Iran-Politik Konservative beharren auf Feindbild Ahmadineschad
Die Verteuflung Irans ist vorbei, Barack Obama teilt die Welt nicht in Gut und Böse ein. Die Falken in Israel und den USA wettern gegen den Kurs des US-Präsidenten.

© Behrouz Mehri/AFP/Getty Images
Kann aus der Konfrontation mit den USA wie zu Zeiten George W. Bushs keinen politischen Nutzen mehr ziehen: Irans Präsident Mahmoud Ahmadineschad
Israels wahrscheinlicher neuer Premierminister Benjamin Netanjahu hat noch keine Mehrheit im Parlament, aber schon eine Botschaft. "Iran entwickelt Nuklearwaffen und stellt die größte Bedrohung für unsere Existenz seit dem Unabhängigkeitskrieg dar." Mit diesem Satz umreißt der konservative Likud-Führer voraussichtlich die außenpolitische Priorität seiner Amtszeit. Zeitgleich warnen neokonservative Thinktanks in Washington in hohem Ton vor Iran. Konservative Zeitungen wie die Jerusalem Post und die New York Post watschen Journalisten und Politiker ab, die ihrer Meinung nach vor den Mullahs einknicken.
Reiben wir uns kurz die Augen und fragen, was denn so neu und bedrohlich ist. Der letzte Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde sagt, Iran habe knapp 4000 Zentrifugen im Betrieb, um angereichertes Uran zu erzeugen. Bisher sei der Stoff nicht geeignet, um Nuklearwaffen zu produzieren. Auch fehlten weiter geeignete Trägerraketen, um eine Waffe daraus zu machen. Aber Irans Versteckspiel um sein Atomprogramm erwecke starken Verdacht. So bekannt, so beunruhigend.
Gleichwohl, was ist wirklich neu? Die neue Gefahr aus Sicht der Konservativen kommt aus dem Weißen Haus. Der neue US-Präsident hat Iran offene, direkte Gespräche angeboten, wenn das Land "seine Faust öffne". Iran hat darauf mit ersten positiven Signalen reagiert. Schon jetzt schickt Barack Obama zwei hochrangige Diplomaten nach Syrien, um mit dem Verbündeten Irans über eine Öffnung nach Westen zu sprechen. Der Präsident bricht mit der unseligen Tradition seines Vorgängers, die Welt in Gut und Böse einzuteilen und nur mit denen zu reden, die ihm genehm sind. Die Bösen, vor allem Iran, erhielten aus dem Washington des George Bush vor allem Drohungen und Sanktionen. Und genau das empfehlen uns nun auch wieder Netanjahu und die konservativen Vordenker aus der Bush-Zeit.
Erinnern wir uns kurz, was sie der Welt nach dem 11. September empfohlen haben. Damals behaupteten sie, Saddam Hussein im Irak sei der Hauptsponsor des Terrorismus, ein Sammler von Massenvernichtungswaffen und überhaupt der Mastermind des Bösen in der Welt. Bush räumte ihn weg, mit dem Resultat, dass Iran seinen Todfeind verlor. Die Balance im Mittleren Osten geriet aus den Fugen. Dann boykottierte die US-Regierung auf Empfehlung Israels und neokonservativer Nahostexperten islamistische Parteien.
Iran sprang daraufhin elastisch in die Beschützerrolle dieser radikal-sunnitischen Bewegungen. Iran als Vormacht am Golf, als Herausforderer Israels und des Westens, als Schutzmacht von Hamas und Versteher der arabischen Straße – das ist das Werk eben jener konservativen Ideologen, die uns heute erzählen wollen, das Regime in Teheran sei eine tödliche Bedrohung für die zivilisierte Menschheit.
Barack Obamas neuer Kurs überzeugt, weil er die Regierung und das theokratische System Irans nicht dämonisiert. Er macht den Test auf Teherans Vernunft und versucht nicht wie einst Bush, Präsident Ahmadineschad an politischer Radikalität zu übertreffen. Hinter Obamas Kurs steht ein nüchterner Blick auf das Land und seine Dimensionen.
