Medienwahlkampf Althaus-Interview erzürnt die Parteifreunde

Sand im Getriebe der Althaus-Kampagne in Thüringen: Der Wahlkampfmanager des Ministerpräsidenten hat dessen erstes Interview nach seinem Skiunfall scharf kritisiert

Mit dem ersten Zeitungsinterview nach seinem schweren Skiunfall Anfang des Jahres hat der Thüringer CDU-Ministerpräsident Dieter Althaus politische Freunde und Gegner gleichermaßen verärgert. Zum Nominierungsparteitag am vergangenen Wochenende, wo die Delegierten Althaus in Abwesenheit zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im August wählten , hatte die Partei auf eine Videoübertragung vom Krankenbett verzichtet.

"Ich halte nichts davon", sagte der CDU-Landesgeschäftsführer und Wahlkampfchef Andreas Minschke am Montag in Erfurt. "Althaus ist noch krank, da besteht nicht der Zwang zum Fotoshooting."  Nun drucken Zeitungen großformatige Fotos und schaffen eine von der CDU ungewollte Öffentlichkeit.

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Zum Nominierungsparteitag hatte sich Althaus mit einem Grußwort zwar öffentlich, aber sparsam bei seiner Partei zurückgemeldet. Alles Weitere übernahmen dann die Bild am Sonntag und die Bild -Zeitung. Althaus gewährte den Massenblättern das erste Interview nach seinem Skiunfall auf der österreichischen Reisneralm, bei dem am Neujahrstag 2009 eine 41-jährige Mutter tödlich verunglückte. Althaus erlitt schwere Verletzungen, zudem unter anderem einen Gedächtnisverlust. Nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt in Österreich wechselte er in eine Reha-Klinik am Bodensee.

Die Bams -Redakteure reportierten detailreich, selbst über den Händedruck des Spitzenkandidaten. In der Bild antwortete Althaus, der bereits eine Geldstrafe wegen fahrlässiger Tötung akzeptierte, detailliert zu Unfallhergang, zu seinen Erinnerungen, wie er vom Tod der Frau erfuhr und wie er in den Alltag zurückfindet. ("Es war ein furchtbarer Schock. Es lässt mich auch jetzt noch nicht los, dass ein so schreckliches Unglück passieren konnte.")

Fast die gesamte Seite zwei der Montagsausgabe nimmt das Interview ein. Auf der Titelseite reißt Bild das Gespräch in der bekannter Weise an. Für Dienstag ist die Fortsetzung angekündigt.

Eine Schuld an dem Skiunfall wies Althaus im Gespräch mit den Redakteuren zurück. "Schuld ist nicht die richtige Kategorie, um ein solch tragisches Unglück zu bewerten", sagte der CDU-Politiker. "Ich fühle mich aber verantwortlich." Eine Mitverantwortung hatte er vor Wochen bereits über seinen Anwalt eingeräumt.

Leser-Kommentare
    • rondo
    • 16.03.2009 um 15:42 Uhr

    Die CDU rast mit Dieter Althaus sehenden Auges in die nächste Katastrophe.
    Dies hat schon die SPD (Ypsilanti) schmerzlichst erfahren müssen, dass der Wähler bei solchen Spielchen genauer hinsieht.

  1. "Schuld ist nicht die richtige Kategorie..." Bereits mit dem österreichischen Blitzurteil wurde jedem deutlich, das für vermeintliche Eliten andere Kategorien gelten. An die Verkäuferin, welche wegen 1,30 Flaschpfand ihren Arbeitspaltz verlor, wurde hier bereits des öfteren erinnert. Es bleibt die Hoffnung, dass der Wähler Herrn Althaus die Auszeit zur inneren Einkehr einräumt, die sich dieser Unersetzbare selbst nicht nehmen möchte.

    • NoG
    • 16.03.2009 um 15:49 Uhr

    "Am Wochenende hatte er den Parteitag in Waltershausen per SMS über die Annahme seiner Wahl informiert."
    geht sowas ueberhaupt?

    richtige freunde wuerden ihm abraten zu kanidieren.
    parteifreunde sind keine richtigen freunde.

  2. Wer eine persönliche Schuld zu einer schicksalshaften Tragödie erklärt, ist moralisch ungeeignet, Spitzenpolitiker zu sein. Schicksal ist es, wenn eine Situation unausweichlich ist. Das war sein rüpelhaftes Skimanöver nicht. Mit seiner Vernebelungsstrategie kann er vielleicht sich selber einreden, dass er weniger Schuld trägt, die Wähler/innen kaufen ihm seine Bild-Kampagne hoffentlich nicht ab.

  3. Eine Partei - die solch ein Verfahren billigt - wählt auch einen Ziegenbock zum Kandidaten.

    Es ist schon öfters passiert, daß Kandidaten wg. Formfehlern bei Ihrer Nominierung ausgeschlossen wurden.

    Im Falle des Herrn Althaus muß bezweifelt werden, ob überhaupt eine Nominierung vorliegt.

    Können Sie sich ein Bewerbungsgespräch vorstellen bei dem der Bewerber nicht erscheint und trotzdem eingestellt wird?

    • domit
    • 16.03.2009 um 16:57 Uhr
    6. Schuld

    Die Kategorie "Schuld" mag Herr Althaus für sich nicht zu erkennen. Das verwundert nicht, da es sich hier doch um einen zutiefst überzeugten Cristen handelt, für den auch schon die Kategorien Recht und Justiz modifiziert wurden.

  4. spielen wohl auch bei der CDU keine Rolle mehr. Mitleid, Nächstenliebe, Soziales und all die Werte, auf die sich die Partei mit dem C im Namen immer so gerne beruft, darf Herr Althaus von den Seinen nicht erwarten. Schließlich geht es um eine schöne Wahl-Kampagne und den Wahlsieg. Was kümmert´s, ob der Kandidat körperlich oder geistig fit ist? Soll er doch einfach den Mund halten und die Wahl gewinnen. Und wenn er dann doch in die Knie geht, wird ein neuer Mann aus dem Hut gezaubert. Armes Wahlvolk, wieder einmal wird es zum Statisten degradiert. Hurra Deutschland!

  5. Am 5-3-2009 nannte ich es noch "nettes timing oder blitzheilung" und glaubte an eine Wunderheilung
    - vorgestern nicht vernehmungsfähig
    - gestern verhandlung, urteil, also voll fit und verhandlungsfähig auch wenn nur anwalt anwesend
    - heute Kandidat

    Jetzt ist es nur noch peinlich
    - zum Spitzenkandaten in Abwesnheit gewählt, Wahl per sms angenommen und gegrüßt

    Aber die BILD geht immer zur Selbstadrstellung.
    Keine Schuld trotz gültigen and angenommenen Blitzurteil.
    Nur Verantwortung ist dem Herren "recht".

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