Computerspiele
Die Sucht der Stubenhocker
Sechs bis sieben Stunden verbringen 15-Jährige am Tag vor Bildschirmen – anderthalb Stunden davon mit Computerspielen. Da bleibt kaum noch Zeit für das "echte" Leben

© Sebastian Willnow/ ddp
Auf der Computerspielmesse Games Convention spielen Jugendliche das beliebteste PC-Spiel "World of Warcraft". Macht es süchtig?
Es scheint so gut zu passen: Kaum ist die Diskussion um die Ursachen jugendlicher Amok-Taten neu entbrannt, erscheint eine Studie, die sich bestens ins Schema F eines Täterprofils fügen könnte. 44.610 deutsche Neuntklässler haben die Autoren vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) befragt. Ein Drittel, immerhin noch 15.168 Jugendliche, füllte darüber hinaus einen Sonderfragebogen zum Thema "Internetnutzung und Computerabhängigkeit aus. Das Thema ist derzeit allgegenwärtig: Wieviel Raum nehmen Computerspiele im Leben von Kindern und Jugendlichen ein?
Doch Vorsicht, eines sei von Anfang an klargestellt: In dieser Studie geht es nicht um den Zusammenhang von Gewalt und Computerspielen , sondern ausschließlich um "Computerspielabhängigkeit im Kinder- und Jugendalter". Darüber, warum junge Menschen zu Gewalttätern werden – und im Extremfall wie der 17-jährige Tim K. aus Winnenden Amok laufen – sagen die am Montag vorgestellten Forschungsergebnisse nichts aus.
Dennoch sind die Zahlen der bislang größten deutschen Erhebung zum Computerspiel-Verhalten von Jugendlichen alarmierend. Und zwar gerade deshalb, weil hierbei keine extremen Einzeltäter im Fokus stehen, sondern die Durchschnittsjugend von heute. Die Psychologen Florian Rehbein und Matthias Kleimann sowie der Medienwissenschaftler Thomas Mößle haben Schüler danach befragt, wie oft, wie lange und was sie am Computer spielen.
Das Ergebnis: 15-jährige Jungen spielen im Durchschnitt knapp 2,5 Stunden täglich am Computer, mit der Spielkonsole oder mit mobilen Geräten. 78 Prozent haben einen eigenen Computer im Zimmer. Mädchen bringen es auf fast eine Stunde am Tag – von ihnen besitzen 61,2 Prozent einen Rechner.
Die Wissenschaftler sind überzeugt: Drei Prozent der männlichen Neuntklässler sind tatsächlich abhängig von Computerspielen. Unter den Mädchen verfallen lediglich 0,3 Prozent der Sucht. Hochgerechnet auf ganz Deutschland sind das 14.300 Computersüchtige. Wer meint, dass eine solche Abhängigkeit nicht weiter dramatisch ist, der irrt nach Ansicht der Autoren der Studie gewaltig. Computerspiele seien vom Suchtpotenzial vergleichbar mit Alkohol, Drogen oder dem Glücksspiel. Maßgeblich für den Charakter der Abhängigkeit sei, dass die Betroffenen die Kontrolle über ihr Verhalten verlieren. Sie können selbst dann nicht aufhören, wenn sie erkennen, dass ihnen das Spielen schadet: Freunde werden vernachlässigt, in der Schule kommen sie nicht mehr mit oder es fehlt ihnen die Zeit für anderes.
- Datum 13.5.2009 - 11:30 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, 16.3.2009 - 19:43 Uhr
- Kommentare 21
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Es bleibt kaum noch Zeit für das echte Leben? - Wie sieht denn das echte Leben schon aus? Das wird keinem in der Schule beigebracht, sondern eigentlich familiär weitergegeben. Doch das passiert nur sehr eingeschränkt. Denn die Eltern verbringen doch den größten Teil der Zeit mit Arbeit und Haushaltsführung. Wie sollen sie dann echtes Leben vorleben? Richtig echtes Leben besteht aus Abenteuer, Sport und Abwechslung, also natürlichen menschlichen Bedürfnissen. All das bietet der öde Alltag unserer überzivilisierten Leistungsgesellschaft doch kaum noch, stattdessen sind stundenlanges Stillsitzen und Regeln-Einhalten nötig. Durchaus verständlich, dass die Kinder und Teenager sich mit PC-Spielen und anderer Unterhaltungselektronik in Parallelwelten flüchten, um dort frei zu sein.
