Rettungskonzept Kauder erteilt Opel Nachhilfe

Die Bundesregierung ist verärgert über das von GM vorgelegte Rettungskonzept für Opel. Mit dem Mutterkonzern in den USA war es offenbar auch nicht abgestimmt

Ärger über Opel: CDU-Fraktionschef Volker Kauder findet das Krisenkonzept des Konzerns bei Weitem nicht ausreichend

Gemeinsam mit dem Opel-Management will die Bundesregierung nun ein Konzept zur Rettung des Autokonzerns entwickeln. Zwar hatte der Europa-Chef des Opel-Mutterkonzerns General Motors (GM), Peter Carl-Peter Forster, gemeinsam mit Opel-Vorstand Hans Demant und dem Betriebsrat des Rüsselsheimer Autoherstellers vergangene Woche einen Plan vorgelegt, in dem er auch um staatliche Hilfe bat. Dies ist der Regierung aber zu unkonkret.

"Wir haben den Eindruck, dass da doch etwas mitgeholfen werden muss, um ein Konzept zu entwickeln. Das wollen wir tun", sagte Unions-Fraktionschef Volker Kauder in der ARD. Die Koalitionsrunde sei sich in der vergangenen Nacht einig gewesen, dass die bisher vorgelegten Pläne nicht ausreichten, um den Bedarf abschließend zu beurteilen. "Da sind noch sehr viele Fragen offen." Der CSU-Spitzenpolitiker Peter Ramsauer sagte dem Sender N24, "man muss der Opel-Führung sagen, so kann es nicht weitergehen".

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Auch Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte sich bereits skeptisch gezeigt, ob das Konzept detailliert genug abgefasst sei. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte im Deutschlandfunk: "Was wir bislang bekommen haben, ist keine belastbare Grundlage für eine Entscheidung."

Kauder gab sich konstruktiv und sagte, es solle alles darangesetzt werden, um eine Perspektive für Opel zu entwickeln. Er hätte nicht gedacht, "dass die Hilfe, die von der Bundesregierung gewährt werden muss, so tief hinein in die Firma reicht, dass das, was bisher vorgelegt worden ist, so wenig zukunftsfähig ist".

Nun will Kauder dem Management beispringen. "Wir werden nicht nur zuschauen und sagen: Macht mal, sondern die Bundesregierung wird sehr intensiv der Opel-Führung beistehen, um nach einem Konzept zu suchen." Was im Rahmen des Konjunkturpaketes II an Hilfen angeboten werde, solle auch eingesetzt werden. Dazu zählt unter anderem ein Fonds von 100 Milliarden Euro, mit dem der Staat Kredite an Unternehmen absichern kann.

Wie die Rheinische Post berichtete, ist der bislang geheim gehaltene Rettungsplan zudem nicht mit dem US-Mutterkonzern abgestimmt. Unter Berufung auf Teilnehmer einer Sitzung des Wirtschaftsausschusses im Bundestag hieß es, die Opel-Führung habe Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg gebeten, das Rettungskonzept bei seinem USA-Besuch Mitte März US-Finanzminister Timothy Geithner vorzustellen.

Die Koalition zeigt sich grundsätzlich zur Hilfe entschlossen, um die von der Wirtschaftskrise bedrohten Arbeitsplätze bei Opel und den Zulieferbetrieben zu schützen. Sie macht dies jedoch von konkreten Bedingungen abhängig. So will sie ausschließen, dass deutsches Steuergeld für Opel an den Mutterkonzern GM fließt.

Leser-Kommentare
    • gquell
    • 05.03.2009 um 9:19 Uhr

    Ein Konzern wie die Adam Opel AG hat für Deutschlands produzierende Wirtschaft mit Sicherheit eine sehr große Bedeutung. Allein die Abschätzung der Folgeschäden dürften weitaus höher sein, als alle Kredite oder Bürgschaften.

    Was mich nur sehr irritiert, ist die Forderung nach einem detaillierten Konzept. Wo war eigentlich die Verantwortung und Forderung nach einem detaillierten Konzept, als die Milliarden in den Banken versenkt wurden?? Oder lag vielleicht ein geheimes Sanierungskonzept für die HRE vor, daß wir "dummen" Bürger mangels Verständnis nicht einsehen dürfen? Herr Steinbrück äußerte sich doch einmal dergestalt, daß der Wähler die komplexen Vorgänge bei der Bankenrettung nicht verstehen würde ( Ich glaube, er meinte die aktuelle Umverteilung von unten nach oben ).

    Nachdem die Banken wortbrüchig geworden sind, schließlich sollten sie für eine anständige Kreditversorgung der Wirtschaft sorgen, kann man die Bankenrettung wohl mit Fug und Recht als gescheitert bezeichnen. Daher plädiere ich jetzt für eine direkte Hilfe - selbstverständlich unter Auflagen - für die Unternehmen, die jetzt existentiell bedroht sind. Da sind die Milliarden mit Sicherheit besser angelegt als in irgendwelchen ausländischen Filialen deutscher Banken.

