Autokrise Aussichten für Opel immer trüber
Böse Omen für Opel: Kanzlerin Merkel zeigt sich skeptisch, Entwicklungsaufträge des Mutterkonzerns GM bleiben aus, die Indizien für Werksschließungen werden stärker

© Fabrice Coffrini/AFP/Getty Images
Unklar, ob es je gebaut werden kann: das Hybrid-Fahrzeug Ampera
Die Rheinische Post berichtet unter Berufung auf Aufsichtsratskreise, Opel wolle das Werk in Bochum nicht schließen. Dafür sollten die Produktionsstätten im thüringischen Eisenach und im schwedischen Trollhättan verkauft werden, das Werk in Antwerpen (Belgien) auf Druck der Opel-Mutter General Motors vermutlich geschlossen werden, hieß es. Eisenach ist das modernste Werk von Opel und könnte daher am ehesten für einen Konkurrenten interessant sein.
Opel kämpft derzeit mit einer Überkapazität von 30 Prozent. Dies entspreche etwa drei Werken, sagte GM-Europachef Carl-Peter Forster vor einigen Tagen. Daher war verstärkt auch über eine mögliche Schließung des Bochumer Werks spekuliert worden. Europaweit hängen an Opel nach Angaben des Unternehmens 50.000 Arbeitsplätze.
Nach Informationen der Automobilwoche plant der amerikanische Mutterkonzern General Motors die Zukunft bereits ohne Opel. Das Internationale Technische Entwicklungszentrum (ITEZ) des Konzerns in Rüsselsheim habe nach der Neuentwicklung des künftigen Meriva und des neuen Zafira keinen weiteren Großauftrag mehr, schreibt die Fachzeitung unter Berufung auf einen Manager.
Demnach könne der übernächste Astra statt in Rüsselsheim bei der GM-Tochter Chevrolet/Daewoo in Südkorea entwickelt werden. Opel-Chef Hans Demant wolle nun Aufträge von Entwicklungsdienstleistern zurück nach Rüsselsheim holen. Unterdessen schwinde auch bei den Händlern das Vertrauen in eine Opel-Rettung. Nach Informationen der Zeitung sucht der größte Opel-Händler AVAG einen neuen Partner und ist bereits in Gesprächen mit Ford.
Auch die Politik gibt Opel-Mitarbeitern derzeit wenig Grund zur Hoffnung. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht noch keine ausreichende Grundlage für staatliche Hilfe an den Autobauer Opel, bekräftigt aber den Willen zur Suche nach einer Lösung. "Wir werden helfen, wenn der Nutzen für alle Menschen größer ist als der Schaden. An diesem Punkt sind wir leider noch nicht", sagte Merkel in ihrer Videobotschaft vom Samstag. "Das Konzept muss noch nachgebessert und geklärt werden." Die Regierung sei es aber den Mitarbeitern und Angehörigen von Opel schuldig, "dass wir alles daran setzen zu sehen, ob wir eine solche Lösung finden". Bei Opel arbeiten in Deutschland mehr als 25.000 Menschen.
Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, Dagmar Wöhrl (CSU), sieht für den angeschlagenen Auto-Konzern kaum noch Rettungschancen. Das Unternehmen könne die Insolvenz nur noch vermeiden, wenn Opel schnell "eine Perspektive zum Besseren aufzeigt", sagte Wöhrl dem Nachrichtenmagazin Focus. Ob Steuergelder in so beträchtlichem Maß wie von Opel verlangt an ein Unternehmen fließen sollten, das bereits Werksschließungen und die Entlassung tausender Mitarbeiter angekündigt hat, sei "höchst fragwürdig und unwahrscheinlich". Gleichzeitig machte Wöhrl deutlich, dass sie keine Möglichkeiten sieht, Opel aus dem US-Konzern General Motors (GM) herauszulösen und als eigenständiges deutsches Unternehmen weiterzuführen.
Opel bittet bisher um staatliche Hilfen von 3,3 Milliarden Euro. Insgesamt ist der finanzielle Bedarf noch höher. Die Unternehmensführung hat vor kurzem gewarnt, dass das Geld bereits im April ausgehen könnte.
