Einsturz des Stadtarchivs Regen behindert Suche in Köln

Die Suche nach den Vermissten verzögert sich wegen starken Regens, außerdem bewegen sich Gebäude nahe der Einsturzstelle. Die Feuerwehr hat erste Wertsachen geborgen

Wahrscheinlich werde die Suche nicht vor dem Mittag beginnen, sagte ein Feuerwehrsprecher am frühen Freitagmorgen. Am gegenüberliegenden Gymnasium hat die Feuerwehr in der Nacht Gebäudebewegungen registriert. "Wir führen das auf instabilen Untergrund zurück", sagte der Sprecher. Deshalb müsse für das schwere Räumgerät ein anderer, wesentlich weiter entfernter Standort gesucht werden.

Die Feuerwehr war immer noch dabei, die Kellerräume der inzwischen abgetragenen Gebäude an der Rückseite des Archivs mit Schutt aufzufüllen. Erst dann könne der mehr als 100 Tonnen schwere Abrissbagger zu der Hausruine gelangen, unter der die Vermissten vermutet werden. "Wenn die Abbrucharbeiten an der Hausnummer 230 abgeschlossen sind, kann mit der Suchaktion begonnen werden."

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Zudem müssten nun auch einsturzgefährdete Teile des daran angrenzenden Gebäudes mit der Nummer 232 abgetragen werden. "Wir müssen mit äußerster Vorsicht und Sorgfalt arbeiten", sagte der Sprecher. Die Sicherheit der Arbeiter und Rettungskräfte müsse gewährleistet sein. Der Abriss der Ruinen geht nach Angaben der Feuerwehr langsamer voran als erhofft.

Dauerregen und steigendes Grundwasser behindern die Arbeiten zusätzlich. Am Vormittag soll mit Geologen und Experten aus dem Bergbau über die neue Lage beraten werden.

Laut Zeitungsberichten werden ein 23-jähriger Designstudent und ein 17-jähriger Bäckerei-Azubi vermisst. Sie hielten sich vermutlich in den Dachgeschosswohnungen eines der zusammen mit dem Archivgebäude eingestürzten Nachbarhäuser auf.

Die Chance, dass sie lebend geborgen werden, gilt als äußerst gering. Bereits kurz nach dem Unglück hatte die Polizei Signale des Handys von einem der beiden Vermissten geortet. Allerdings sei die Ortung nur bis auf rund 200 Meter genau.

In der Nacht bargen Feuerleute Dokumente und Wertsachen der Bewohner aus den stark beschädigten Nachbarhäusern. Hausbewohner standen dabei im Funkkontakt mit den Feuerwehrleuten, so dass ganz gezielt gesucht werden konnte, sagte eine Sprecherin der Stadt Köln. In einer zerstörten Spielhalle wurde Bargeld gefunden und dem Besitzer übergeben.

Das Archivgebäude war am Dienstag eingestürzt und zum großen Teil in einem 28 Meter tiefen Schacht der U-Bahn-Baustelle versunken. Dabei hatte es die Nachbarhäuser mit sich gerissen.

Die Archivdokumente, die an der Unglücksstelle bereits geborgen werden konnten, sollen zunächst in einer Halle gesammelt werden. Zum Schutz der noch verschütteten Schätze will die Feuerwehr eine provisorische Dachkonstruktion über den Trümmern aufbauen. Volker Hingst, der Leiter der Papierrestaurierung im Restaurierungszentrum Brauweiler bei Köln, rechnet damit, dass die Wiederherstellung jener Dokumente, die geborgen werden können, bis zu 30 Jahre dauert.
 

 
Leser-Kommentare
  1. Ich frage mich, weshalb die Begriffe „retten“ und „bergen“ ständig durcheinander geworfen werden. So auch in diesem Artikel: „Die Chance, dass sie lebend geborgen werden, gilt als äußerst gering.“

    Dabei ist es doch ganz einfach: Lebende Menschen werden „gerettet“ und Tote werden „geborgen“.
    Für Verletzte wird eine Trage und für Tote eine Bahre benutzt, genauso wie verletzte in einem Rettungswagen und Tote in einem Leichenwagen abtransportiert werden.

    Nicht umsonst hat die Feuerwehr in ihrem Leitsatz eine Unterscheidung der Begrifflichkeiten:
    “Retten – Löschen – Bergen“
    Zuerst kommt die Menschenrettung, dann die Brandbekämpfung, und zum Schluss (sollte der traurige Fall eingetreten sein) die Bergung der Toten.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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