Thailand "Wir brauchen die Touristen!"
Wenn das Geld knapp ist, wird auch am Urlaub gespart. Wie wirkt sich die Wirtschaftskrise auf ein Land aus, das abhängig ist vom Tourismus? Ein Interview
ZEIT ONLINE: Es wird ja viel über die Auswirkungen der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise auf den Tourismus spekuliert. Merken Sie in Thailand schon etwas davon?
Alexander Mack: Im Moment läuft es noch sehr gut; die Saison geht bis April. Für danach sind die Zahlen im zweistelligen Prozentbereich hinter den letzten Jahren. Einige kurzfristige Buchungen kommen natürlich noch rein, aber es fehlen die großen Nummern. Es ist ernst. Und das gilt für alle Hotels, im ganzen Land.
ZEIT ONLINE: Trifft es Thailand vielleicht sogar härter als andere Länder, weil die Urlauber durch den Tsunami und die Blockade des Flughafens vor einigen Monaten verunsichert sind?
Mack: Vom Tsunami hat sich das Land erholt, aber der Streik wirkt sich ganz bestimmt noch aus. Zwei Wochen lang war das live im Fernsehen, die Streikenden am Flughafen haben sich durchgesetzt, und jetzt wird eben immer schnell mal mit einem Streik gedroht. So etwas verunsichert das Ausland. Weniger, weil es gefährlich wäre, sondern weil die Leute Angst haben, dass sie nicht mehr zurück können. Aber das Hauptproblem ist, dass die Leute nicht mehr so viel Geld haben.
ZEIT ONLINE: Dabei ist Asien immer noch eine vergleichsweise günstige Urlaubsregion.
Mack: Es ist günstig, aber auch manche Stammgäste haben nicht mehr das Geld, um jedes Jahr zu kommen, die setzen zwischendurch ein Jahr aus. Und dann sind da ja noch die Geschäftsreisenden, die internationalen Tagungen, Seminare, Konferenzen von internationalen Banken und Mobilfirmen und so weiter. Die haben nun auch kein Geld mehr. Das merken wir jetzt schon.
ZEIT ONLINE: Wie ist die Lage im Pauschaltourismus?
Mack: Ich glaube, die Preise für die ausgearbeiteten Pauschalreisen sind einfach oben geblieben, obwohl der Ölpreis nachgelassen hat, zumindest sind sie bisher nicht billiger geworden. Wegen der hohen Kosten für Öl, Elektrizität, Lebensmittel haben die Anbieter in der letzten Saison wenig Gewinn gemacht, den wollen sie jetzt wieder reinholen. Aber das funktioniert nicht so. Nun versuchen die Reiseveranstalter und Touristikunternehmen, mit Last-Minute-Angeboten zu locken.
ZEIT ONLINE: Und die Individualreisenden, kommen die weiterhin?
Mack: Die kommen weiterhin, gerade im gehobenen Bereich, denn diese Gäste betrifft die Krise nicht. Viele davon sind Stammkunden aus Europa, das ist ein festes Geschäft. Aber man kann nicht von drei Monaten leben. Was fehlt, sind die Buchungen für die Zwischensaison, ab Mai fehlen uns die asiatischen Individualtouristen und das Incentive-Geschäft. Das macht uns Sorgen. Außerdem wird die Konkurrenz auch innerhalb des Landes immer größer.
ZEIT ONLINE: Es wird weiterhin gebaut und investiert?
- Datum 09.03.2009 - 12:07 Uhr
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In den letzten Jahren wurden in Thailand sehr viele neue Hotels gebaut oder sind noch im Bau. Irgendwann sind immer und überall mehr Zimmer als bezahlende Gäste vorhanden. Und dies ist in Thailand nun auch der Fall.
Viele Grüße
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