Streit in der Union Seehofer greift Merkel scharf an

Mit heftigen Worten bringt CSU-Chef Seehofer seine Partei in Stellung: Beim Gesundheitsfonds müsse sich "Grundlegendes" ändern, auch im Fall Steinbach schießt er quer

CSU-Chef Horst Seehofer versucht seiner Partei schärfere Konturen zu geben - und geht auf Distanz zur Schwesterpartei

CSU-Chef Horst Seehofer versucht seiner Partei schärfere Konturen zu geben - und geht auf Distanz zur Schwesterpartei

Beim politischen Aschermittwoch hatte sich der grippegeschwächte Horst Seehofer noch zurückgehalten. Jetzt – wieder genesen – fährt der CSU-Chef schwere Geschütze gegen die Kanzlerin und die CDU auf. "Da muss sich Grundlegendes ändern", sagte er am Freitag vor Journalisten. Gemeint war der Gesundheitsfonds der Großen Koalition – ein Gesetz, das als Kind von Bundeskanzlerin Angela Merkel gilt. Er fügte hinzu: "Mit Kosmetik ist da nichts mehr zu machen." 

Damit verschärft der CSU-Chef seinen Ton im internen Streit zwischen den Unionsparteien weiter. Zwar lehnt die CSU den Gesundheitsfonds seit Langem ab. Nun aber nutzt die Partei die Gelegenheit, die Kanzlerin und ihre Partei angesichts der anstehenden Wahltermine mit dem Gesundheitsthema vor sich herzutreiben. In drei Monaten ist Europawahl und in gut einem halben Jahr Bundestagswahl. Beides sind "Schicksalswahlen" für die Christsozialen, die in Bayern zuletzt ihre jahrzehntelange absolute Mehrheit verloren hatten. Bei der Europawahl etwa droht der CSU das Ausscheiden aus dem Europaparlament - wenn sie bundesweit gerechnet nicht mindestens fünf Prozent der Stimmen holt.

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Sorgen muss Seehofer bereiten, dass die Zustimmung zur Union bundesweit sinkt. In der jüngsten ARD-Umfrage etwa ging der Wert um zwei Punkte auf 32 Prozent zurück, während die SPD um zwei Punkte auf 27 zulegte. Seehofer pocht daher auf ein schärferes Profil seiner Partei. "Wir wollen als CSU dieses Profil, weil wir es auch leichter tun können, stark besetzen", sagt er. Dies sei "für die CDU ein ganzes Stück schwieriger wegen der Größe und wegen der geografischen Zusammensetzung als für mich jetzt als Chef der CSU". Bereits beim politischen Aschermittwoch hatte er mit Blick auf die CDU gesagt: "Dort reicht es, wenn wir unterstützt werden. Dort muss man nicht immer verstanden werden." Offen kritisierte Seehofer die monatelange Ablehnung Merkels, zur alten Pendlerpauschale zurückzukehren. Erst das Bundesverfassungsgericht machte die Kürzung der Pauschale rückgängig. "Das hätte uns erspart bleiben können", sagte Seehofer.

Auch im Fall der Vertriebenen-Präsidentin Erika Steinbach schießt Seehofer quer. Er sprach sich dafür aus, dass Steinbach einen Sitz im Stiftungsrat der umstrittenen Gedenkstätte behält. Gleichzeitig griff er im Münchner Merkur die Regierung in Polen an. "Die unverhohlene und geradezu aggressive Einmischung eines Nachbarlandes in deutsche Entscheidungen ist nicht akzeptabel und widerspricht dem viel beschworenen europäischen Geist. Der Stiftungssitz bleibt für uns als CSU auf der politischen Tagesordnung", sagte Seehofer. Nach Informationen der Zeitung will die Staatsregierung Steinbach den Bayerischen Verdienstorden verleihen, den höchsten Orden des Freistaates. Seehofer bestätigte, er beabsichtige, "Frau Steinbach wegen ihrer großen Verdienste um die Heimatvertriebenen in entsprechender Weise auszuzeichnen."

