Familie zu Guttenberg Was Joseph Haydn mit der Klimaerwärmung zu tun hat
Enoch zu Guttenberg ist Dirigent, Naturschützer und der Vater unseres Wirtschaftsministers. Unser Autor hat ihn auf seinem Anwesen besucht
Der Baron ist noch nicht eingetroffen. Seine Hausdame öffnet die Tür des Guttenbergschen Zweitwohnsitzes, eines alten Bauernhauses in Neubeuern bei Rosenheim. Eine geschmackvolle Sitzgruppe, ein Klavier, viele alte Bücher in barock anmutenden Regalen, opulente Gestecke aus Seidenblumen, Ölgemälde an den Wänden – der gewölbte Raum war mal ein Kuhstall. Überall stehen Familienfotos in Silberrahmen: der Baron zusammen mit seinen Söhnen auf der Gamsjagd. Der ältere Sohn aus erster Ehe, Karl-Theodor, seit Kurzem Bundeswirtschaftsminister, in jungen Jahren beim Reiten. Der zweite Sohn Phillipp im Kilt zusammen mit seiner Frau, einer MacDonald – schottischer Hochadel. Etwas atemlos kommt der Hausherr plötzlich zur Tür herein: "Fangen Sie an. Stellen Sie ihre Fragen!"
ZEIT ONLINE: Sind Sie genervt von dem Medienrummel, Herr zu Guttenberg?
Enoch zu Guttenberg: Ich bin medienmüde. Seit mein Sohn zum Minister berufen wurde, sind bei uns in Guttenberg sicher 30 Filmteams gewesen, hinter jedem Baum steckte ein Journalist.
ZEIT ONLINE: Sie sind doch sicher stolz auf Ihren Sohn. Schließlich ist er mit seinen 37 Jahren der jüngste Bundeswirtschaftsminister, den das Land je hatte.
Guttenberg: Natürlich freue ich mich wahnsinnig über seinen gradlinigen Weg und seine Bereitschaft, in diesen Zeiten schwere Verantwortung zu übernehmen. Und ich freue mich, dass man ihm hierfür das nötige Vertrauen schenkt.
ZEIT ONLINE: Ihr Sohn ist musikalisch auch sehr begabt, spielt hervorragend Klavier. Er hätte Musiker werden können, ging aber in die Politik. Bei Ihnen war es umgekehrt.
Guttenberg: Mein Vater wollte unbedingt, dass ich Politiker werde. Ich habe mich dann aber für die Musik entschieden. Ein homo politicus bin ich geblieben. Das liegt bei uns im Blut.
ZEIT ONLINE: Sie sind berühmt-berüchtigt, weil Sie hin und wieder vor Konzerten politische Ansprachen halten. Meist geht es darin um Fragen des Umweltschutzes.
Guttenberg: Natur und Ökologie beschäftigen mich seit meiner Kindheit. Damals in den fünfziger Jahren besaßen wir noch das Weingut Reichsrat von Buhl in Deidesheim in der Pfalz. Von einem Tag auf den anderen wurden die schönen belgischen Ackerpferde einen Kopf kürzer gemacht. Dann ruinierte die Flurbereinigung die alten römischen Weinbergsmauern. Und in Oberfranken haben sie die schönen Täler des Frankenwaldes mit Straßen zubetoniert. Das kann nicht gut sein, habe ich mir gesagt. Das sind Verbrechen, für die wir einmal furchtbar zahlen müssen. Heute schon überschreiten die Rechnungen alles Vorstellbare.
ZEIT ONLINE: Was hat eigentlich Joseph Haydns Oratorium Die Jahreszeiten mit der Klimaerwärmung zu tun?
Guttenberg: Haydn erzählt darin von der Jahrtausende alten Symbiose zwischen Mensch und Natur, wie ich sie als Kind noch ansatzweise gesehen habe. Ich weiß, dass Haydn bei seinen Besuchen in England die ersten Schritte der Industrialisierung miterlebt hat. Gut möglich, dass er sich dachte, er sei einer der Letzten, die noch sehen könnten, wie diese Symbiose funktioniert. Wenn ich das Werk dirigiere, bekomme ich jedes Mal großes Heimweh nach einer verlorenen Zeit.