Opel droht von dem schwer angeschlagenen US-Mutterkonzerns General Motors (GM) in den Abgrund gerissen zu werden. GM überlebt nur dank der Unterstützung der US-Regierung und könnte ohne weitere Milliardenhilfen schon in wenigen Wochen pleite gehen. Das erhöht auch den Druck, in Deutschland möglichst schnell eine Lösung für Opel zu finden.
- Datum 09.03.2009 - 08:45 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Wie immer werden die Kämpfe, die zuvor in den Chefetagen gespielt wurden, nun auf den Rücken einfacher Arbeitnehmer (den eigentlichen Arbeitgebern) ausgetragen.
Die Politik ist Zeuge und hat von dieser Rolle überhaupt nichts. Wer jetzt Opel beispringt, kann Sozialwahlkampf machen, auch wenn überhaupt nicht klar ist, ob das Unternehmen rettbar ist. Wer dies nicht tut, der kann den Andern des asozialen Schuldenmachens und der unfairen Wettbewerbsverzerrung bezichtigen und damit auf Stimmenfang gehen.
Wenn eins in diesen Tagen deutlich wird, dann die armselige Verwalterrolle der Verantwortlichen in der Regierung - Spitzenmanager ohne Ausbildung und entsprechende "Vergütung" scheinen da zu sitzen.
Hört oder liest man diesen Tagen Nachrichten aus dem Innern, möchte man nicht in der Haut eines Opel-Beschäftigten stecken. Ebensowenig aber in der eines FDP-Politikers, der doktringemäß offen das hässliche Gesicht des Kapitalismus zur Schau stellen muss, wenn er selbiges selbst nicht verlieren will: "Es gibt kein Unternehmen der Großindustrie, das systemrelevant ist und nicht in die Insolvenz gehen kann!"
Ein Zitat, das in diesen Zeiten Nachdenken macht:
"Die gemeinsame Seite interessiert jeden nur, solange er mehr mit ihr gewinnt als gegen sie. [...] Ist die eine Seite die schwächere, so kann jeder für seinen eignen Teil suchen, der Stärkre zu sein ... oder wenigstens so gut wie möglich davonzukommen, und hier schert er sich den Teufel um seinen Nebenmann, obgleich sein Wirken nicht nur ihn, sondern auch alle seine Kumpane mit berührt."
Soziale Marktwirtschaft?!
Mal auf dein Zitat bezogen und nicht auf das eigentliche Kommentar.
Das Zitat würde es noch passender kürzer treffen: Freundschaft: ein Schiff, groß genug um bei gutem Wetter zwei zu tragen, aber nur einen bei schlechtem Wetter. ;)
Mal auf dein Zitat bezogen und nicht auf das eigentliche Kommentar.
Das Zitat würde es noch passender kürzer treffen: Freundschaft: ein Schiff, groß genug um bei gutem Wetter zwei zu tragen, aber nur einen bei schlechtem Wetter. ;)
so schlimm es auch für die mitarbeiter bei opel und für die firma opel sein mag:
es wäre das beste, wenn der GM-konzern ein für allemal vom erdboden verschwinden würde.
dieses unternehmen wird niemals die energiewende schaffen. die us-regierung sollte nicht sinnlos geld für diesen dinosaurier verschwenden.
umso trauriger, dass opel ein relativ innovatives unternehmen ist.
..und wer entwickelt und baut dann noch die tollen 4-6 Liter Motoren mit 6-8 Zylindern und wuchtigem Drehmoment die ich so liebe...? Das Fahrvergnügen damit ist wirklich grandios und mit einem 1000cc Motörchen nicht zu schaffen.
Allerdings, wenn eines Tages, und unter der Vorraussetzung das viele von uns immer noch soviel flexible/individuelle Mobilität benötigen, doch mal eine brauchbare Antriebsalternative mit ebenso brauchbarem Aktionsradius auf den Markt kommen sollte... dann währe das auch nicht zu verachten. Elektroantriebe haben ja auch ein spürbar dynamisches Fahrverhalten...
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara
..und wer entwickelt und baut dann noch die tollen 4-6 Liter Motoren mit 6-8 Zylindern und wuchtigem Drehmoment die ich so liebe...? Das Fahrvergnügen damit ist wirklich grandios und mit einem 1000cc Motörchen nicht zu schaffen.