Das echte Leben kann man in aller Welt studieren. Sao Paulo ist so ein Pflaster.
Wir können die Kinder wie Kleine Erwachsene behandeln, die schon sehr früh in Leben und Arbeiten eingebunden sind. Wir können Kinder aber auch sehr, sehr lange im Turm der Jugend lassen, wo sie sich selbst überlassen sind. Einen goldenen Mittelweg gibt es in Deutschland noch? Auf dem Lande ? Auf den Bauernhöfen ?
Eines ist klar. Jugend war immer schon ein schwer erträglicher Zustand. Die Zeit bis zur "Eingliederung / echten Volljährigkeit" in Gesellschaft verging und vergeht sehr, sehr langsam. In der Zwischenzeit stürzen eine Menge Kinder und Jugendliche ab. Das war so, das ist so und das bleibt auch so, weil es eine kindgerechte Gesellschaft wohl nie gegeben hat und auch nicht gibt. Ich denke dabei besonders an Charles Dickens.
Wer durch die Mühle von Kindheit & Jugend durch ist, "steht seinen Mann, seine Frau" oder ist für das Leben gezeichnet. Der Unterschied zur Zeit von Dickens ist vielleicht der, dass es in neuerer Zeit auf einen immerer größeren Teil der Jugendlichen zutrifft.
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Die Aufklärung darf kein leerer Wahn werden in einer Zeit der Anmaßungen.
Vorneweg: Ich schulde es meiner intellektuellen Ehrlichkeit, anzumerken, dass ich im Begriff bin, ein eindeutiges ad hominem Argument vorzulegen. Außerdem wird dieser Beitrag wohl voll von Polemik sein. Der geneigte Leser sei also gewarnt.
Es verwundert nicht, dass das KFN, geleitet von Herrn Dr. Christian Pfeiffer, unter anderem bekannt für seine Tätigkeit als Justizminister des Landes Niedersachsen und Unterstützung völlig unbewiesener, aus der Luft gegriffener, manche würden sagen "crackpot", Verschwörungstheorien, in diesen Tagen seinen hässlichen Kopf erhebt. Seit Jahren versucht das KFN, mittels allenthalben bestenfalls herablassend belächelten Studien, PC-Spielen in fanatischem Missionierungsbedürfnis offenbar alles Mögliche, von Schläfrigkeit in der Schule bis zum Vietnamkrieg, anzulasten. Ja, dass Computerspiele dazu führen, dass man bei übermäßigem Genuss irgendwann unkonzentriert wird, hätte ich Herrn Peiffer auch schon früher sagen können. Auch, dass junge Menschen (insbesondere Jungen) wohl lieber vor dem Rechner sitzen, als Hausarbeiten zu machen, hätte ich Herrn Pfeiffer aus eigener Erfahrung sagen können. Abgesehen davon, dass Herr Pfeiffer mit seiner obrigkeitsstaatlichen Herumfantasterei m. M. nach unzulässig in die Selbstbestimmungsrechte der Jugendlichen und die Erziehungrechte derer Eltern einzugreifen versucht, führt er das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen mit einer Studie über die Menge der konsumierten Videospiele von desser Auftrag ab. An dieser Stelle könnte ich sachlich darüber diskutieren, dass die Behauptung, Videospiele führten zu gewalttätigem Verhalten, unfundiert ist und Herr Pfeiffer der Blick für das Wesentliche abhanden gekommen ist, dies würde aber den schönen ad hominem Charakter dieses Kommentars stören.