Iran hat nicht mehr Einwohner als die Türkei oder Ägypten. Seine Wirtschaft indes verhält sich zu jener der Türkei etwa wie ein Plattenbau zu einem Wolkenkratzer. Die sozialen Probleme Irans wachsen mit jedem Tag. Sein Trumpf, die Öl- und Gasindustrie, sticht nicht in Zeiten von 35 Dollar pro Ölfass. Seine Devisenreserven für das Sponsoring von Hamas & Co. schmelzen dahin. Irans Atomprogramm wird von der ganzen Welt beargwöhnt, derweil Israel im Stillen zügig Fortschritte macht. Iran würde niemals mit Israel an nuklearer Abschreckungskraft gleichziehen. Und: Falls Iran je Nuklearwaffen haben sollte, heißt dies noch lange nicht, dass sie diese einsetzen würden.
- Datum 06.03.2009 - 10:06 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Die Nuklearmächte sollten endlich die Verpflichtungen aus dem Atomwaffabsperrvertrag erfüllen und atomar dramatisch abrüsten !
Der Abrüstungsprozess wird dann die dringend notwendige Glaubwürdigkeit erhöhen, dass die Atomwaffen nicht als letzte Hinterhand-Mittel zur Durchsetzung der eigenen Interessen dienen. In diesen Abrüstungsprozess gilt es dann international zu vereinbaren, dass die Atomwaffen ganz von dem Planeten verschwinden ! Parallel dazu müssen die drängensten Probleme gemeinsam gelöst werden: Sicherheitsfarantien für Israel, 2 Staatenlösung für Palästina .....
Das freiwerdende Geld aus den über 1 000 Dollar weltweiten Militärausgeben jährlich wird ja dringend zur Dämpfung des Klimawandels, zur Stabilisierung des Weltfinanzsystems, zur Bekämpfung der Armut, des Hungers der Seuchen, der Arbeitslosikeit , zur Finanzierung der Millennium-Ziele usw. benötigt:
Es wird Zeit für eine Deeskalation, um die wahren Weltprobleme in Angriff nehmen zu können! Dank OBAMA ist die Zeit der Pflege von Feindbildern offensichtlich vorbei!
Kann man das irgendwo als wallpaper laden?
"Iran sprang daraufhin elastisch in die Beschützerrolle dieser radikal-sunnitischen Bewegungen."
Der Iran ist doch zu 90% schiitisch, oder widerspricht das dieser Aussage nicht? Ich meine, ein gemeinsamer Feind - der Westen - kann auch Schiiten und Sunniten einigen, aber ansonsten stehen diese doch auf Kriegsfuß...
Ansonsten auf jeden Fall der richtige Kurs von Obama - große Staatsmänner hat es schon immer ausgezeichnet, dass sie Probleme lösten und Situationen entspannten, indem sie auch mit Parteien verhandelten, die sie nicht als sympathscih empfanden.
Mit der sunnitischen Partei ist die Hamas gemeint. Allerdings ist die Unterstützung ein politisches ein Novum. Wie sie richtig bemerkt haben gibt es einigen Konflikte zwischen diesen beiden Konfessionen- von denen «Normalmuslime» wenig bis garnichts wissen. Aber es werden sich sicherlich noch Hassprediger finden, die die Unterschiede hervorheben werden in nächster Zeit.
Mit der sunnitischen Partei ist die Hamas gemeint. Allerdings ist die Unterstützung ein politisches ein Novum. Wie sie richtig bemerkt haben gibt es einigen Konflikte zwischen diesen beiden Konfessionen- von denen «Normalmuslime» wenig bis garnichts wissen. Aber es werden sich sicherlich noch Hassprediger finden, die die Unterschiede hervorheben werden in nächster Zeit.
tja der herr thumann scheint ja auch einer von diesen fanatischen appeaseniks zu sein, die es gerne in kauf nehmen, dass israel vernichtet wird - so in dem stil werden sie es wieder aus der ethnonationalen ecke brüllen.
Leider scheint es nichts anderes als die political correctnes der Zeit zu sein, dass man in eine Ecke gedrängt wird, wenn man versucht, Sachverhalte zu differenzieren und nicht den gleichen Ton anstimmt wie die vielen Islamophoben unserer Zeit.
Leider scheint es nichts anderes als die political correctnes der Zeit zu sein, dass man in eine Ecke gedrängt wird, wenn man versucht, Sachverhalte zu differenzieren und nicht den gleichen Ton anstimmt wie die vielen Islamophoben unserer Zeit.
ist Israel der eigentliche Kriegstreiber und kein anderer!
(Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Die Redaktion/jk)
beginnt immer damit, dass man dem Gegner das Menschliche abspricht. Glücklicherweise begreift man in Washington neuerdings, daß die Perser Menschen sind. Wie wäre es, wenn Sie Obamas Beispiel folgten und zugäben, dass die Israelis Menschen sind? Dann könnten sie die Hinweise aus Kommentar Nr. 8 würdigen.
beginnt immer damit, dass man dem Gegner das Menschliche abspricht. Glücklicherweise begreift man in Washington neuerdings, daß die Perser Menschen sind. Wie wäre es, wenn Sie Obamas Beispiel folgten und zugäben, dass die Israelis Menschen sind? Dann könnten sie die Hinweise aus Kommentar Nr. 8 würdigen.
Leider scheint es nichts anderes als die political correctnes der Zeit zu sein, dass man in eine Ecke gedrängt wird, wenn man versucht, Sachverhalte zu differenzieren und nicht den gleichen Ton anstimmt wie die vielen Islamophoben unserer Zeit.
Herr Thumann -
I stand amazed. Nie hätte ich geglaubt, einem Ihrer Artikel Beifall spenden zu wollen, ja: zu müssen. Ich möchte (fast) jeden Satz unterschreiben.
Hallo "Soziales Gewissen", können Sie sich vorstellen in einem Land zu leben, dessen Existenz von Seiten der Nachtbarn massiv bedroht ist? Oder können Sie sich vielleicht vorstellen, was mit den 7 Mio. Einwohner passiert, falls diese den nächsten Konflikt verlieren sollten?
Ihnen ist wahrscheinlich auch entgangen, dass aus Sicht religiöser Muslime Israel an sich kein Existenzrecht besitzt, da moslemisches Grund und Boden nie wieder hergegeben werden darf.
Israel ist ein „One Drop-Land“, was so viel heißt, dass es einen atomaren Angriff nicht überleben würde. Wenn Sie die Angst der Israelis verstehen, dann würden Sie über die einzige Demokratie im Nahen Osten wahrscheinlich anders urteilen.
Hallo "Zeitprofile", können Sie sich vorstellen, dass die von Ihnen angeführten religiösen Muslime ernsthaft daran denken, das Land, dass sie gerne in Besitz nehmen würden, mit Atomraketen zu beschießen und es damit - inkl. der für sie heiligen Stadt Jerusalem - unbewohnbar zu machen?
Sie sprechen vom Gefühl der Bedrohung auf Seiten der Israelis. Schon mal daran gedacht wie bedroht sich der Iran eigentlich fühlen muss? Bedroht von der schlagkräftigsten Militärmacht der Welt...in die Ecke gedrängt und als "böse" abgestempelt von der westlichen Welt.
Außerdem kann ich es so langsam nicht mehr hören, diese Israeli-Paranoia. Ein Atomschlag von Seiten des Irans gegen Israel ist so unrealistisch wie der Frieden auf dem afrikanischen Kontinent, da solch ein Militärschlag mit der unmittelbaren Zerstörung des eigenen Landes verbunden wär. Ähnliches Szenario wie im Kalten Krieg würde ich sagen...
Hallo "Zeitprofile", können Sie sich vorstellen, dass die von Ihnen angeführten religiösen Muslime ernsthaft daran denken, das Land, dass sie gerne in Besitz nehmen würden, mit Atomraketen zu beschießen und es damit - inkl. der für sie heiligen Stadt Jerusalem - unbewohnbar zu machen?
Sie sprechen vom Gefühl der Bedrohung auf Seiten der Israelis. Schon mal daran gedacht wie bedroht sich der Iran eigentlich fühlen muss? Bedroht von der schlagkräftigsten Militärmacht der Welt...in die Ecke gedrängt und als "böse" abgestempelt von der westlichen Welt.
Außerdem kann ich es so langsam nicht mehr hören, diese Israeli-Paranoia. Ein Atomschlag von Seiten des Irans gegen Israel ist so unrealistisch wie der Frieden auf dem afrikanischen Kontinent, da solch ein Militärschlag mit der unmittelbaren Zerstörung des eigenen Landes verbunden wär. Ähnliches Szenario wie im Kalten Krieg würde ich sagen...
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