AmoklaufGrenzenloser Hass

Was trieb Eric Harris und Dylan Klebold, die Attentäter von Littleton, zu ihren Taten? Ein neues Buch gibt einen Einblick in die Gefühlswelt der Columbine-Amokläufer von 

Trauer in Littleton

13 Holzkreuze erinnern in Littleton an die Opfer des Amoklaufes an der Columbine Highschool am 20. April 1999  |  © Kevin Moloney/Getty Images

Der Hass wütet in Eric Harris wie ein Tumor. Wie ein bösartiges Geschwür breitet sich der Zorn in ihm aus und nährt sich von Allmachtsfantasien, Hilflosigkeit und Selbstzweifeln. "Ich hasse die verfickte Welt, zu viele gottverdammte Ficker drin", schrieb Eric Harris am 10. April 1998 in sein Tagebuch, ein Jahr vor seinem Amoklauf.

Fast täglich notiert er seine Wut. Er entwickelt sich zu einem Sozialdarwinisten, verehrt die SS, verachtet Schwarze und Juden, schreibt immer ekelerregendere Gewaltgelüste nieder. Der Tag, an dem er zum Mörder wird, ist der 110. Geburtstag Adolf Hitlers.

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Bis zu diesem 20. April 1999 ist Eric Harris ein Schüler mit ausgezeichneten Noten, der seinen Lehrern jedoch durch ausgeprägte Gewaltfantasien und Aggressivität auffällt. Bis zu jenem Schicksalstag der amerikanischen Kleinstadt Littleton galt er als schwierig, aber nicht als gefährlich.

Wie jeden Morgen fährt Eric Harris am 20. April mit dem Auto zur Columbine Highschool, stellte es auf dem Schülerparkplatz ab und betritt das Gebäude. Doch an diesem Tag kommt er nicht zum Lernen. Eric Harris will die "Lügner" bestrafen, um seinen Hass auszuleben, um zu morden, um Gott zu sein.

Harris und sein Freund und Mittäter Dylan Klebold hassen die Columbine Highschool, an der sie Außenseiter sind. Sie hassen die sportlichen Typen, die Quarterbacks mit den schönen Freundinnen, sie hassen Behinderte, sie hassen ihr Leben – und sie hassen sich selbst.

Eine Chronik dieser wilden Wut hat der deutsche Journalist Joachim Gaertner zusammengetragen. Nahezu unkommentiert reiht er Originaldokumente in kleinen Häppchen aneinander. Sein Buch Ich bin voller Hass – und das liebe ich zeigt die Entwicklung vom frustrierten Jugendlichen zum Attentäter. Es beginnt mit den Notizen der beiden Mörder zu Anfang ihres letzten Schuljahres im August 1998 und endet mit einer Aufnahme der Notrufzentrale vom 20. April 1999: "Er ist in der Bibliothek", flüstert eine Lehrerin. "Er schießt auf jeden. (Schüsse. Schreie. Lachen. Schüsse)."

Leserkommentare
    • Quarax
    • 12. März 2009 17:27 Uhr

    ... und den Kommentar des Amokläufers von Winnenden bedenke "Mal gespflegt grillen" als Umschreibung für einen geplanten Massenmord......könnte es nicht einfach sein, dass diese Typen sprich und einfach A...löcher waren?

    Ich meine, es doch jedem von uns schon passiert, dass wir fest gestellt haben, dass z.B. das Mädel, das wir wollen mehr auf sportlichere Typen steht oder, dass der Job / die Lehrstellle, die wir wollten an jemanden geht, der bessere Noten hat oder sich zumindet besser verkauft.

    Unsereins säuft sich da einen an, geht zum Abreagieren ins Fitness-Studio oder spielt eine Runde Killerspiel. Eine normale Reaktion eben.

    Diese Widerlinge glaubten sich zum Massenmord berechtigt. Da ja alle, die Mädels, das System sooo gemein zu ihnen waren.

    Die Lehre daraus: Das nächste Mal so schnell als möglich stürmen und scharf schiessen Und für "trollige" Äußerungen in Chats über "gepflegtes Grillen" an sich schon ein paar Monate (Jugend)gefängnis.

    [Anmerkung: Bitte tragen Sie zu einer sachlichen und niveauvollen Diskussion bei. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

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    • Creo
    • 12. März 2009 18:29 Uhr

    ..aber das ist schon sehr einfälltig betrachtet! Vielleicht ist es jedem von uns schon mal passiert echt genervt zu sein aber was diese Jungs ´hatten´ erfordert Hilfe durch Dritte und genau an dieser Stelle (am Besten noch bevor die Phantasien über ein normales Frustriert sein hinaus gehen) versagt unsere Gesellschaft! Echte Werte: Fehlanzeige. Die Orientierung fehlt, dass sich zugehörig fühlen und somit Teil des Ganzen zu sein. Wenn sich Jugendliche ausgeschlossen fühlen dann sind schon immer Antisoziale Verhaltensweisen zur Kompensation aufgetreten (vor 30 Jahren: Nachbarskatze grillen oder eben ´nur´ quälen). Heute gibt es eben viele Möglichkeiten (Internet, Foren, Studi VZ, ICQ, etc;) sich darzustellen und das tun eben viele um jemand zu sein.. wenn sie dann aber merken doch niemandem aufzufallen dann gibt es große Diskrepanzen zum eigenen Selbstbild. Der Wunsch jemand zu sein ist glaube ich, ein grosser Antrieb für solche Taten.