Allerdings, wenn eines Tages, und unter der Vorraussetzung das viele von uns immer noch soviel flexible/individuelle Mobilität benötigen, doch mal eine brauchbare Antriebsalternative mit ebenso brauchbarem Aktionsradius auf den Markt kommen sollte... dann währe das auch nicht zu verachten. Elektroantriebe haben ja auch ein spürbar dynamisches Fahrverhalten...
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara
Die Tragik ist kaum zu überbieten. Nahezu jedem einigermaßen vernünftig denkenden Menschen muss von Anfang an klar gewesen sein, dass Opel allein nicht existieren kann und daher auch mit staatlicher Unterstützung als Gesamtunternehmen nicht zu retten ist.
Statt von Anfang an die unpopuläre Option der gesteuerten Insolvenz zu prüfen, versuchen sich unsere Politiker mit Blick auf die Wahlen - und auf Kosten der Opel-Mitarbeiter - zu profilieren.
Mir persönlich wäre da eine ähnlich schnelle Entscheidungssicherheit wie in Schweden lieber gewesen. (Dort gibt es jedoch in diesem Jahr - soweit ich weiß - auch auch keine Wahlen.)
Und wenn man nun noch die mehrmalige Nachbesserung bei einer vergleichbar einfachen staatlichen Unterstützung wie der Abwrackprämie beobachtet, dann frage ich mich, was noch alles an "Nachbesserungen", die hätten vermieden werden können, auf uns zukommt.
Wenn die Bundesregierung JEDEN Opelmitarbeiter mit - sagen wir mal - hunderttausend Euro unterstützen würde; würde DAS nicht die Wirtschaft ankurbeln? Die würden mehr kaufen, womöglich sogar ganze Häuser, und die anderen Autohersteller hätten einen Konkurrenten weniger, könnten also mehr produzieren und verbrauchen!
Und das Tolle: Das Ganze wäre auch noch relativ billig!!!!!!!
was ist wenn das Geld ausgegeben ist und sie keinen neuen Job finden? Wovon sollen sie dann das Haus bezahlen? Ach übrigens ... für 100.000 € bekommt man kein Haus.
Nicht ganz durchdacht?!
Gruß, Bernd
*** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***
was ist wenn das Geld ausgegeben ist und sie keinen neuen Job finden? Wovon sollen sie dann das Haus bezahlen? Ach übrigens ... für 100.000 € bekommt man kein Haus.
Nicht ganz durchdacht?!
Gruß, Bernd
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Die Presse findet gerade mal wieder Wohlgefallen daran, ein großes Unglück herbeizubeschwören.
Wenn Opel pleite geht, ist das eine Tragödie. Ob man den Konzern mit staatlicher Hilfe retten sollte ist eine andere Frage - die kann man auch diskutieren, aber das möchte ich an dieser Stelle nicht aufgreifen.
Was aber keinen Sinn macht, ist, täglich mit irgendwelchen neuen Negativprognosen zu kommen und schlechte Stimmung zu verbreiten. Insbesondere ist das Verbreiten von schlechten Aussichten entweder komplett bedeutungslos oder kontraproduktiv - also nicht hilfreich. Allerdings sehr deutsch.
Warten wir doch einfach - bald können wir es klar sagen.
"Opel droht von dem schwer angeschlagenen US-Mutterkonzerns General Motors (GM) in den Abgrund gerissen zu werden".
Oh nein, Opel ist Dank tätiger und freundlicher amerikanischer Hilfe bereits längst ganz unten angekommen.
Wie der FOCUS berichtet, habe Opel in Rüsselsheim erarbeitete Patente bereits 2005 an den GM abgegeben und müsse seitdem für jedes verkaufte Auto Lizenzgebühren nach Detroit überweisen.
Genau diese deutschen Patente hat GM nun als Sicherheit für Staatshilfen ans US-Finanzministerium in Washington abgetreten.
FOCUS berichtet weiter, dass Opel in Deutschland noch keinen einzigen Cent Steuern gezahlt habe, weil Gewinne stets zu GM USA transferiert werden mussten.
Selbstverständlich sind aber alle Verluste hierzulande steuerlich geltend gemacht worden.
All dies kostete deutsche Steuerzahler bereits Milliarden.