Des Weiteren ist einer der Effekte, die Herr Pfeiffer durch sein Handeln erzeugt, der, dass er, so wie auch andere Personen des öffentlichen Lebens, Leute wie mich dazu bringt, ihre teure Freizeit zu opfern, um im Internet gegen irgendwelchen irren Schwachsinn zu argumentieren (Mit "irrer Schwachsinn" ist nicht explizit Herrn Pfeiffers Meinung gemeint.) Leider habe ich die Wahrheit nicht gepachtet, sonst könnte ich Herrn Pfeiffer (wie auch Anderen) die Richtigstellung solcher Eskapaden in Rechnung stellen.
Anmerkung: Die obigen Passagen sind als Werteurteil, nicht als Beleidigung an Herrn Pfeiffer per se zu verstehen. Des Weiteren habe ich ein gerütteltes Maß an Übersteigerung wirken lassen.
P.S.: Ich habe zwar in meiner "Jugend" viele Videospiele, darunter allerdings nur wenige "Ballerspiele", gespielt, habe aber inzwischen kaum mehr Zeit dafür. Ich kann mich aber erinnern, an Videospielen viel Spass gehabt zu haben und kann eine gewalttätige Neigung wahrlich nicht an mir feststellen. Anderen Jugendlichen denselben Spass wie mir selbst zu untersagen, halte ich für einen Angriff auf das Selbstbestimmungsrechtn und die Würde des Menschen und würde mir nie in den Sinn kommen.
von Frau Lüdemann sagen?
Ich kann ihnen nur voll und ganz zustimmen.
Herr Pfeiffer ruft auch bei diversen seiner Kollegen (ich sag nur Köln) SEHR gemischte Gefühle hervor.
Ganz schlicht und einfach -
Danke für diesen Kommentar. Das KFN und Hr. Pfeiffer sind schon geradezu besessen davon, Videospielern alles Übel der Welt an den Hals zu dichten. Die Art und Weise erinnert an das Vorgehen im Zusammenhang mit dem Rock/ Roll. Der war auch für alles was damals an "Schlimmen" geschah verantwortlich.
Die Studie sagt nur eins. Kinder benutzen heute andere Medien als frühere Generationen in ihrer Jugend.
Das Computerspiel Suchtpotenzial haben kann, ist glaube ich kaum ernsthaft bestritten. Das hat Fernsehgucken, Kneipe gehen und Alkohol trinken aber auch.
Trotzdem fordert keiner die Prohibition II. Die verminderung von Gewalttaten und Toten in Verbindung mit Alkohol, durch eine veränderten Umgang mit dieser Droge, wäre im Gegensatz zu dem Schwachfug des KFN wissenschaftlich recht gut belegt.
Hier scheinen noch ganz andere Sachen eine Rolle zu spielen, als nur der Wunsch Schaden zu vermeiden. Hier scheint es auch nicht unerheblich um das Unverständnis der Älteren zu den Jüngeren zu gehen.
Gruß Runan
von Frau Lüdemann sagen?
Ich hatte in der Überschrift angemerkt, dass ich ein ad hominem an Herrn Pfeiffer richtete. Indirekt habe ich damit die Studie des KFN angegriffen.
Ich hatte in der Überschrift angemerkt, dass ich ein ad hominem an Herrn Pfeiffer richtete. Indirekt habe ich damit die Studie des KFN angegriffen.
Vielleicht lesen Sie den Artikel noch einmal, ohne dabei an Herrn Pfeiffer zu denken.
Vielleicht lesen Sie den Artikel noch einmal, ohne dabei an Herrn Pfeiffer zu denken.
