Nato Wie ein Hammer auf der Suche nach Nägeln

Sie ging als Siegerin aus dem Kalten Krieg hervor, sie überstand Krisen und widerlegte Auflösungsgerüchte. Nun feiert die Nato ihren 60. Geburtstag - eine Würdigung

Für den 60. Geburtstag wird die Nato hübsch gemacht: Arbeiter bereiten die Jubiläums-Feier in Straßburg vor

Für den 60. Geburtstag wird die Nato hübsch gemacht: Arbeiter bereiten die Jubiläums-Feier in Straßburg vor

Am 4. April 1949 versammelten sich die Außenminister von zwölf westlichen Ländern im Weißen Haus, um den Nordatlantikpakt zu unterzeichnen, die Geburtsurkunde der Nato. In seinen Memoiren Present at the Creation schildert der damalige US-Außenminister Dean Acheson die Szene: Während die Würdenträger auf den Beginn der Unterzeichnungszeremonie warteten, gab die Marinekapelle dem Akt eine unerwartete Prise Realismus. Sie spielte zwei Lieder aus dem Musical Porgy and Bess – "I got plenty of nothing" und "It ain’t necessarily so". Der Berliner würde übersetzen: "Ick hab ville von nüscht" und "Det musste nich' wirklich glooben".

Die beiden Schlager beschrieben den anfänglichen Zustand des Atlantischen Bündnisses mit unbeabsichtigter Direktheit. Nach 1945 hatten die Mitgliedsstaaten rasch abgerüstet. Und ob auf die hochtrabenden Beistandsversprechen, die sich die Nato-Mitglieder gegeben hatten, im Ernstfall wirklich Verlass war, schien zweifelhaft.

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Solche Zweifel verflüchtigten sich bald. Die Nato überlebte unzählige interne Krisen: Der Streit um den Sueskanal 1956; Frankreichs Rückzug aus der Militärorganisation 1966; in den Siebzigern und Achtzigern der Konflikt um die richtige Nuklearstrategie und dann um die Entspannungspolitik. Aus der großen Zeitenwende 1989 bis '91, als die Berliner Mauer fiel, der Warschauer Pakt sich auflöste und die Sowjetunion auseinander fiel, ging die westliche Allianz triumphierend hervor: als eindeutiger Sieger des Kalten Kriegs.

Seitdem jedoch gleicht die Nato einem Hammer auf der Suche nach Nägeln: ein Militärbündnis, das verzweifelt neue Aufträge finden möchte.

Zunächst dachten die Nato-Planer daran, der Allianz die Aufsicht über die Transformation Osteuropas von der Kommandowirtschaft zur freien Marktwirtschaft zu übergeben; ein hoffnungsloses Unterfangen. Dann konzentrierten sie sich auf den sogenannten Stabilitätstransfer nach Osten. Dies geschah durch Aufnahme von zehn früheren  kommunistischen Staaten. Auch nahmen sie sich vor, eine Kooperationspartnerschaft mit Russland aufzubauen; dem sollten der Nato-Russia Founding Act und der Russland-Nato-Rat dienen – ein Ansatz, den die robuste Ost-Erweiterung des Bündnisses, zuletzt durch die angestrebte Aufnahme Georgiens und der Ukraine, zur Wirkungslosigkeit verurteilte.

Als die Sowjetunion auseinander fiel, ging das Bündnis über sein Vertragsgebiet hinaus – auf dem Balkan zuerst, dann in Afghanistan. In Bosnien und im Kosovo hat es gute, wenngleich noch unvollendete Arbeit geleistet. In Afghanistan jedoch hieß out of area nichts anderes als into trouble .

Leser-Kommentare
  1. Die NATO ist unter der Führung der USA eine Verbrecher Allianz, die Angriffskriege führt, Länder besetzt und Foltermethoden aus dem Mittelalter benutz. Die NATO sind die Achsenmächte der Neuzeit, diese hielten sich gegenüber anderen Ländern auch für moralisch überlegen und diese haben auch lügenverbreitet bevor sie Länder Überfielen.

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