Verlierer Klinsmann Stehend k.o.

Das Lächeln ist Jürgen Klinsmann vergangen. Nach dem Pokal-Aus gegen Leverkusen bleibt der Bayern-Trainer hilflos zurück.

Eine menschliche Statue: Jürgen Klinsmann während des Pokalspiels in Leverkusen

Jürgen Klinsmann stand wie versteinert an der Seitenlinie. Die Hände tief in den Jackentaschen vergraben. Gut eine Minute lang regte, rührte sich nichts in seinem Körper. Nicht einmal ein Zucken. Allenfalls Wimpernschläge hätten Kameras als Lebenszeichen einfangen können. Der Mann war stehend k.o. Gerade hatte Stefan Kießling in der Nachspielzeit mit einem Konter zum 4:2 das rassige Pokalspiel für Bayer Leverkusen entschieden.

Was mag in diesen Minuten durch den Kopf dieser menschlichen Statue gegangen sein? Warum habe ich mir das angetan? Warum spielt die Mannschaft nicht so, wie ich es will? Werde ich scheitern? Werden sie nun richtig auf mich draufhauen? Keine dieser Fragen hat er in seinen monologartigen Erklärungen später vor den Kameras und auf der Pressekonferenz beantwortet.

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Es liegt in der Natur von Bayern-Niederlagen, dass sie das Thema sind – und weniger der Triumph ihrer Bezwinger wie in diesem Fall die großartig aufspielende Bayer-Mannschaft. Dem Sieger Bruno Labbadia wurden auf der Pressekonferenz keine Fragen gestellt. Klinsmann hingegen entlockten die Journalisten Plattitüden: "Besinnen, sacken lassen, schlucken, aber noch vorne schauen, keiner wird den Kopf in den Sand stecken. Wir werden uns aufrichten und am Samstag in der Bundesliga nachlegen und gegen Hannover loslegen."

Jürgen Klinsmann sieht sehr blass aus. Ein bisschen kalifornische Sonne würde der Farbe im immer schmäleren Gesicht gut tun. Oder eine Siegesserie in der Bundesliga. Das strahlende Lachen des Sommermärchens als Bundestrainer ist einem ständig gequälten Lächeln gewichen, das erste Zeichen der Verzweiflung ahnen lässt. Was macht er nur falsch? Die Idee, Tim Borowski in einer Art Ballack-Rolle spielen und Sebastian Schweinsteiger draußen zu lassen, war gewiss keine gute und ging bis zum Wechsel nach einer Stunde völlig daneben. Von seinem Vorgänger Ottmar Hitzfeld, sonst als Premiere-Fachkommentator noch ganz Bayern-Trainer, musste er sich daher sagen lassen: "Bayern hatte keinen guten Tag, weil zu viele Bälle im Mittelfeld verloren wurden."

Es war bemerkenswert, wie Hamit Altintop dem Journalistenpulk das Dilemma erklärte: "Fußball ist ein Kollektivspiel. Bei uns funktioniert das Kollektiv nicht. Daran hapert es." Ein einzelner Spieler allein könne der Mannschaft die ganze Saison über nicht helfen. Womit er nur Franck Ribéry gemeint haben kann. National weiß mittlerweile jeder Trainer, wie der den französischen Weltklassespieler entzaubern kann: mit bis zu drei Mann einkesseln.

Das Powerplay und die Aufholjagd vom 0:3 zum 2:3 erinnerten an Getafe vor einem knappen Jahr. Daniel van Buyten wurde als Luca Toni eingewechselt, und Michael Rensing spurtete vom eigenen vor das gegnerische Tor wie damals Oliver Kahn. Doch es fiel diesmal eben kein 3:3 mehr in letzter Minute.

In Erwartung der nun bundesweiten und vor allem Münchner Medienschelte gilt für Uli Hoeneß: Ruhe ist die erste Bayernpflicht. "Wir werden mit der Situation kritisch umgehen, aber auf keinem Fall dem nachgeben, was die Medien versuchen, nämlich totale Unruhe in den Verein zu bringen, Spieler gegen Trainer und umgekehrt auszuspielen." Denn was sei denn schon passiert? Vom Parkett der ersten und unattraktivsten der drei Hochzeiten hat sich der FC Bayern verabschiedet. "Wir sind doch nicht so überheblich zu glauben, jedes Jahr drei Wettbewerbe zu gewinnen. In den beiden wichtigsten sind wir noch da. Die Ausgangspositionen sind nicht schlecht, die Dinge sind reparabel." Der Manager vergaß bei all seinen Beschwichtigungen und Kleinreden den entscheidenden Hinweis allerdings nicht: "Natürlich müssen wir besser spielen als heute."