ZEIT ONLINE: Eine Flucht ins untergegangene Arkadien?
Guttenberg: Im Gegenteil! Wenn Sie die Jahreszeiten so sehen, wie ich, ist das keine Flucht, sondern eine Anklage. Gegen das, was wir mit dem Planeten Erde treiben. Dass wir aufhören müssen, weiter an dem Ast zu sägen, auf dem wir sitzen. Das drängendste Problem ist für mich die Klimakatastrophe. Leider habe ich persönlich keine Hoffnung mehr, dass uns hier ein Umschwenken gelingt.
ZEIT ONLINE: Aber sie werden nicht müde, die Menschen überzeugen zu wollen. Ihre diesjährigen Herrenchiemsee-Festspiele stehen ja auch ganz im Zeichen der Umweltzerstörung und der drohenden Klimakatastrophe.
Guttenberg: Ich will mir, wenn ich mal in die Grube fahre, sagen können, wenigstens alles versucht zu haben.
ZEIT ONLINE: Wie denkt der neue Bundeswirtschaftsminister über die apokalyptischen Anwandlungen seines Vaters?
Guttenberg: In der Analyse, glaube ich, gibt er mir Recht. Im Gegensatz zu mir ist er aber ein hoffnungsfroher Mensch, der glaubt, dass es an seiner Generation liegt, die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.
ZEIT ONLINE: Wird er den Dauerkonflikt zwischen Ökonomie und Ökologie beenden?
Guttenberg: Ich nehme stark an, dass er da etwas auf der Agenda hat. Ich glaube, wir können auf diesem Gebiet einiges von ihm erwarten.
ZEIT ONLINE: Welches Verhältnis zur Macht hat Ihr Sohn?
Guttenberg: Dass er seinen neuen Job nicht ausfüllt, um der Macht willen, dafür lege ich meine Hand ins Feuer. Er ist unglaublich demütig, wenn ihm auch oft das Gegenteil angedichtet wird, weil er nun mal gut angezogen ist und gute Manieren hat.
ZEIT ONLINE: Warum sind Sie eigentlich wieder in die CSU eingetreten?
Guttenberg: Karl-Theodor hat mich dazu überredet. Die Umweltpolitik der CSU halte ich aber nach wie vor für falsch. Die Partei gehört dringend entbetoniert. Das geht am besten, wenn man dazu gehört.
ZEIT ONLINE: Wenn man Sie am Dirigentenpult sieht, sind Sie immer so engagiert, dass man zuweilen um Ihre Gesundheit fürchtet.
Guttenberg: (lacht) Ich kann nicht lau sein. Musik ist für mich immer auch Träger einer Botschaft. Schauen Sie sich Verdis Requiem an. Viele sagen, das sei Verdis beste Oper. Ich sehe da etwas ganz anderes, nämlich die Auseinandersetzung eines Atheisten, eines Revolutionärs und Garibaldianers, mit seinen alten Glaubenswurzeln. Ein gewaltiger Kampf. Wenn ich das nur als interessantes, schönes Kunstwerk hinstelle, mache ich etwas falsch.
ZEIT ONLINE: Ihre Interpretationen sind keine leichte Kost.
Guttenberg: Schauen Sie, der hochgepriesene Karajan machte etwas sehr Gefährliches. Er hat, zumindest in seinen späteren Jahren, die Musik geglättet und zu einem international marktgängigen Produkt gemacht. Aber Musik ist kein Konsumgut. Wir dürfen Musik ebenso wenig verbrauchen, wie wir unsere Erde verbrauchen.
ZEIT ONLINE: Warum reizen Sie weniger die großen Starorchester als ein Außenseiter-Ensemble wie die KlangVerwaltung?
Guttenberg: Mit der KlangVerwaltung habe ich ein Orchester, dass zu 100 Prozent umsetzt, was ich will. Die machen das, weil sie selbst von unserer gemeinsamen musikalischen Sprache überzeugt sind.
