Cebit-Mitbringsel Wie Geisterhände tippen

Programme zur Spracherkennung haben sich im Alltag bisher nicht bewährt. Die neue Generation von Voice Pro macht erstmals Spaß und funktioniert

Die neue Version von Voice Pro wurde zusammen mit Microsoft entwickelt und jetzt auf der Cebit vorgestellt

Die neue Version von Voice Pro wurde zusammen mit Microsoft entwickelt und jetzt auf der Cebit vorgestellt

Erinnert sich noch jemand daran, wie es um die Jahrtausendwende war, wenn man versucht hat, einen Text via Spracherkennungsprogramm in den Computer zu flüstern? Genau: Da gewann die Tastatur um Längen. Und heute?

Das Programm Voice Pro geht erneut ins Rennen: Bislang hat die Linguatec Sprachtechnologien GmbH mit IBM zusammen an der Diktiersoftware gearbeitet, jetzt aber kooperiert das in München ansässige Unternehmen erstmals mit Microsoft und zeigt in Hannover auf der Cebit die Beta von Version 12.

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Auf der Messe demonstrierten die Macher der Software, wie schnell das Programm auf einen Befehl, in der Fachsprache "smart command" genannt, reagiert. "Suche in Google nach Bananen-Kiwi-Cocktail", sagte einer der Mitarbeiter bei der Präsentation – und schon öffnete sich das Browserfenster und die Suchmaschine listete alle Treffer auf, die infrage kommen. Die besten werden von Voice Pro farbig und mit Zahlen markiert, sodass der Anwender einfach nur "eins", "zwei" oder "drei" sagen muss, damit sich der Link ansteuern lässt – ungemein praktisch, und vor allem schnell.

Außerdem führte das Linguatec-Team vor, wie einfach es ist, eine E-Mail aufzusetzen – und das ganz ohne Tatstatur. Das schien reibungslos zu klappen, sogar die Signatur ließ sich mit einem kurzen Befehl ins Dokument einfügen. Kein lästiges "Copy and Paste" mehr. Doch plötzlich zickte Voice Pro 12 : Im Text sollte ein Wort korrigiert werden, aber bei "schicken" denkt die Software, der Anwender wolle eine neue Mail verschicken …

Computer sind also immer noch keine Menschen, und das ist auch gut so. Wer jedoch ein wenig Geduld mitbringt und Zeit darin investiert, dass Voice Pro die Diktierstimme besser aufzeichnet, der darf seine Arm- und Fingermuskeln auch mal für längere Zeit entspannen. Für behinderte Menschen stecken in dieser neuen Entwicklung große Hoffnungen: Blinde könnten damit zum Beispiel ganz einfach E-Mails versenden – von jedem Rechner aus, auf dem das Programm installiert ist. Und Gelähmte, die keine Tastatur bedienen können, hätten damit Zugriff auf viele Anwendungen im Internet.

 
Leser-Kommentare
  1. Allerdings können alle erfahrenen Nutzer von Spracherkennungssoftware nur müde lächeln. Von Version 1 - 12 immer die gleichen Phrasen.

    Aber die Kunden sollten es inzwischen leid sein, als willige Tester herzuhalten.

    Nur ein Tipp: Bei der deutschen Groß- und Kleinschreibung macht eine Spracherkennung nur mit Kontexterkennung Sinn.

    Die optimierten Vorführtexte können nur die Ahnungslosen beeindrucken.

    • ECSK
    • 06.03.2009 um 11:16 Uhr
    2. Neu?!

    Als ich diesen Beitrag gelesen habe, musste ich mir ernsthaft die Frage stellen, was an Voice Pro 12 (abgesehen von der Option "smart command") neu ist?!
    Mein Freund nutzt jetzt seit zwei Jahren eine andere Spracherkennungssoftware (Dragon Naturally Speaking 9pro), weil er eine Erkrankung an den Armen hat und nicht die Tastatur+Maus benutzen kann. Diese Software hat dieses Smart Command nicht, funktioniert aber eben genau so wie Voice Pro... Natürlich hat jedes Programm seine "Macken" und kann einige Wörter die im diktierten Text erscheinen sollen nicht erkennen und denkt, es wäre ein Befehl. Im Allgemeinen gilt aber doch, wie auch bei Voice: das Trainieren des Programms bringt enorme Verbesserungen und dann funktioniert das auch meist ohne Probleme!
    Beachten muss man vielleicht noch, dass der Computer am besten 1GB mehr Arbeitsspeicher hat, als vom Hersteller als Mindestanforderung angegeben - dann funktioniert das auch ganz flüssig :-)

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