 
Leser-Kommentare
  1. Ich frage mich warum alle Journalisten ein scheitern von Jürgen Klinsmann geradezu herbeireden.

    Die Bayern sind lediglich aus dem DFB-Pokal ausgeschieden. Hat es das vorher nie gegeben? OK, die letzten Spiele waren, mit Ausnahme von Lissabon, waren zum Teil glücklos, zum Teil schlecht. Aber solche Phasen gibt es. Das sind Menschen keine Maschinen.

    ABER, EINEN SO UNTERHALTSAMEN FUSSBALL WIE DIESE SAISON HABE ICH LANGE NICHT MEHR GESEHEN!

    • bierus
    • 05.03.2009 um 16:39 Uhr

    1. Weil Journalisten (speziell hinterher) immer alles besser wissen
    2. Weil Journalisten (außer für ihr Geschreibsel) selten bis nie für irgendetwas verantwortlich sind
    3. Weil Journalisten häufig Schwierigkeiten mit der Tatsache haben, über Geschehenes nur berichten zu können. Vielmehr nagt an Ihnen der Ehrgeiz, Dinge auch selbst beeinflussen zu wollen.

    • clubby
    • 05.03.2009 um 17:06 Uhr

    Die Bayern auf dem Abstiegskurs. Nein sie verlieren nicht nur, sie sind demotiviert, deprimiert, erschöpft, fertig!

    Was für herrliche Bilder.
    Mehr, viiieeeel mehr.

    Am besten nun noch in der Liga.

    Vergeßt die Wirschaftskrise, schaut in was für schönen Zeiten wir doch leben.
    Herrlich!

  2. es wäre schon zu hinterfragen was die verantwortlichen
    des fcb dazu bringt herrn klinsmann einen solchen job
    anzutragen. welche qualifikationen bringt derjenige mit,
    dem ich einen solchen verantwortungsvollen job gebe?
    bei herrn klinsmann ist die trainervita recht überschaubar
    und seine methoden, die hauptsächlich in motivationstiraden
    und dem zusammenstellen eines riesen-teams bestehen,
    verbrauchen sich recht schnell (bei einem vereinsteam eben
    noch schneller als beim nationalteam).
    jeder bewerber um einen job (gerade bei solch hoch dotierten)
    muss bestimmte referenzen vorlegen. dies scheint im falle
    von herrn klinsmann obsolet.
    deswegen wird seine zeit bei den bayern überschaubar
    bleiben

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Olly66
    • 05.03.2009 um 17:32 Uhr

    Ich fürchte, Sie haben recht. Auch Vogts ging in Leverkusen mit Pauken und Trompeten unter, mitsamt seinem aufgeblähten Trainerstab.
    Du kannst eine Bundesligatruppe in einem langen Jahr voller Alltag nicht mit sporadischen Motivationsspitzen antreiben. Da muss das Grundlegende passen: Fühlen sich die Spieler gerecht behandelt, gibt's Abwechslung im Training, stimmt der Rhythmus zwischen Nähe und Distanz...

    • Olly66
    • 05.03.2009 um 17:32 Uhr

    Ich fürchte, Sie haben recht. Auch Vogts ging in Leverkusen mit Pauken und Trompeten unter, mitsamt seinem aufgeblähten Trainerstab.
    Du kannst eine Bundesligatruppe in einem langen Jahr voller Alltag nicht mit sporadischen Motivationsspitzen antreiben. Da muss das Grundlegende passen: Fühlen sich die Spieler gerecht behandelt, gibt's Abwechslung im Training, stimmt der Rhythmus zwischen Nähe und Distanz...

    • Olly66
    • 05.03.2009 um 17:32 Uhr

    Ich fürchte, Sie haben recht. Auch Vogts ging in Leverkusen mit Pauken und Trompeten unter, mitsamt seinem aufgeblähten Trainerstab.
    Du kannst eine Bundesligatruppe in einem langen Jahr voller Alltag nicht mit sporadischen Motivationsspitzen antreiben. Da muss das Grundlegende passen: Fühlen sich die Spieler gerecht behandelt, gibt's Abwechslung im Training, stimmt der Rhythmus zwischen Nähe und Distanz...

  3. Ich freue mich immer richtig wenn man Hoeneß dann nach dem Spiel mit Schweiß auf der Stirn dumm reden höre. So ein arroganter Haufen ist das, verstehen nicht dass man auch mal schlechter spielen kann. Sowas kommt nach Spiel im Interview raus:

    "In unserer Gesellschaft ist es populär, schlaue Sprüche zu machen. Alles besser wissen, das können viele. Aber alles besser machen, das werden wir."

