Prognose Forscher erwarten mehr als vier Millionen Arbeitslose

Die Krise wird den Arbeitsmarkt härter treffen als gedacht, fürchten nun auch Experten der Bundesagentur für Arbeit - eine Erholung ist nicht in Sicht

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) rechnet damit, dass die Zahl der Arbeitslosen zum Jahresende auf mehr als vier Millionen ansteigt. Das sagte die Konjunkturexpertin des Instituts, Sabine Klinger, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters.  "Ob das bereits zur Bundestagswahl der Fall sein wird, bezweifele ich, weil September und Oktober saisonal bedingt gute Monate sind", sagte Klinger.

Auch im Jahresdurchschnitt werde die Zahl der Arbeitslosen deutlich steigen, teilte das Institut am Donnerstag mit. Im ungünstigsten Fall würden auf das Jahr gerechnet 3,7 Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos sein. Da bereits im Februar rund 3,5 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet waren, bedeutet das, dass die Arbeitslosigkeit zum Ende des Jahres noch einmal drastisch zunehmen wird.

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Damit korrigiert das Institut, das an die Bundesagentur für Arbeit angegliedert ist, seine Prognosen deutlich nach unten. Noch im September hatte das IAB mit einem Rückgang der durchschnittlichen Arbeitslosigkeit im Jahr 2009 auf 3,16 Millionen gerechnet. Als Bedingung für ihre neuerliche Schätzung nannten die Forscher jedoch, dass sich die deutsche Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte erholt. Andernfalls stiege die Arbeitslosenzahl im Mittel auf 3,7 Millionen. Diese ungünstigere Entwicklung sei "aus heutiger Sicht wahrscheinlicher", teilten die Forscher mit.

Allerdings bremsen einige Faktoren weiterhin den Anstieg der Arbeitslosenzahlen. Die strukturelle Arbeitslosigkeit sei gesunken, der Arbeitsmarkt profitiere von der moderaten Lohnentwicklung der vergangenen Jahre, heißt es in der Studie. Zudem drängen aus demografischen Gründen 150.000 Menschen weniger auf den Arbeitsmarkt. Positiv sei auch das Konjunkturprogramm der Bundesregierung, das Beschäftigung erhalten solle.

"Für den Arbeitsmarkt ist keine schnelle Erholung zu erwarten", heißt es in der Studie. Im Fall eines Aufschwungs würden zunächst Möglichkeiten flexibler Arbeitszeit genutzt, Minusstunden aufgeholt und Kurzarbeit zurückgefahren. Strukturreformen der vergangenen Jahre, die Entlastung durch den Bevölkerungsrückgang und Gegenmaßnahmen der Politik ließen aber "hoffen, dass der Arbeitsmarkt weniger Schaden nimmt, als das Ausmaß der Krise hätte erwarten lassen".

 
Leser-Kommentare
  1. Man muss nur alle Menschen, die von Transferleistungen leben und die, die rausgefallen sind mitzählen. Wenn ein Ehepartner langzeitarbeitslos ist und der andere verdient, so fällt der arbeitslose aus der Statistik. Ein-Euro-Jobber ebenfalls. Die reihe lässt sich noch viel weiter führen.

    Die Geschichte der Arbeitslosenstatistik ist eine Geschichte der statistischen Tricks.

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