Ein netter Junge sei der 17-jährige Tim K. gewesen, sagten fast alle in Winnenden, die den Jugendlichen kannten. Niemand schien sich in der Stadt zu finden, der den Amoklauf in der Albertville-Realschule am Mittwochmorgen auch nur annähernd erklären konnte. 

Wie wenige wirkliche Freunde der Schütze gehabt haben muss, wie wenigen er sich anvertraute, brachten nun die Ermittlungen der Polizei zutage. Tim K. litt demnach an starken, krankhaften Depressionen und war deswegen in psychiatrischer Behandlung.

Entsprechende Hinweise aus einem Schreiben, das an die Musterungsbehörde der Bundeswehr gerichtet war, fand die Polizei bei der Wohnungsdurchsuchung im Elternhaus in Weiler zum Stein. Tim K. war über längere Zeit hinweg in einer psychiatrischen Klinik in Weinsberg im Raum Heilbronn behandelt worden.

Er sollte die Behandlung später ambulant am psychiatrischen Landeskrankenhaus in Winnenden fortsetzen, doch nach kurzer Zeit ging er nicht mehr hin. Er erschoss am Mittwoch auf seiner Flucht vor der Polizei auf dem Parkplatz der Klinik einen Handwerker.

Mitwisser der Tat gab es aber doch. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch um 2.45 Uhr setzte der Schütze von seinem Computer zu Hause eine Nachricht an einen in Bayern lebenden Bekannten ab, die er in einem Internetforum, einem so genannten " Imageboard ", hinterlegte, so die Polizei. "Scheiße Bernd, es reicht mir", heißt es in dem Kommunikationsforum, das von einem US-amerikanischen Server aus betrieben wird. "Ich habe dieses Lotterleben satt. Immer dasselbe. Alle lachen mich aus. Niemand erkennt mein Potenzial."

Dann die Ankündigung: "Ich werde morgen früh an meine frühere Schule gehen und mal so richtig grillen." Dann verfiel der Schreiber, wohl in der Erwartung eines doch größeren Publikums, in den Plural: "Merkt euch nur den Namen des Orts: Winnenden."

Der Adressat in Bayern las nach Angaben der Polizei die Nachricht - und antwortete, er lache sich tot. Ein weiterer Besucher des Boards aus Nordrhein-Westfalen bemerkte, er glaube das alles erst, wenn er Fotos sehe. Auf die Idee, die Polizei zu informieren, kam niemand.