, der Beiträge über Unternehmer honoriert – mit immerhin 50.000 EUR.
scheinen ja dazu zu tendieren, dieabsolute schadensumme bei der strafzumessung zu berücksichtigen (wer mehr als 1 mio steuern hinterzieht, soll in den bau, etc...).
und hat der typ nicht diese 83 jährige komm..tess um 27 mio erleichtert ?
aber wir leben ja in d.. da ist vorauseilender gehorsam für staatstragende familien selbstverständlich :)
scheinen ja dazu zu tendieren, dieabsolute schadensumme bei der strafzumessung zu berücksichtigen (wer mehr als 1 mio steuern hinterzieht, soll in den bau, etc...).
und hat der typ nicht diese 83 jährige komm..tess um 27 mio erleichtert ?
aber wir leben ja in d.. da ist vorauseilender gehorsam für staatstragende familien selbstverständlich :)
scheinen ja dazu zu tendieren, dieabsolute schadensumme bei der strafzumessung zu berücksichtigen (wer mehr als 1 mio steuern hinterzieht, soll in den bau, etc...).
und hat der typ nicht diese 83 jährige komm..tess um 27 mio erleichtert ?
aber wir leben ja in d.. da ist vorauseilender gehorsam für staatstragende familien selbstverständlich :)
Empathie hätte den Kern der Sache viel eher getroffen. Aber die Steine, die auf Frau Klatten geworfen werden, sagen viel mehr über die Werfer aus als über Frau Klattens "Fehltritt". Aus meiner Sicht spricht es für extreme Naivität, den Aufbau menschlicher Beziehungen in die Nähe rationaler Aushandlungsprozesse rücken zu wollen.
Unser Leben ist das, was unsere Gedanken aus ihm machen. (M. Aurel)
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