 
Leser-Kommentare
  1. Ich habe die Dinge bisher vom moralischen Standpunkt aus gesehen, entsprechend pro Polen argumentiert und bin jetzt entsetzt über das Vorgehen der polnischen Regierung, die mit aller Macht versucht hat, die Bundeskanzlerin vor aller Welt in einer Bagatellpersonalie zum Kotau zu zwingen.

    Den Kotau haben sie jetzt - aber viel Porzellan zerschlagen. Sympathie wurde zu Antipathie.

  2. Frau Steinbach erkennt die polnische Grenze nicht an. Wer in Europa die aktuellen Staatsgrenzen nicht anerkennt, der widerspricht dem europäischen Geist. Eine solche Frau wegen ihrer Verdienste für die Vertriebenen auszuzeichnen, ist ein Schlag in das Gesicht aller Europäer.
    Frau Steinbach hätte es gut angestanden, den Vertriebenen klar zu machen, dass die ehemaligen deutschen Ostgebiete als Ergebnis des 2. Weltkrieges niemals mehr zu Deutschland gehören werden. Dann hätte sie einen Orden verdient.

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    Der Autor hat sich anscheinend noch nicht mit der Geschichte der EU und damit mit der Entwicklung des europäischen Geistes beschäftigt, daher sollte er Zurückhaltung in solchen Äußerungen üben.

    So hat zum Beispiel bei der letzten EU-Haushaltsberatung Polen quergeschossen und ist es erst durch die Übernahme eines größeren Teiles der Polen zugewiesenen Zahlungsverpflichtung durch Deutschland zu einer Verständigung im europäischen Geiste gekommen. Das heißt, daß sie und jeder deutsche Steuerzahler mit ihren Steuergeldern den fehlenden europäischen Geist der Polen bezahlen.

    Weiterhin weise ich sie gerne darauf hin, daß Abgeordnete Verfassungsgemäß nicht unbedingt ihrer Meinung folgen müssen.

    Auszug:

    SPIEGEL ONLINE: Dass Sie 1991 im Bundestag gegen die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze gestimmt haben, hat solche Herzlichkeiten nicht gerade befördert.

    Steinbach: Ich wollte damals mit anderen Abgeordneten erreichen, dass alle offenen Fragen wie zum Beispiel die Entschädigungsfrage gleichzeitig mit der Grenzbestätigung geklärt werden, um dauerhaften Frieden herzustellen. Und es war ein Kardinalfehler das nicht zu tun, wie die heftigen Eigentumsdebatten der letzten Jahre deutlich machen. Wir haben damals auch sofort klargestellt, dass wir mit der Abstimmung die Oder-Neiße-Grenze als völkerrechtlich verbindliche Grenze anerkennen.

    Quelle: http://www.spiegel.de/pol...

    Der Autor hat sich anscheinend noch nicht mit der Geschichte der EU und damit mit der Entwicklung des europäischen Geistes beschäftigt, daher sollte er Zurückhaltung in solchen Äußerungen üben.

    So hat zum Beispiel bei der letzten EU-Haushaltsberatung Polen quergeschossen und ist es erst durch die Übernahme eines größeren Teiles der Polen zugewiesenen Zahlungsverpflichtung durch Deutschland zu einer Verständigung im europäischen Geiste gekommen. Das heißt, daß sie und jeder deutsche Steuerzahler mit ihren Steuergeldern den fehlenden europäischen Geist der Polen bezahlen.

    Weiterhin weise ich sie gerne darauf hin, daß Abgeordnete Verfassungsgemäß nicht unbedingt ihrer Meinung folgen müssen.

    Auszug:

    SPIEGEL ONLINE: Dass Sie 1991 im Bundestag gegen die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze gestimmt haben, hat solche Herzlichkeiten nicht gerade befördert.