  4. Ich meine, daß HeadCoach Klinsmann in der BundesLiga im Rennen um Platz eins oder zwei ganz gut im Rennen liegt. Die Leistung der BayernSpieler in der Champions League ist doch jetzt schon ein großer Erfolg für den Verein, für die Spieler sowie für Klinsmann und sein Team!

    Stehend "k.o.", das kann nur einer formulieren, der keine oder nur wenig Ahnung hat! Die Lage ist ernst, aber nicht besonders schwierig zu meistern!

    Wer den BundesligaSpielPlan für die RestSaison kennt und zu einer gründlichen Analyse fähig ist, wird erkannt haben, daß das Team des FC Bayern eine sehr gute Chance hat, Meister zu werden oder den zweiten Champions-League-Platz in der 'EndAbrechnung' zu belegen.

    Niederlagen kommen im Pokal nun mal vor.

    Zwölf LigaSpiele sind in der Bundesliga noch zu spielen. Nach dem Ausscheiden aus dem DFB-Pokal haben die BayernSpieler eine Last weniger zu schultern und können sich auf die Meisterschaft und die Champions League konzentrieren.

    Bayern spielt insgesamt nur zweimal, jeweils auswärts, gegen ein Team (Wolfsburg und Hoffenheim) aus dem derzeitigen führenden FünferFeld. Schalke und Leverkusen (Hier mit der Option der Revanche für die Bayern!) müssen in München gegen die Bayern antreten. Die Spiele gegen Bremen, Hamburg und Dortmund sind gespielt.

    Weiter haben die Bayern, obwohl ihre HeimspielBilanz in dieser Saison bisher nicht gut ist, als einziges LigaTeam des führenden FünferFeldes noch sieben HeimSpiele.

    Spitzenreiter Hertha spielt u.a. gegen Hamburg und Hoffenheim sowie Bremen, Schalke, Leverkusen und Dortmund.

    Der derzeit hoch gehandelte VfL Wolfburg muß Anfang April gegen die Bayern antreten und spielt auch u.a. noch gegen Hoffenheim sowie Bremen, Schalke, Leverkusen und Dortmund.

    BLNeuling Hoffenheim müßte sich im FünferFeld gegen folgende Clubs durchsetzen: Bayern, Hamburg, Hertha und Wolfsburg. Außerdem u.a. noch gegen Bremen und Schalke.

    Auch das Programm des HSV, gegen die leistungsstarken Clubs, hat eine gute Qualität: Hertha und Hoffenheim sowie u.a. Bremen, Schalke und Dortmund.

    Zu beachten ist, daß die Bayern (gegen Stuttgart in M), der HSV (Frankfurt in F) und die Hertha (Karlsruhe in KA) am letzten Spieltag jeweils gegen 'machbare' Gegner spielen. Wolfsburg hat dann Bremen zu Gast und Hoffenheim Schalke, wobei es für alle vier Clubs wohl noch um die Teilnahme am UEFACup gehen könnte. Hertha spielt dann wohl gegen den Absteiger Karlsruhe.

    Am vorletzten SpielTag, 16. Mai 2009, dürften u.a. die Partien Hoffenheim gegen Bayern und Hertha gegen Schalke über die endgültige Patzierung in der BLTabelle entscheiden.

    Schalke (u.a. HSV, Bayern, Hertha, Wolfsburg, Hoffenheim) und Leverkusen(u.a. Bayern, Wolfsburg, Hertha, Bremen) müssen zwingend mindestens gegen die MitBewerber um einen UEFACupPlatz punkten, um dann doch noch dabei zu sein. Der VfB Stuttgart (Bayern, Bremen, Schalke, HSV, Wolfsburg, Hertha, Dortmund) hat seine leichten Spiele in der RückRunde bereits hinter sich (davon profitierte Trainer Babbel sehr) und wird wohl wieder deutlich ins MittelFeld zurück fallen.

    Mein Tipp: Bayern und der HSV erreichen Platz 1 oder 2 der Bundesliga. Leverkusen und Schalke werden um die TabellenPlätze 4 oder 5 kämpfen.

    Weiterhin hoffe ich, ohne ein ausgesprochener Klinsmann- oder Bayern-Fan zu sein, daß HeadCoach Klinsmann seine Arbeit in München in der kommenden SpielZeit 09/10 fortsetzen kann.

    • HBogon
    • 05.03.2009 um 22:41 Uhr

    Klinsmann und die käuflichen Millionäre in kurzen Hosen gehen mir am A**** vorbei.
    Spielwiese für russische Oligarchen und anderes Gesocks, das tägliche Publicity braucht.

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