  1. Mit dieser Losung ging der neue Wirtschaftsminister in die Presse. Der erste Gedanke war gleich, wenn Firmen im Kern gesund und zukunftsfähg sind, dann dürften sich doch auch Investoren finden.

    Aus dieser Sprachregelung ergeben sich aber weitere Fragen:

    Absatzwirtschaftlich: Ist das Produktionsprogramm insgesamt marktfähig und bindet es hinreichend Stammkundschaft ? Nach den Umsätzen infolge der Abwrackprämie scheint der Corsa aber kaum nachgefragt zu werden. Auch die übrigen Modelle begeistern wohl nur das Fachpublikum.

    Betriebswirtschaftlich: Wie sieht es mit der Betriebstätten-Effizienz aus. Welche Werke sind modern und könnten so die Selbstkosten pro Auto senken ? Denn eines ist klar, der Insigna ist am Markt zu teuer.

    Finanzwirtschaftlich: Die Opel GmbH hat kein finanzielles Polster und hängt am Tropf der Mutter und die wiederum am Tropf von Obama.

    Zukunftsfähigkeit: Die Modellreihen bei Opel sind tradiert. Wo ist der Hybrid, der Honda unterbietet? Wo ? Wo ist der Kleinwagen, der unter 8.000 € kostet. Gerade Opel in Bochum müßte wegen der Kaufkraft im Ruhrgebiet in diesem Segment sehr, sehr aktiv sein.

    Es ergeben sich noch mehr Fragen als Antworten - das gilt aber auch im Hinblick auf die vom Wirtschaftsminister aufgestellten Kennziffern = die sind zu unscharf. Damit kann man so oder so entscheiden. Im Vergleich zu Glos ist der Herr von und zu Guttemberg nicht besser, sondern nur anders: forscher.

    ____________________________________________________________
    Die Aufklärung darf kein leerer Wahn werden in einer Zeit der Anmaßungen.

    • NoG
    • 05.03.2009 um 10:11 Uhr

    wer hat das unzureichende konzept vorgelegt?
    die leute die dann den losgeloesten konzern leiten wollen?
    sehr vertrauenswuerdig...

    • ohopp
    • 05.03.2009 um 10:39 Uhr

    ist es doch verwunderlich was hier für zukunftweisende, zig mal abgestimmte Konzepte vorliegen müssen, hingegen bei der Finanzwirtschaft, in der es ja um astronomisch höhere Hilfen ging, dies alles parlamentarisch unkontrolliert, ohne bindende und sanktionierbare Regeln oder gar ein Zukunftskonzept möglich war.
    Wer regiert es uns eigentlich?

    • Olly66
    • 05.03.2009 um 16:14 Uhr

    sind ein Depperlargument:
    Inklusive der Jobs bei Zulieferern und Händlern stünden durch eine Insolvenz 300.000 Arbeitsplätze in Europa und bis zu 100.000 in Deutschland auf dem Spiel.

    Mag sein, aber nur in einer Zentralen Planwirtschaft gibt es Arbeitsplätze um ihrer selbst willen. In einer Marktwirtschaft - ganz gleich, ob sozial oder asozial - müssen Jobs sich rechnen.
    Subventionierte Verwaltung, die sich selbst verwaltet, ist ein Unding.

    Sollte aufgrund des Produktivitätszuwachses die Arbeit ausgehen - umso besser! Dann kann der Mensch sich überlegen, ob er nachmittags zum Fischen oder zum Fußball geht - die Wertschöpfung ist ja gesichert.
    Also hat's der olle Marx prophezeit, doch die bisherigen Systeme waren zu falsch konstruiert, ums umzusetzen - respektive die Protagonisten zu deppert.

  2. nur, angesichts der zur Disposition stehenden Arbeitsplätze sollte man diese zumindest versuchen.

    1. Auch wenn Opel von seinem ursprünglichen Marktanteil von 17% weit entfernt ist, würde ich nicht davon sprechen, dass die Firma keine Autos mehr verkauft. Sie hat in D nach wie vor einen Anteil von mehr als 7% und das nicht gerade wenig.

    2. Ob Opel wirklich teurer sein muss, wird man erst sagen können, wenn die Überkapazitäten abgebaut sind. Das ist ein zentraler Punkt. Die Frage nach Sanierungsfähigkeit ist vielleicht der wichtigste Punkt bei der Eruierung einer möglichen Staatshilfe.

    3. Der Staat sollte nur dann Geld geben, wenn Arbeitsplätze abgebaut werden, um den Erfolg der Sanierung zu gewährleisten. Hier steckt die Politik nun wirklich in einer Zwickmühle. Bei Abbau von Arbeitsplätzen wird die Staatsknete in den Augen der Wähler aber nicht mehr, sondern weniger wert.

    4. Will man einen Dominoeffekt Richtung Zulieferindustrie verhindern, dann ist die Sanierung das beste Konzept. Denn die Zulieferer verkaufen ja nicht weniger Teile an Opel, wenn Opel einen Teil seiner Arbeitsplätze abbaut. Im Gegenteil. Wenn Opel Dank gesunkener Produktionskosten wieder wettbewerbsfähiger wird, erhöht dies den Absatz und damit die Umsätze bei den Zulieferern.

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