Herrn Pfeiffers Einfluss auf die gegebene Studie ist essenziell bei der Beurteilung derselben. Alleine die Tatsache, dass Herr Pfeiffer bereits ähnliche Dinge behauptete, BEVOR entsprechende Studien überhaupt vorlagen, diskreditiert die gesamte Arbeit des KFN, sofern unabhängige Studien nicht Ähnliches behaupten. Solche Vorgriffe legen die Vermutung nahe, dass bei der Erstellung dieser Studie nicht wissenschaftlich vorgegangen wurde und dass das gewünschte Ergebnis der Studie von vorne herein fest stand. Ich möchte nicht bestreiten, dass PC-Spiele möglicherweise ein gewisses Suchtpotential besitzen, nur ist dies erstens kein Grund, diese zu verbieten und zweitens genügt m. M. nach eine Studie, die unter Mitwirkung Herrn Dr. Pfeiffers erstellt wurde aufgrund einer (von mir vermuteten) Voreingenommenheit seinerseits nicht als Anhaltspunkt.
Herrn Pfeiffers Einfluss auf die gegebene Studie ist essenziell bei der Beurteilung derselben. Alleine die Tatsache, dass Herr Pfeiffer bereits ähnliche Dinge behauptete, BEVOR entsprechende Studien überhaupt vorlagen, diskreditiert die gesamte Arbeit des KFN, sofern unabhängige Studien nicht Ähnliches behaupten. Solche Vorgriffe legen die Vermutung nahe, dass bei der Erstellung dieser Studie nicht wissenschaftlich vorgegangen wurde und dass das gewünschte Ergebnis der Studie von vorne herein fest stand. Ich möchte nicht bestreiten, dass PC-Spiele möglicherweise ein gewisses Suchtpotential besitzen, nur ist dies erstens kein Grund, diese zu verbieten und zweitens genügt m. M. nach eine Studie, die unter Mitwirkung Herrn Dr. Pfeiffers erstellt wurde aufgrund einer (von mir vermuteten) Voreingenommenheit seinerseits nicht als Anhaltspunkt.
daß Ihre Ausführungen auch nicht gerade vorurteilsfrei erscheinen!
Und mit dem Vorwurf der mangelnden Wissenschaftlichkeit ohne irgendwelche Belege wäre ich doch etwas vorsichtiger.
Sollte dem so sein, wird man aus dem Kollegenkreis von Professor Pfeiffer sicher dazu etwas hören.
daß Ihre Ausführungen auch nicht gerade vorurteilsfrei erscheinen!
Und mit dem Vorwurf der mangelnden Wissenschaftlichkeit ohne irgendwelche Belege wäre ich doch etwas vorsichtiger.
Sollte dem so sein, wird man aus dem Kollegenkreis von Professor Pfeiffer sicher dazu etwas hören.
Herr Pfeiffer hat sich halt zu oft selbst nicht an die wissenschaftlichen Grundregeln gehalten, die meisten Computernerds (so wie ich) wissen das.
Ich kann allerdings nicht erkennen, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse dieses Artikels in irgend einer Weise von Vorurteilen behaftet sind. Es wird ja auch explizit darauf hingewiesen, dass es sich bei den Untersuchungen "nur" um die Gefahren einer möglichen Spielesucht handelt.
Meine persönlich Meinung, ja, Spiele können süchtig machen. Ich bin von den Ergebnissen der Studie nicht wirklich überrascht. Sie geben in etwa das wieder, was ich in meinem verwandschaftlichen und bekanntschaftlichen Umkreis wahrnehme. Was mir aber immer wieder auffällt, ist die negative Einstellung vieler Fauen zum Thema Spiele und die ihre Verwunderung über die ungleiche Verteilung der Interessenlage zwischen männlich/weiblich. Ich kann darin nichts ungewöhnliches sehen. Früher haben die Männer Briefmarken gesammelt und Modeleisenbahnen gebaut, heute zocken sie.
Der Artikel zeigt aber auch, wie wenig Eltern sich um die Interessen ihrer Kinder kümmern. Wenn Zwölfjährige (oder sogar Jüngere) Spiele ab 16 Jahre spielen, dann haben die Eltern ihre Sorgfaltspflicht verletzt.
Ich kann ihnen nur voll und ganz zustimmen.
Herr Pfeiffer ruft auch bei diversen seiner Kollegen (ich sag nur Köln) SEHR gemischte Gefühle hervor.
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