Amoklauf-Ermittlungen Psychostress und Übereifer
Der Innenminister verbreitete Falschinformationen. Auch andere Vorwürfe kommen jetzt ans Licht. War der Polizei-Einsatz von Winnenden doch nicht so vorbildlich?

© Sascha Baumann/Getty Images
Eine Polizistin bewacht den Tatort: die Realschule in Winnenden
Die erste große Panne der Polizeiarbeit in Winnenden hatte am Donnerstag der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech (CDU) höchstpersönlich geliefert. Er verlas am Mittag bei einer Pressekonferenz vor Hunderten Journalisten aus dem In- und Ausland ein angebliches Bekennerschreiben des Amokschützen Tim K. , das in einem Internet-Forum des Servers krautchan.net gestanden haben sollte. Das Motiv für die Tat schien gefunden – und es wurde in alle Welt verbreitet, auch durch ZEIT ONLINE.
Noch am Abend desselben Tages kam das Dementi vom Innenministerium. Es gebe Zweifel an der Echtheit des Schreibens, hieß es kleinlaut. Weitere Ermittlungen seien notwendig. Der Betreiber des Servers, der das Forum vorübergehend vom Netz genommen hat, äußerte sich in einer Stellungnahme, die noch im Netz verfügbar ist, deutlicher. Die Presse habe sich von einer Fälschung täuschen lassen. "Hier wurde kein Amoklauf angekündigt, es gibt hier nur Leute, die mit Photoshop umgehen können."
Gemeint war damit, dass ein Unbekannter die Oberfläche des Forums kopiert, durch das fiktive Bekennerschreiben ergänzt und ins Netz gestellt hat. Der Serverbetreiber weiter: "Vielleicht hat der Täter die Site mal besucht, den durch die Presse gegangenen Beitrag hat er jedenfalls nicht verfasst, denn der hat nie existiert."
Peinlicherweise hatte der Minister Rech bei der Pressekonferenz wenige Stunden zuvor auf die Nachfragen von Journalisten versichert, es sei eine gesicherte Erkenntnis: Der Chat-Eintrag sei vom Computer des getöteten Tim K. abgesendet worden, kein Zweifel!
Wie es zu dieser Behauptung kam, erklärt die Waiblinger Polizei inzwischen mit einem internen Übermittlungsfehler. Der Urheber der Falschmeldung ist unbekannt. Es wird eines oder mehrerer Online-Spezialisten, wie es sie beim Landeskriminalamt Baden-Württemberg gibt, bedürfen, ihn zu finden. Ob einer dieser Experten bisher überhaupt zu den aktuellen Ermittlungen hinzugezogen war, muss angesichts der Informationspanne bezweifelt werden. Weder die Waiblinger Polizei noch die Staatsanwaltschaft Stuttgart wollen sich dazu äußern.
Das gilt auch für andere Vorwürfe, die in den vergangenen Tagen laut geworden sind. So wundern sich Zeugen, die den Einsatz am Mittwoch beobachtet haben, weshalb die Polizei zwar rasch Hunderte Einsatzkräfte vor der Albertville-Realschule zusammengezogen hatte, den 17-Jährigen auf einem oberen Treppenabsatz sogar beschoss, aber dann nicht bemerkte, wie der Schütze aus dem Gebäude floh.
- Datum 14.03.2009 - 08:30 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Danach diesen Hinweis löschen. Danke!
Der hohe Informationsdruck auf Polizei und Politiker läßt sich durch Vorschriften für den Extremfall und konsequente Umsetzung vermeiden.
Die Pressefreiheit rechtfertigt nicht das Vogehen der Journalisten. Der Schutz der Öffentlichkeit geht vor. Ebenso müssen die Ermittler geschützt werden.
Die politische Diskussion um angebliche Fehler, Falschinformationen aus dem Internet ist äußerst unappetitlich.
Den Innenministern ist zu empfehlen, für eine derartige Situation ein anderes Vorgehen zu entwickeln. Wir müssen leider davon ausgehenn, daß diese Tat nicht die letzte Tat ihrer Art war.
Es darf nicht sein, daß jeder Täter zum Medienstar aufgebaut wird, jeder Fotograf und Kameramann glaubt, seine Jagdprämie gehe vor das Recht seiner Mitmenschen auf unversehrtes Leben.
Es wundert mich auch, dass die Polizei dem Täter ins Bein schiesst, und ihm damit noch mal die Möglichkeit gibt nachzuladen und weitere Menschenleben zu gefährden. Wäre es nicht Aufgabe der Polizei gewesen, dieses Biest mit einem gezielten Kopfschuss ausser Gefecht zu setzen, bevor er sich selbst eine Kugel in den Kopf jagt?!
