Die Reaktionen kamen unmittelbar: Nach dem Erscheinen von Günter Wallraffs ZEITmagazin -Reportage über seine dramatischen Erfahrungen in Obdachlosenheimen bezogen die Verantwortlichen der Städte Hannover und Frankfurt am Main noch am gleichen Tag Stellung.

Hannover hatte bei Wallraffs Recherchen am schlechtesten abgeschnitten. Der Journalist hatte dort eine Nacht in einer Notschlafstelle in der Innenstadt verbracht, einem Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Da er sich von den aggressiven Äußerungen eines anderen Obdachlosen im Nebenzimmer bedroht fühlte, habe er versucht, die Unterkunft in der Nacht wieder zu verlassen, berichtet Wallraff. Doch die Eingangstür sei verschlossen gewesen und auch der "Bunkerwart" habe nicht auf sein Klopfen reagiert. 

"Wir nehmen das sehr ernst", sagte die Sprecherin der Stadt, Konstanze Kalmus, gegenüber ZEIT ONLINE. Der Bunker sei zwar nachts von außen nicht zugänglich, weil man Diebstähle verhindern wolle. Es wäre aber "nicht in unserem Sinn", wenn die Unterkunft von innen abgesperrt sei. Selbstverständlich müsse auch das Wachpersonal jederzeit ansprechbar sein.

Wallraff hatte berichtet, der Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes habe ihm am nächsten Morgen erklärt, die Tür werde nachts abgeschlossen, um Diebstähle zu verhindern. Auf weiteres Nachfragen habe der Mann ihn mit den Worten beschimpft: "Lass mich in Ruhe, willst du Messer in Rippe oder was?" Die Sprecherin der Stadt betonte: "Wir bemühen uns, herauszufinden, was in dieser Nacht passiert ist und befinden uns "in Kontakt mit der Überwachungsfirma". Den betreffenden Mitarbeiter habe man aber noch nicht ermitteln können.

Die SPD in Hannover hat inzwischen die Schließung des Bunkers gefordert. " Die Unterbringung dieser sehr individualistisch geprägten Menschen in Mehrbettzimmern ist einfach nicht mehr zeitgemäß und menschenunwürdig", sagte Thomas Hermann, baupolitischer Sprecher und stellvertretender Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion. "D azu brauchen wir andere Lösungen, die Individualität, vernünftige sanitäre Anlagen und auch die Sicherheit der Menschen gewährleisten!" Hermann räumte ein, es habe schon seit Jahren "Gerüchte" über die Unterkunft gegeben. Auch die Belegungszahlen sprächen eine deutliche Sprache. " Von den 44 zur Verfügung stehenden Betten sind im Schnitt nur 6 bis 10 Betten belegt. Selbst im Winter bei minus 15 Grad schlafen diese Menschen lieber auf der Straße. Das hat doch Gründe!"