TV-Krimi Mörder wie du und ich
Die Krise hat das liebste TV-Genre der Deutschen erreicht. Der moderne Krimi ist trostloser denn je. Er verliert an Moral und Zuschauern.

© SR/Manuela Meyer
Bedrohte Idylle: Ein Haus in der saarländischen Provinz wird herausgeputzt für den neuen SR-Tatort "Bittere Trauben"
Der moderne Krimi ist hart und verstörend. Es ist nicht verwunderlich, dass man nach 900 Filmminuten mit drei Dutzend Leichen ein beklommenes Gefühl hat, denn Düsternis gehört nun mal zum Sujet. Dennoch ist eine ausgesprochene Trostlosigkeit charakteristisch für den neuen deutschen Krimi.
Deutlich wird das beim Fernseh-Krimi-Preis in Wiesbaden. Fast alle der gezeigten Festivalfilme sind für deutsche TV-Verhältnisse hochwertig. Kein Wunder: Die besten Schauspieler, Drehbuchautoren und Regisseure des Landes betätigen sich kriminalistisch. Das Format ist krisenresistent. Es läuft häufiger und ist erfolgreicher als jedes andere. Trotzdem hat sich auch in den Krimi die Krise längst eingeschlichen.
Da ist zunächst der Täter. Seiner Darstellung widmen viele Krimimacher mehr Aufmerksamkeit als den Ermittlern. In keinem der Filme sind die Mörder blutrünstige Scheusale. Man weint eher mit ihnen, als dass man sie verabscheut. Selbst der Arzt in der Polizeiruf-Folge Rosis Baby , der ein behindertes Mädchen schwängert, hat nachvollziehbare Züge. Selbst der Vergewaltiger im Tatort Wolfsstunde ist nicht ganz und gar böse.
Angesagt sind Täterfiguren, "die man nicht hassen kann", sagt der Polizeiruf -Regisseur Andreas Kleinert. Das wahre Leben sei komplexer. Rein böse Menschen gebe es bloß in Schauermärchen. Die Täter der Neuzeit sind kümmerliche, gescheiterte Existenzen. Mit den edlen Ganoven von früher oder den arrogant-fiesen Charakterschweinen haben sie nichts mehr gemein.
In ihrer Verzweiflung ähneln die Täter den Ermittlern. Die deutschen TV-Kommissare sind oft zynisch, depressiv, einsam und ängstlich. Viele leiden unter früheren Familientragödien, manche unter Krankheiten, andere sind Alkoholiker. Kein Vergleich zu den Ermittlern in den US-Krimis, die wie die CSI -Cops smart und glatt sind und keinen Weltenschmerz empfinden.
Im deutschen Krimi hingegen ist die geschundene Kommissarsseele ein zentraler Topos. In zwei preisgekrönten Filmen werden die Ermittler sogar selbst zum Verbrecher. In Der blinde Fleck mordet ein Polizist, um seine kriminelle Tochter zu schützen. In Wolfsstunde prügelt der Ermittler den Vergewaltiger fast tot. Die Polizisten werden überforderter, die Täter menschlicher. Und die Gesellschaft, die beide miteinander verbindet, bedrohlicher.
- Datum 11.03.2009 - 12:05 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Diese, auch den angelsächsichen Kommissarinnen mittlerweile eigene Maske haben sie jetzt auch am letzen Sonntag der Frau Thomalla aufgesetzt. Also mal wieder die anfangs vielleicht zu kokette Mimik mit dem Bade ausgeschüttet. Auch wenn Frauen die Opfer waren, diese ewigen Betroffenheitsminen, anklagend und wer sie nicht hat, ist schon unten durch, gehen mir auf den Nerv. Und solche Sätze wie, Männer relativieren die Moral beim Sex und die (vielleicht um Eifersucht oder Empörung im Zusammenhang mit dem Fall darzustellen) Unterstellung, der Kommissar habe sich einer Prostituierten bedient, sind nun so alt wie schlechte "Herren" Witze einer Kölner Karnevalssitzung. Man hat jeden Sonntag Abend "Angst" vor dieser Art Betroffenheit, der natürlich üblichen Düsternis und derartigen volkspädagogischen Dialogen.
Hauptdarstellerin hört Belangloses, Schwenk auf die nachdenkliche Miene, angesichts der Bedeutungslosigkeit des Gehörten völlig unverständlich. Oder soll eine neue Schauspielerin ins rechte Licht gerückt werden?.
Und die üblichen Schwenks auf Kaffeetassen sekundenlang ohne Bedeutung für die Handlung. Vielleicht hat es doch Bedeutung, es langweilt mich dennoch. Derrick z. B. war zwar ähnlich aber doch anders. Der war ernst aber nicht ständig betroffen und Spannung war aufgebaut. Sowie in den Kammerkriminalfernsehspielen der sechziger Jahre. Und hat sich gut verkauft. Vor allem in Länder mit großer Action Film Tradition.
In den meist angelsächsichen oder nordischen Szenen der Sonntags - Krimis vom ZDF geht das alles zügiger, nicht alles mit Schwenks untermalt und dabei nicht weniger inhaltsleer. Ro Ro Ro Krimis mancher deutscher Autoren stehen wohl bei deutschen Filmen Pate. Langwierige Dialoge, Klischee beladen. Nordische Autoren schaffen das gleiche in 5 Sätzen oder kurzen Dialogen, ohne Klischees bemühen zu müssen.
So ist es schwierig mit den Krimis, ZDF Krimis sind scheinbar Video Hochglanz. Unlebendig von den Bildern. Französische Krimis werden sowieso nicht mehr gezeigt. Da ist der Bulle oft in den guten Filmen von vornherein Doppelwesen. Halb gesetzestreu, halb nicht gestzestreu. Dieses moralische Dilemma, einschließlich seiner daraus resultierenden Einsamkeit wird filmisch umgesetzt aber nicht in langwierigen Dialogen oder betont bedeutungsvollen Einstellungen. Vielleicht wollen die guten Filmemacher in manchen Ländern nur eins: Ein Geschichte niveauvoll und unterhaltsam (spannnend) erzählen.
Ich behaupte: der aktuelle deutsche Krimi moralisiert zuviel und hat deswegen weniger Zuschauer. Sind die Kinokrimis auch so, ist es eben der gleiche Effekt. Gute Krimis zum Lesen gibt es immer noch genug, sogar von deutschen Autoren. Und der einzige Unterschied zwischen gutem Krimidreher und gutem Krimischreiber sollte das Arbeitsmittel sein.
interessanter artikel. ich sehe zwar seit mittlerweile 5 jahren nicht mehr fern (ein extremer gewinn an lebensqualitaet), aber zu dem folgenden satz muss ich doch etwas sagen:
"Kein Vergleich zu den Ermittlern in den US-Krimis, die wie die CSI-Cops smart und glatt sind und keinen Weltenschmerz empfinden."
gerade das urspruengliche c.s.i. hat mir gefallen, da die privaten probleme des teams nach und nach eingang in die handlung fanden, sie aber nie dominiert haben. der fall stand stets im vordergrund, aber smart und glatt waren die ermittler m.e. nicht. richtig ist der satz im bezug auf c.s.i. miami (dort muss dann natuerlich der chef vom bombsquad sein etc.). ein allgemeines problem der serien: ein erfolg wird tot geritten. die wie rasend entstehenden clone einzelner serien sind meist schlicht nur peinlich.
zum tatort allgemein (wie gesagt: stand vor 5 jahren): eine schauspielschule duerfte den meisten darstellen sicher gut tuen. laienhaft, schrecklich anzusehen.
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