Bundesliga Schalke entlässt Manager Müller

Die sportliche Misere hat personelle Konsequenzen: Schalke 04 beurlaubt seinen glücklosen Manager, nachdem dieser zuvor einen freiwilligen Rücktritt abgelehnt hat

Packt seine Sachen und ist raus: Andreas Müller

Packt seine Sachen und ist raus: Andreas Müller

Der Klub bestätigte die Entlassung Müllers nach einem Gespräch mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies und Gremiumsmitglied Jens Buchta mit dem 46-Jährigen, der als Profi, Teammanager und Manager gut zwanzig Jahre lang im Verein tätig war. "Müller ist beurlaubt. Wir haben ihm den Rücktritt nahe gelegt. Aber das hat er nicht angenommen", sagte Tönnies. An Cheftrainer Fred Rutten möchte der Verein weiter festhalten.

Schalke schied im DFB-Pokal vergangene Woche gegen einen Zweitligisten aus, scheiterte bereits in der Vorrunde im Uefa-Pokal und liegt in der Liga auf Platz 8. Der Schritt war allerdings nicht nur deshalb erwartet worden:  Schon lange verweigerte die Klubführung Müller die Rückendeckung, obwohl er seit Monaten den Piffen der Fans ausgesetzt war. Das Verhalten war in Medienkreisen als "stillos" (FR) kritisiert worden. Selbst der 1:0-Sieg am vorigen Freitag gegen den 1. FC Köln konnte den Gelsenkirchner Anhang nicht beruhigen. Gestern sagte Müller eine Einladung zur DSF-Bierrunde Doppelpass kurzfristig ab, offenbar auf Druck des Vorstands.

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Kernpunkt der Kritik ist die Schalker Transferpolitik: Viele Spieler, die Müller nach Schalke gelotst hat, blieben weit hinter den Ansprüchen des Vereins zurück. Zu den größten Flops in Müllers Amtszeit gehören Carlos Grossmüller, der zu den Amateuren abgeschoben wurde, sowie die im Januar 2008 verpflichteten Ze Roberto und Albert Streit. Die FAZ bezeichnet Schalke deshalb als "Durchlauferhitzer für profitorientierte Profis".

Der gebürtige Stuttgarter Müller war vom 1. Juli 1988 bis zum Ende seiner aktiven Laufbahn im Sommer 2000 in der Bundesliga 200 Mal für Schalke am Ball (17 Tore). Seinen größten Erfolg als Profi feierte Müller, der 1984 mit dem VfB Stuttgart Meister wurde, mit dem Gewinn des Uefa-Pokals 1997. Von 2000 an ging er als Teammanager bei seinem Förderer Rudi Assauer sechs Jahre in die Lehre, ehe er am 17. Mai 2006 nach Assauers erzwungenem Rücktritt dessen Nachfolge antrat.

Trainer Rutten darf trotz der sportlichen Misere zunächst weitermachen. "Seine Arbeit stand nie infrage", sagte Tönnies. Eine Behauptung, deren Wahrheitsgehalt im Moment schwer zu überprüfen ist – und von der man nicht weiß, wie lange sie gilt.

 
Leser-Kommentare
    • hagego
    • 10.03.2009 um 11:37 Uhr

    Da Manager Müller ein gerüttelt Maß Schuld an der augenblicklichen Misere auf Schalke hat, ist es m.E. konsequent gewesen, den glücklosen Schwaben zu entlassen. Wahrscheinlich hat die Vereinsführung mit diesem Schritt zu lange gewartet.

    Man mag bedauern, dass Müller nun "geopfert" wird, darf aber zugleich nicht vergessen, dass er Mirko Slomka zu einer Zeit entlassen hat, als die Mannschaft sehr viel erfolgreicher als zur Zeit spielte. Allen Treueschwüren von Andreas Müller gegenüber Mirko Slomka zum Trotz entließ der Manager den Trainer, den er selbst als hauptverantwortlichen Trainer auf Schalke installierte. Rudi Assauer war ob dieser Personalie geradezu verblüfft.

    Ob es dem augenblicklichen Trainer Fred Rutten gelingen wird, die verschiedenen Solitärpflanzen wieder zu einer Einheit, zu einer Mannschaft zu formen, muss abgewartet werden. Es gab und gibt im Schalker Mittelfeld nach wie vor zu viel "Sechser", aber keinen wirklichen Spielmacher nach Lincolns Abschied.

    Den (m.E.) zu lange unterschätzten Sanchez hat man lange keine Chance gegeben. Jetzt, wo viele auf Schalke ihn schon als Fehleinkauf abgetan haben, blüht dieser technisch begabte Spieler geradezu auf. Zu spät?

  1. Leider ist es Müller nach dem Abgang von Lincoln nicht gelungen Kreativität ins Mittelfeld zu bringen. Die Spielmacherposition wurde einfach überhaupt nicht mehr besetzt. Womöglich hat Müller nicht einmal mehr danach gesucht, weil er meinte, Schalke könne auch ohne die klassische 10 (Spielmacher) erfolgreich und attraktiv spielen.
    Stattdessen spielte Schalke, wenn auch nicht gänzlich erfolglos, so doch überwiegend sehr unattraktiven Fußball. Wenn, dann waren es immer und immer wieder Standards, die den (Tor-)Erfolg bescherten.

    Weiterer Kardinalfehler von Müller: Über Jahre wurden die Schalker Spieler verhätschelt, z.B. auch mit Hilfe des "netten Herr Slomka" und einem riesigen Betreuerstab, der den Spieler wahrscheinlich auch heute noch in der Kabine den Popo abwischt. Und immer wieder hat sich Müller vor die Spieler gestellt, egal wie unterirdisch deren Leistungen teilweise waren. Die Folge waren und sind charakterlich für Schalke nicht geeignete und verwöhnte Sensibelchen (wie z.B. Kuranyi), die auf Kritik von Fans und Journalisten wie beleidigte Leberwürste reagieren und zu Selbstkritik gar nicht mehr fähig sind, weil sie immer (von Beratern und Freunden und halt Müller) nur hörten wie toll sie angeblich sind. Man hat zudem manchmal den Eindruck, dass es innerhalb der Mannschaft keinen wirklichen echten und fairen Konkurrenzkampf gab und gibt und bestimmte Spieler (z.B. Kuranyi) immer wieder bevorzugt wurden und werden.

    Müller hat es leider auch nie geschafft die Neuzugänge (auch Trainer Rutten!) auf Schalke und seine Besonderheiten, insbesondere auf das emotionale Umfeld, einzuschwören und einzustimmen. Bis heute identifizieren sich die wenigsten Neuzugänge mit dem Verein, ja verstehen nicht einmal die heftigen Emotionen der Fans und des Umfeldes auf Schalke und meiden - wie auch Müller stets selbst - jeden Kontakt zu denen, die ihr letztes Hemd für Schalke geben würden. Diese Wagenburgmentalität der Mannschaft, die zuletzt wieder gegen Köln nach dem Spiel offenkundig wurde, hat Müller zu verantworten und schadet allen auf Schalke, vergiftet regelrecht die Stimmung zwischen Fans und Spielern.

    Die Nähe von Müller zu bestimmten Spielerberatern (ROGON, Gerster) ist mir persönlich auch immer bitter aufgestoßen. Bei manchen Transfers konnte man den Eindruck bekommen Müller verlässt sich blind auf diese Leute, die natürlich die Interessen der Spieler und nicht die des Vereins im Sinn und viel zu großen und nutzbaren Einfluss und Einblick in die Mannschaft (z.B. auch in das Gehaltsgefüge) bekommen haben.

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