    Steinbach: Ich wollte damals mit anderen Abgeordneten erreichen, dass alle offenen Fragen wie zum Beispiel die Entschädigungsfrage gleichzeitig mit der Grenzbestätigung geklärt werden, um dauerhaften Frieden herzustellen. Und es war ein Kardinalfehler das nicht zu tun, wie die heftigen Eigentumsdebatten der letzten Jahre deutlich machen. Wir haben damals auch sofort klargestellt, dass wir mit der Abstimmung die Oder-Neiße-Grenze als völkerrechtlich verbindliche Grenze anerkennen.

    Quelle: http://www.spiegel.de/pol...

  3. Man müsste den Polen tatsächlich dankbar sein. Ist es ihnen doch gelungen, die völkerrechtswidrige Vertreibung der Deutschen wieder zum Thema zu machen. Seit 1968 im Westen und in der DDR wurden die Vertriebenen als Revanchisten diffamiert.

  4. Seehofer will wohl Franz-Josef Strauß in seinen Kapriolen überbieten. Natürlich ist die Behandlung von Erika Steinbach durch manche unqualifizerten polnischen Äußerungen beleidigend. Aber deswegen ihr einen Orden umzuhängen ist eine Beleidigung für alle echten Vertriebenen. Auch hier gibt es (Print-)medien, die nicht zimperlich mit der Würde anderer Menschen umgehen.
    Den eigentlichen Fehler hat der BdV gemacht: Er nennt sich Bund der Vertriebenen und macht eine Nichtvertriebene zu seiner Präsidentin, die sich damit nur eine Hausmacht in der CDU/CSU schaffen wollte. Auch Franz-Josef Strauß hatte es bestens verstanden, die Heimatliebe der Vertriebenen politisch zu missbrauchen. Wahre Verständigung zwischen den Völkern sieht anders aus als es der BdV bisher gezeigt hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dessen Funktionäre persönliche Kontakte mit Polen oder Tschechen pflegen. Für mich als Vertriebener ist das Zentrum für Vertreibung so überflüssig wie ein Kropf. Ich bevorzuge Begegnungen mit den Menschen unserer Nachbarländer im Osten wie im Westen.

  5. Der Autor hat sich anscheinend noch nicht mit der Geschichte der EU und damit mit der Entwicklung des europäischen Geistes beschäftigt, daher sollte er Zurückhaltung in solchen Äußerungen üben.

    So hat zum Beispiel bei der letzten EU-Haushaltsberatung Polen quergeschossen und ist es erst durch die Übernahme eines größeren Teiles der Polen zugewiesenen Zahlungsverpflichtung durch Deutschland zu einer Verständigung im europäischen Geiste gekommen. Das heißt, daß sie und jeder deutsche Steuerzahler mit ihren Steuergeldern den fehlenden europäischen Geist der Polen bezahlen.

    Weiterhin weise ich sie gerne darauf hin, daß Abgeordnete Verfassungsgemäß nicht unbedingt ihrer Meinung folgen müssen.

  6. Auszug:

    SPIEGEL ONLINE: Dass Sie 1991 im Bundestag gegen die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze gestimmt haben, hat solche Herzlichkeiten nicht gerade befördert.

    Steinbach: Ich wollte damals mit anderen Abgeordneten erreichen, dass alle offenen Fragen wie zum Beispiel die Entschädigungsfrage gleichzeitig mit der Grenzbestätigung geklärt werden, um dauerhaften Frieden herzustellen. Und es war ein Kardinalfehler das nicht zu tun, wie die heftigen Eigentumsdebatten der letzten Jahre deutlich machen. Wir haben damals auch sofort klargestellt, dass wir mit der Abstimmung die Oder-Neiße-Grenze als völkerrechtlich verbindliche Grenze anerkennen.

    Quelle: http://www.spiegel.de/pol...

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