Thailand "Wir brauchen die Touristen!"Seite 2/2
Mack: Jedes Jahr werden es mehr Zimmer, mehr Betten, mehr Hotels, ich weiß nicht, ob nicht der Kuchen irgendwann zu klein wird und dann gar keiner mehr satt wird davon. Allein hier auf Phuket erwarten wir zwei weitere Marriott-Hotels, ein Sheraton, ein Radisson, ein Regent, 20.000 Zimmer in zwei Jahren. Jeder wird sein Bestes versuchen, aber ob es reicht, um genug einzunehmen? Es wurde lange viel verdient, und jeder hofft, dass es so weitergeht. Thailand hat sich ja bisher immer wieder erholt, nach der Vogelgrippe, nach dem Tsunami. 24 Monate nach dem Tsunami lagen die Touristenzahlen sogar höher als davor. Es kann auch sein, dass dadurch jetzt Überkapazitäten gebaut werden, die mit der Weltwirtschaftskrise nicht zu vereinbaren sind. Das könnte dem Land Probleme bereiten. Speziell im Massentourismussegment.
ZEIT ONLINE: Was wird passieren, wenn der Tourismus drastisch zurückgeht?
Mack: Die Haupteinnahmequelle ist der Tourismus, der Massentourismus aus Skandinavien und Australien vor allen Dingen, wenn der einbricht, dann sind die Menschen hier arbeitslos. Und die Leute sind verschuldet, wie bei uns und in Amerika auch, durch billige Kredite sind sie zu Häusern, Wohnungen, Autos gekommen, nun haben sie Zahlungsdruck von den Banken, sie müssen verdienen. Die Servicecharge ist Teil des Lohns, das heißt, je mehr Umsatz ein Haus macht, desto mehr verdienen sie. Wenn die Servicecharge nichts mehr hergibt, dann ist der Lohn nur noch halb so hoch, wenn man überhaupt noch eine Arbeit hat. Und das wird dann problematisch.
ZEIT ONLINE: Wie ist die Stimmung in der Bevölkerung, gibt es große Ängste?
Mack: Die Leute sind sehr nervös, aber viele haben es noch nicht ganz verstanden. Sie hoffen auf Obama in Amerika, das ist der Engel, der alles wieder gutmacht. Für Leute wie mich, die international tätig sind, ist es einfach, wenn es hier nicht läuft, sind wir morgen auf den Malediven. Aber die Einheimischen, die haben zwar ein sehr einfaches Leben, aber es wird trotzdem Probleme geben, wenn es mit dem Einkommen nicht so läuft. Die Kriminalität wird ansteigen, wie das nach dem Tsunami auch schon der Fall war. Die Menschen hier lieben Goldschmuck, und dann müssen sie beim Nachhausefahren wieder aufpassen, dass ihnen die Goldkette nicht runtergerissen wird und so weiter. Es ist keine offene und gewalttätige Kriminalität, aber es ist doch Diebstahl, und das ist für einen Thai eigentlich ein Unding.
ZEIT ONLINE: Welche Alternativen haben die Menschen zum Tourismusgewerbe?
Mack: Überhaupt keine. Man kann vielleicht Taxi fahren, oder einen Shop betreiben, aber wenn keiner was kauft, braucht man auch keinen Laden aufzumachen. Und die Kosten steigen nach wie vor, der Preis für Reis hat sich verdoppelt in den letzten zwölf Monaten, Hühnerfleisch ist teurer, Schweinefleisch ebenso. Nur Benzin, das ging 50 Prozent nach unten, das hilft den Leuten. Aber wir brauchen die Touristen!
ZEIT ONLINE: Gibt es irgendetwas, das hoffen lässt?
Mack: Die Thai Tourism Association ist dabei, neue Märkte zu erschließen, Spanier waren zum Beispiel grade hier zum Schauen. Aber diese Länder sind natürlich auch in der Krise und alle sehr zurückhaltend. Ich habe gehört, dass die Asiaten Phuket vermehrt anfliegen werden. In Asien scheint noch Geld da zu sein, um Urlaub zu machen.
Die Fragen stellteAnette Schweizer
- Datum 09.03.2009 - 12:07 Uhr
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In den letzten Jahren wurden in Thailand sehr viele neue Hotels gebaut oder sind noch im Bau. Irgendwann sind immer und überall mehr Zimmer als bezahlende Gäste vorhanden. Und dies ist in Thailand nun auch der Fall.
Viele Grüße
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