Leipziger Buchmesse Die Krise stand in Halle 3
Nicht die Wirtschaftskrise war das große Thema der Messe, sondern das E-Book und die Urheberrechte. Die Tage in Leipzig im Schnelldurchlauf.

© Leipziger Buchmesse
In diesem Jahr verzeichnete die Buchmesse in Leipzig einen Besucherrekord. Trotz Krise
Da waren die schlechten Nachrichten. Kein Stand der Frankfurter Verlagsanstalt, Zeitungen reduzieren ihre Repräsentanzen auf der Messe, und auch die Rowohlt-Party fällt flach. Manchen deuchte: Die Krise hat die Buchbranche erreicht. Andere Journalisten fragten lieber nach der allgemeinen Befindlichkeit, direkt an den Verlagsständen. Ein allenthalben taktvolles Flüstern, denn das Geraune von einer anderen Krise war lauter, es dröhnte hinab vom gläsernen Messedach. Das E-Book kommt jetzt, wirklich – genau genommen ist es schon da, mitten unter uns.
In Halle 3 stand sie, die Projektionsfläche bibliophiler Untergangsfantasien, ein silbernes flaches Kästchen, das auf den Namen Sony PSR-505 hört. Der Andrang: mittel. Die Begeisterung: mäßig. Ein paar Zukunftswütige folgten der einstündigen Präsentation, durften hernach auf den schmalen, fummelig geratenen Knöpfchen herumdrücken, bis der Text auf den Bildschirm schwappte. Währenddessen suchte das Standpersonal nach Argumenten: "Sie können so 150 Bücher mit in den Urlaub nehmen." Vielleicht sollte die Zukunft doch mehr können als das 250 Euro teure Gerät, das bereits vor seinem Erscheinen mit Ufftata von Buchhändlern wie Thalia und Libri beworben worden war.
Und so ernüchternd der Reader dann anmutete, umso erstaunlicher waren die sprachlichen Mittel, mit denen manche Branchenvertreter den Phantomschmerzen vorbeugen wollten, die das vermeintlich schwindende gedruckte Buch bald hinterlassen könnte. Die zahlreichen Informationsveranstaltungen zum E-Book glichen in ihrer Rhetorik oft Deeskalationsrunden, die den Eindruck machten, als würde der Markt von einer feindlichen Macht erobert, die unsere schöne Kulturtechnik des Lesens künftighin für sich beanspruche.
In diesen und gefühlt bei jeder anderen offiziellen Gelegenheit warnte man vor "Kulturmüll", dem wuchernden "technischen Fortschritt" und "Raubkopien". Allerdings müsse man der neuen Technik eine Chance geben. Selbstverständlich mit Vorsicht. Die Branche und die Politik seien gefordert, auf die nun drängenden Fragen zum Urheberrecht gemeinsam Antworten zu finden. Und die alarmierten Zuhörer nickten, manche ein bisschen angewidert. Auch wenn man zum Abschluss nimmermüde wurde zu sagen: Das gedruckte Buch ist nicht zu ersetzen.
- Datum 16.03.2009 - 11:25 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Menschen sind keine Automaten, denen es um eine schnelle vollständige Datenübertragung von einem Lesemedium ins eigene Denkzentrum geht. Menschen wollen nicht nur ein Leseerlebnis, sondern auch eine stimmige Atmosphäre rundherum. Dies sollten eigentlich Grundkenntnisse über die emotionale Befindlichkeit dieser Spezies sein. Wenn es nur um Funktionelles ginge, könnte man sich alle Kunst und alles Design sparen und die Automobile führen schmucklos wie kleine Fortbewegungsfabriken durch die Gegend. Das e-Book macht dem herkömmlichen Buch noch kaum Konkurrenz, weil es irgendwie nach Bildschirmarbeit, was tatsächlich Arbeit ist, aussieht. Das e-Book und die gespeicherten Dokumente müssten einem sehr hohen künstlerischen Standard genügen, wenn sie Akzeptanz erlangen wollten.
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