Fachleute geben Opel noch vier, höchstens sechs Wochen. Gelingt es dem Tochterunternehmen von General Motors nicht, innerhalb dieser Zeit frisches Geld zu beschaffen, kann es den laufenden Betrieb nicht mehr finanzieren. Dann gehen in Bochum, Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern die Lichter aus, und 25.000 Mitarbeiter verlieren ihren Job.

Es wird immer wahrscheinlicher, dass es so kommt. Das Rettungskonzept, über das Opel-Management und Bundesregierung derzeit verhandeln, ist vage. Seine geistigen Väter sind nicht imstande, es entschieden gegenüber der Öffentlichkeit zu vertreten – vielleicht, weil sie selbst nicht recht daran glauben.

"Die Art, wie Opel und GM Europe ihre Pläne kommuniziert haben, war nicht optimal", sagt Stefan Bratzel, Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Details gelangten nur tröpfchenweise an die Öffentlichkeit. Als die Opel-Spitze am Freitag ihr Hilfskonzept präsentierte, sagten die Chefmanager zunächst nur, dass Opel 3,3 Milliarden vom Staat brauche, um zu überleben. Gut eine Milliarde könne das Unternehmen aus eigener Kraft einsparen. Weitere Investoren würden gesucht.

Tage später wurde GM-Europe-Chef Peter Forster konkreter. 30 Prozent der Kapazitäten seien überflüssig, ließ er am Dienstag am Rande seines Besuchs auf dem Genfer Autosalon wissen. 3500 Arbeitsplätze müssten wegfallen, schob er am Mittwoch hinterher. Am Donnerstag wurde dann endgültig klar: Die Regierung ist vom Rettungsplan nicht überzeugt, sie ist nicht bereit, auf dieser Basis finanziell in die Bresche zu springen. Kanzlerin Angela Merkel zitierte Forster für Freitag zu sich ins Kanzleramt. Man wolle den Opel-Managern gerne helfen, ein tragfähiges Konzept zu entwickeln, ließ Unions-Fraktionschef Kauder mit feiner Ironie wissen. Das klingt, als wolle er die Öffentlichkeit darauf vorbereiten, dass die Regierung Opel nicht helfen wird.

Für die Opel-Beschäftigten wäre das bitter, aber es ist kein Wunder, dass die Politik verärgert ist. Seit Monaten umwerben die wichtigsten Führungspersonen von Opel und GM Europe – neben Forster sind das Opel-Chef Hans Demant und Betriebsratschef Klaus Franz – die Bundesregierung. Sie soll dem Unternehmen wieder auf die Beine helfen, um Zehntausende Arbeitsplätze zu sichern, ist ihr Mantra. Doch um die wichtigste Frage überhaupt schlagen die Manager bis heute einen Bogen: Wozu braucht die Welt Opel-Autos?

Findet der Autobauer darauf keine Antwort, hat er kein Erfolg versprechendes Geschäftsmodell, dann können ihn auch Milliarden aus der Steuerkasse nicht mehr retten. Dass weder Politik noch Unternehmen sich bislang zu den wirtschaftlichen Perspektiven von Opel geäußert haben, legt nur einen Schluss nahe: Sie wissen nicht, wie sie aussehen könnten.