    • TDU
    • 12. März 2009 17:54 Uhr

    Würde man die meisten Kommentare zum Thema nehmen, dann weiss man doch über das warum oder nicht?. Vielleicht ist es aber auch nicht so einfach. Und ist das "wie" denn so klar. Sind denn die Worte so zu nehmen, wie gesagt? Könnte denn ein "ich hasse Dich" nicht das Gegenteil bedeuten, beobachtet man über einen Zeitraum. Wie ist es mit enttäuschter Liebe, enttäuschten Träumen, vielleicht Enttäuschung durch viel zu hohe Ansprüche. Und muss immer einer sagen, wie man was zu lesen hat.

    M. E. werden solche Doku Bücher wichtiger, insbesondere wenn jahrelange Erklärungsmuster nicht mehr weiter führen. Oder soll die Alernative sein: Sinngemäß: Nützt alles nichts, Kopf ab?. Dann sind wir nicht so modern und aufgeklärt, wie wir immer meinen, sondern ganz normale Menschen. Und suchen, wie unsere Vorfahren auch, im Unglück immer nach der endgültigen Antwort, nach dem endgültigen Warum?.

    • bbirke
    • 12. März 2009 18:22 Uhr

    Die Legende ist so verbreitet wie das angebliche Glaubenszeugnis der getöteten Columbine-Schülerin Cassie Bernall, und ebenso falsch.

    Eric Harris hatte in seinen Aufzeichnungen mehrfach gegen rassistische Überzeugungen gestänkert, und als Tag für den Anschlag hatten sie ursprünglich den 19. April, Jahrestag des Bombenanschlags von Oklahoma, geplant.

    Es mag sein, dass er zwischenzeitlich eine Faszination des Bösen für das "3.Reich" empfand, vielleicht mit NS-Gestik und -parolen provozierte. Und er hat den getöteten afrikanisch-stämmigen Schüler als "Nigger" tituliert. Sowas wie eine gefestigte rechtsextreme Einstellung hatte er aber nicht, es waren eher ziellose Hass-Äußerungen.

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    • WNYC
    • 20. April 2009 14:20 Uhr

    Und wie kommen Sie zu diesen Weisheiten? Bitte Quellen nennen. Klingt ja sonst fast so wie ein Artikel von Martin Spiewak.

    • Creo
    • 12. März 2009 18:29 Uhr

    ..aber das ist schon sehr einfälltig betrachtet! Vielleicht ist es jedem von uns schon mal passiert echt genervt zu sein aber was diese Jungs ´hatten´ erfordert Hilfe durch Dritte und genau an dieser Stelle (am Besten noch bevor die Phantasien über ein normales Frustriert sein hinaus gehen) versagt unsere Gesellschaft! Echte Werte: Fehlanzeige. Die Orientierung fehlt, dass sich zugehörig fühlen und somit Teil des Ganzen zu sein. Wenn sich Jugendliche ausgeschlossen fühlen dann sind schon immer Antisoziale Verhaltensweisen zur Kompensation aufgetreten (vor 30 Jahren: Nachbarskatze grillen oder eben ´nur´ quälen). Heute gibt es eben viele Möglichkeiten (Internet, Foren, Studi VZ, ICQ, etc;) sich darzustellen und das tun eben viele um jemand zu sein.. wenn sie dann aber merken doch niemandem aufzufallen dann gibt es große Diskrepanzen zum eigenen Selbstbild. Der Wunsch jemand zu sein ist glaube ich, ein grosser Antrieb für solche Taten.

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    nachbarskatze quälen is ja nun auch fast so schlimm, wie als "frau koma" auftreten... also leute mit "echten werten" quälen auch keine katzen, selbst wenns die vom doofen nachbarn is :)

  1. nachbarskatze quälen is ja nun auch fast so schlimm, wie als "frau koma" auftreten... also leute mit "echten werten" quälen auch keine katzen, selbst wenns die vom doofen nachbarn is :)

    Antwort auf "Sorry.."
    • WNYC
    • 20. April 2009 14:20 Uhr

    Und wie kommen Sie zu diesen Weisheiten? Bitte Quellen nennen. Klingt ja sonst fast so wie ein Artikel von Martin Spiewak.

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  • Schlagworte Adolf Hitler | Amoklauf | Behinderte | Eichborn Verlag | Lehrer | Schuljahr
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