Bund der Vertriebenen Ein Verband kämpft ums Überleben

Die Kanzlerin trifft die Vertriebenen, weil sie auf deren Stimmen hofft. Das hat in der CDU Tradition. Aber - sechzig Jahre nach dem Krieg - wenig Zukunft

Noch heute begrüßen sie einander als "Schicksalsgefährten". Manche von ihnen fordern einen "gewaltlosen, aber entschiedenen Revisionismus". Die organisierten Heimatvertriebenen in Deutschland gebrauchen Vokabeln und beschäftigen sich mit Themen, die außerhalb dieser Gruppe kaum mehr anzutreffen sind. Das stellt man schon nach einem raschen Besuch auf ihrer Homepage fest.

Aber so archaisch der Vertriebenenverbund im Internetzeitalter auch wirken mag, zumindest für die Union ist er bis zum heutigen Tag eine wichtige politische Größe. Auf jedem CDU-Parteitag wird dem Vertriebenenvertreter mit besonderen Grußworten geschmeichelt. Auch im Jahr 2009 wird sich kaum ein prominenter Christdemokrat finden, der sich dem verweigert.

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Das geschieht aus Tradition, aber auch aus Kalkül. Denn Vertrieben sind auch Wähler. In der Vergangenheit haben sie stramm schwarz gewählt. Allerdings ist es eine ständig kleiner werdende Gruppe. Mehr als 60 Jahre liegt der Zweite Weltkrieg, der Auslöser der größten Vertreibungswelle in der deutschen Geschichte, immerhin schon zurück. Da stellt sich die Frage: Wie viele Vertriebene gibt es überhaupt noch in der Bundesrepublik?

Die Frau vom Statistischen Bundesamt atmet schwer, als sie die Frage hört. Kaum etwas sei schwerer zu beantworten. Zwei Stunden später ruft ihr Kollege zurück. Seine Schätzung: Von den ursprünglich zwölf Millionen Vertriebenen nach dem Krieg  dürften noch 1,84 Millionen Menschen leben. Kaum einer dürfte jünger als 70 Jahre alt sein.

Ist es nicht zu erwarten, dass der Bund der Heimatvertriebenen, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg als Interessenvertretung aller Vertriebenen gründete, bald ganz von allein ausstirbt? Schwer zu sagen: Der Bund selbst beziffert seine Mitgliedszahl seit Jahrzehnten stabil auf knapp zwei Millionen. Genauere Statistiken dazu gibt es nicht: Eine öffentliche Überprüfung oder Offenlegung findet bis heute nicht statt.

Nicht ausgeschlossen, dass die hohe Zahl tatsächlich stimmt, da auch Kinder und Enkel in den Bund aufgenommen werden dürfen. Auch Spätaussiedler aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion dürfen beitreten.

Leser-Kommentare
  1. der Zentralrat der Juden kennt ja auch nur ein Thema, obwohl es niemand miterlebt hat

    • Prach
    • 17.03.2009 um 20:33 Uhr

    ... daß es tatsächlich Leute gibt, die nicht sofort damit einverstanden sind, daß Ihnen einfach mal so alles weggenommen wurde, obwohl sie eigentlich überhaupt nichts schlimmes angestellt haben (ich denke da an meinen schlesischen Großvater, der noch nicht mal zum Volkssturm eingezogen wurde).

    Und daß dann noch so seltsame Vokabeln wie "Gerechtigkeit" verwendet werden, die sonst eigentlich niemand mehr verwendet, na so was aber auch!

    Schön, daß die "Vertriebenen" aussterben! Wieder ein Problem weniger. Wobei die Migranten aber offensichtlich auch aussterben, oder bleibt man etwa in der dritten Generation in Deutschland weiterhin Berufsmigrant mit Sonderrechten? Natürlich nicht!

    Was mich aber total betroffen macht, ist einfach, daß man hier im Westen so völlig unzureichend das gute Gefühl des Nicht-Revanchismus miterleben durfte. Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, daß man einfach mal Baden und das Rheinland den Franzosen gibt und die dort lebenden Deutschen vertreibt. Mittendrin statt nur dabei!

    Damit hätten noch viel mehr Deutsche das Privileg, "freiwillig" zur Wiedergutmachung und besten Völkerverständigung auf Heimat, Besitz usw. zu verzichten. Und man könnte neue Vertriebenenverbände gründen, die damit auch nicht aussterben. Wie wäre das? Künftig dann auch bitte die neue politisch korrekte Sprachregelung beachten (Charlesrepos-sur-Rhin, Cologne etc.), Schumi ein Franzose usw. (wenn denn schon laut Wikipedia O. Preussler ein "Tscheche" war).

  2. Das Problem der völkerrechtswidrigen Vertreibung stirbt beileibe nicht mit der Erlebnisgeneration, die jetzt auch erst in den 60-igern ist. Heutzutage kein Alter! Ausserdem hat sich ein Grossteil der deutschen Vertriebenen der Europäischen Union der Vertriebenen, mit Sitz in Triest, angeschlossen. Die Organisatoren sind z.T. junge, sehr dynamische Istrier (Italiener). Ausserdem, dieses Verbrechen verjährt nicht.

  3. die hier ihre Artikel zur Diskussion stellen, aber heute fürwahr fällt es mir schwer. Diese permanenten Ehrabschneidungsversuche bei Vertriebenen und deren Nachkommen wären doch bei vorbehaltlosen Richtern zumindest mal die Überprüfung auf den Tatbestand der Volksverhetzung wert, zumal er in Folge erfüllt zu sein scheint, oder?

  4. Würde der Schreiberling mit Tibetern oder Palästinensern auch so aggressiv verfahren? Kein Wunder, dass sich Printmedien rapide ihrem Ende nähern. Vermutlich lange bevor der letzte Vertriebene seien Geist aufgibt!

  5. 6000 Jahre Vertreibung -- das Paradies bleibt unser!
    Es grüßt als Vorsitzender des Bundes der Edendeutschen:
    Abu Zoff

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