Man kann nur hoffen, das deutsche Unternehmen endlich aufwachen und begreifen, das sie ihre geschäftlichen Aktivitäten mit amerikanischen Geschäftspartner in der Regel mit Milliarden an Verlusten bezahlen (Daimler Chrysler, Telekom, Deutsche Post Express, deutsche Banken durch Finanzkrise in den USA etc.).
Es mag vielleicht trösten, dass die Deutschen damit nicht allein als die Dummen dastehen, und ich höre schon wieder die Argumente, das dies in einer global agierenden, vernetzten Weltwirtschaft nun mal so ist.
Nur leider fallen mir partout keine Beispiele ein, wo Aktivitäten deutscher Unternehmen US- amerikanische Konzerne oder den US-Steuerzahler Milliarden gekostet haben.
Merkwürdig -oder ist es nur meine Unwissenheit??
was ist wenn das Geld ausgegeben ist und sie keinen neuen Job finden? Wovon sollen sie dann das Haus bezahlen? Ach übrigens ... für 100.000 € bekommt man kein Haus.
Nicht ganz durchdacht?!
Gruß, Bernd
*** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***
Direkte Hilfe fuer die Betroffenen als Solidaritaet : ok
Aber warum mehr Geld hineinstecken, wenn weniger bei rauskommt? Und damit auch noch die belohnen, die in schon fast betrueferischer Weise jetzt versuchen, den Staat zu pluendern (die Opel-Manager wissen doch ganz genau wie das mit den Patenten und der Losloesung ist)!
Nun, davon abgesehen, dass ich den Vorschlag scherzhaft gemeint habe:
100.000 Euro sind doch schon eine ganze Menge. Zu einem Minijob dazu, kommt man ziemlich lange über die Runden.
Direkte Hilfe fuer die Betroffenen als Solidaritaet : ok
Aber warum mehr Geld hineinstecken, wenn weniger bei rauskommt? Und damit auch noch die belohnen, die in schon fast betrueferischer Weise jetzt versuchen, den Staat zu pluendern (die Opel-Manager wissen doch ganz genau wie das mit den Patenten und der Losloesung ist)!
Nun, davon abgesehen, dass ich den Vorschlag scherzhaft gemeint habe:
100.000 Euro sind doch schon eine ganze Menge. Zu einem Minijob dazu, kommt man ziemlich lange über die Runden.
So schwer diese Erkenntnis für die Mitarbeiter von Opel und den dazugehörigen Automobilzulieferern auch ist: Die Finanzkrise hat die strukturellen Probleme der Automobilbranche nur schneller und schärfer zu Tage treten lassen.
Was wir m.E. benötigen, sind zukunftsweisende Konzepte für die individuelle Mobilität, die sowohl den Forderungen des Umweltschutzes als auch denen einer nachhaltig gesicherten Energieversorgung gerecht werden. Vor diesem Hintergrund macht es - auch in einem "Super-Wahljahr" - wenig Sinn, Milliarden in die Erhaltung Fertigungsstrukturen zu investieren, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht in diesem Sinne zukunftssicher sind. Oder wie lässt sich sonst erklären, dass es dem Opel Management offenbar - trotz Ampera - nicht gelingt, ein - insbesondere auch für private Investoren - überzeugendes Zukunftskonzept vorzulegen.
Und wenn es denn ein überzeugendes Konzept für deutschen Fertigungsstandorte geben sollte, so ist jede Lösung, die eine Verflechtung mit GM beinhaltet mit erheblichen Risiken belastet. Denn selbst wenn Opel voll in das Eigentum von Investoren übergehen sollte, wird das Unternehmen auch künftig auf Zulieferungen von GM angewiesen sein. Den Konditionen, zu denen Opel solche Leistungen beziehen kann, kommt damit eine erhebliche Bedeutung zu. Darüber hinaus können Zulieferungen ganz ausfallen, wenn GM trotz aller Hilfen in die Insolvenz gehen müsste.
Unterm Strich dürfte eine Insolvenz die größten Chancen bieten, die tatsächlich zukunftsträchtig verwertbaren Assets von Opel einer entsprechenden Verwendung zuzuführen. Die eingesparten Milliarden sollte man sinnvoller darauf verwenden, den Strukturwandel hin zu zukunftsfähigen Technologien zu fördern und dort Arbeitsplätze für die Opelaner und andere zu schaffen.
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