Da staunt der ChefZum Urlaub gezwungen

Kann der Chef freie Tage anordnen, wenn es an Arbeit fehlt? Er kann, jedoch nach klaren arbeitsrechtlichen Regeln, erklärt Kolumnist Ulf Weigelt von 

Mein Chef hat gegenwärtig wenig, manchmal auch gar keine Arbeit für mich. Muss ich jetzt meinen Urlaub einsetzen, um auf meine Stunden zu kommen oder muss er mich trotzdem bezahlen?

fragt ein ZEIT-ONLINE-Nutzer

Lieber Leser,

Wenn der Chef seinen Mitarbeitern keine Arbeit mehr zuweisen kann, wird er zunächst versuchen, flexibel zu reagieren. In der Praxis nutzen die Firmen verschiedene arbeitsrechtliche Mittel.

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In vielen Fällen gewähren oder ordnen sie zunächst Urlaub an und das Abbummeln von Überstunden. So sinken das Freizeitguthaben und die offenen Urlaubsansprüche der Mitarbeiter, die dann, sobald sich die Lage wieder bessert, komplett und dauerhaft wieder eingesetzt werden können. Unter Umständen kann der Betrieb auf diese Weise Lohnzusatzkosten wie Nachtarbeitszuschläge einsparen.

Einige Arbeitszeitmodelle lassen es auch zu, dass Arbeitnehmer in auslastungsschwachen Phasen von sich aus ihr Zeitguthaben aufbrauchen. Die Unternehmen können zudem einseitig verlangen, dass Überstunden abgebaut werden.

Nicht ganz so einfach ist es, wenn der Chef die Belegschaft in den Urlaub schicken will. Mitunter haben die Mitarbeiter ihre freien Tage schon aufgebraucht oder verplant.

Ein "Zwangsurlaub" kommt nur zum Jahresende in Betracht, weil der Urlaub im laufenden Kalenderjahr zu nehmen ist. Der Arbeitgeber kann seine Mitarbeiter dann zwingen, die Tage frei zu machen - sofern Mitarbeiter noch Anspruch auf Urlaubstage haben und keine dringenden betrieblichen oder persönlichen Gründe für eine Übertragung dieser Ansprüche ins folgende Jahr vorliegen.

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  • Schlagworte Ulf Weigelt | Absatz | Arbeit | Arbeitgeber | Arbeitnehmer | Arbeitsrecht
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