Nach wie vor unbekannt bleibt die Quelle des Satzes, den der baden-württembergische Innenminister gestern kraft seines Amtes zitierfähig machte. Immerhin gilt es zu bedenken, dass "grillen", oder auch "Grillparty", in industriellen Strukturen seit Jahrzehnten das Synomym für die von F. W. Taylor im Jahr 1913 auch auf deutsch und nicht nur in englisch fälschlich als Grundsätze wissenschaftlicher Betriebsführung (engl.: Principles of Scientific Management) veröffentlichte. Sollte ein 17-jähriger dieses Synomym verwenden und inkorporieren, vergreist er dadurch rapide.
Hallo
Über Fehler beim Polizei-Einsatz zu debattieren ist müssig.
Es wird bei einer solch ausserordentlichen Stress-Situation IMMER Fehler geben, die zu erfassen/benennen ist Aufgabe der INTERNEN Untersuchung der Polizei und garantiert nicht der Medien.
Auch ein Innenminister wird in solch einer Situation nicht immer das richtige tun/sagen, und der Versuch ihm daraus einen Strick zu drehen ist einfach zu billig um ernstgenommen zu werden.
Gruss
Rene
...sondern auch einseitig. Bereits heute nachmittag berichtete zum Beispiel Spiegel.online, dass ein junger Polizist kurz nach seinem Eintreffen am Tatort erfuhr, dass seine Frau, eine Lehrerin an der Schule, unter den Opfern war. Ich frage mich, wieso - sofern nicht auch dies eine Ente ist - eigentlich davon hier nichts berichtet wird.
Auch frage ich mich, wieviele der Kritiker eigentlich bereit sind, sich selbst zum Schutz von anderen in solche Situationen zu begeben. Ein bißchen mehr Anstand und Augenmaß wäre vielleicht auch beim Kritisieren nicht schlecht.
...sondern auch einseitig. Bereits heute nachmittag berichtete zum Beispiel Spiegel.online, dass ein junger Polizist kurz nach seinem Eintreffen am Tatort erfuhr, dass seine Frau, eine Lehrerin an der Schule, unter den Opfern war. Ich frage mich, wieso - sofern nicht auch dies eine Ente ist - eigentlich davon hier nichts berichtet wird.
Auch frage ich mich, wieviele der Kritiker eigentlich bereit sind, sich selbst zum Schutz von anderen in solche Situationen zu begeben. Ein bißchen mehr Anstand und Augenmaß wäre vielleicht auch beim Kritisieren nicht schlecht.
...sondern auch einseitig. Bereits heute nachmittag berichtete zum Beispiel Spiegel.online, dass ein junger Polizist kurz nach seinem Eintreffen am Tatort erfuhr, dass seine Frau, eine Lehrerin an der Schule, unter den Opfern war. Ich frage mich, wieso - sofern nicht auch dies eine Ente ist - eigentlich davon hier nichts berichtet wird.
Auch frage ich mich, wieviele der Kritiker eigentlich bereit sind, sich selbst zum Schutz von anderen in solche Situationen zu begeben. Ein bißchen mehr Anstand und Augenmaß wäre vielleicht auch beim Kritisieren nicht schlecht.
Ach Gott ach Gott, jetzt laßt der Polizei doch erst mal 3 Tage Zeit, um sich selber einen Überblick zu verschaffen, was los war und was alles passiert ist, bis sie einen Bericht abgeben muß.
Soweit ich die journalistische Berichterstattung verfolgt habe, haben doch alle Betroffenen sehr besonnen gehandelt - daß das Umschalten von Normal auf Alarm nicht gleich 100% im Gleichschritt mit Pirouette klappt, ist doch nur menschlich, und wäre auch garnicht möglich.
Es hätte doch garnichts gebracht, die anderen Schulen auch noch qua Alarm verrückt zu machen, wie kommt man darauf, dies als Fehler anzuprangern?
Mindestens so schlimm wie kein durchführbarer Alarmplan ist hysterischer Alarmismus, der die Leute dann erst recht Leute zum Durchdrehen bringt.
Meldungen sind Alles! Das scheint das Motto zu sein von den Verantwortlichen. Unter Druck ist man anscheinend auch bereit, nicht hundertprozentig erwiesene Tatsachen zu verlautbaren. Es ist wohl auch die schiere Lust , ja die Gier der Medien, nach immer neueren Informationen zu suchen, egal ob sie echt sind oder nicht. Ob gewisse Blätter bzw. Websites, solche Informationen sogar selbst geschrieben haben, sollte man im Raum stehen lassen. Dennoch, es bleibt eine ungeheure Tat eines Jugendlichen, der soviele Menschen in den Abgrund mitgerissen hat. Anhand dieser Tat sollten sich die Medien bemühen den Menschen korrekte Meldungen zu liefern die vielleicht anregen, jene Tat und ihre Auswirkungen zu begreifen. Das man das nie vollkommen begreifen wird, sollte klar sein.
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