ZEIT ONLINE: Wie stehen Sie zum Originalklang?
Guttenberg: Ich verehre Pioniere wie Nikolaus Harnoncourt, der ganz vielen Kollegen und auch mir die Türen aufgemacht hat. Allerdings ist das Wissen um die historische Aufführungspraxis nur eine Seite. Ich will Musik nicht museal, sondern auch emotional heiß machen, wie das etwa der große Leonard Bernstein konnte. Ich will, dass die Leute nach meinem Konzert an der Garderobe ihre Hüte verwechseln.
- Datum 20.03.2009 - 10:45 Uhr
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Der letzte Satz Ihres Interviews gefällt mir unheimlich gut. Wir müssten viel öfter von etwas so ergriffen sein, dass wir vollkommen durcheinanderkommen und wieder bei und selber landen.
Es ist erstaunlich, wie monarchistisch-untertänig eine Zeitung wie die ZEIT, die man doch (oder nur irrtümlich?) für eher republikanisch gesinnt halten würde, daherkommt, wenn sie Abkömmlingen des früheren Adels begegnet. Der Herr v.+z. G. mag ein hochkultivierter Mensch sein, schön dass es auch solche in der CSU gibt, ihm in der gebückten Haltung zu begegnen, die der Artikel ausstrahlt, ist unangemessen. In einer Republik gibt es keinen aristokratischen Stand, dessen sollten Sie sich bewusst sein und dies auch ausdrücken. Für einen republikanisch gesinnten Menschen ist die Tatsache, dass althergebrachte ständische Unterschiede über Generationen hinweg vererbt werden, Symptom eines Mißstands. Nämlich dessen, dass die gestalterische Teilnahme an der politischen Zivilisation nachwievor nur von wenigen wahrgenommen wird.
Zum einen ist es bloß ein Zeit-Online-Interview, das sollten Sie nicht überschätzen, die Auswahl und Redaktion ist eine andere.
Zum anderen hielt ich gestern seit langem die NZZ in der Hand - und war erfreut nicht nur über den Mangel an Photos, Bildern, sondern die Flut an Nachrichten und über die Distanz zu Zeitungen wie DIE ZEIT.
DIE ZEIT kommt mir mittlerweile vor wie eine aufgeblasene, biedere Kuh, die nicht so interessante Artikel zulässt wie andere, nicht wie die FAZ, gegen die sich behaupten muss, die ich vor langer-langer Zeit noch mied, noch wie die Zeitung, an der sie sich orientiert, die NY TIMES. Das hat sicher auch strukturelle Gründe, schließlich erscheint sie wöchentlich, das wirkt sich inhaltlich und personell aus. Nicht wenige zeigen deutliche kleinbürgerliche Tendenzen, und das mündet dann in solchen Interviews oder Joffes weltfernes Urteil, da hätten wir eine Jugend, die unmündig und ummutig sei, was doch eher zeigt, dass hier die Rede ist von der kleinen Mittelschicht, nicht einer gesamt-gesellschaftlichen Phänomenologie.
Es sind wahrscheinlich inhaltliche Fragen, die mich mit den Jahren haben immer mehr Abstand zur ZEIT nehmen lassen. Das ging so weit, dass ich Artikel zurückzog, die hier hätten veröffentlicht werden können. Bis auf Walraff, (manchmal) Joffe, die Musikredaktion, einige Reportagen, vermisse ich ehrlich gesagt an der ZEIT wenig. Die Print-Ausgabe überfliege ich meist, noch im Laden. Die Online-Ausgabe kostet nichts. Aber ich verstehe die jungen Journalisten, die sich von der Referenz ZEIT einiges erhoffen; meine Erfahrung ist allerdings, dass in der FAZ oft die interessanteren Leute sind, wenn wir in Deutschland bleiben.
Zuweilen fragte ich mich, ob es nicht an dem modisch bewussten, allwettertauglichen Print-ZEIT-Chefredakteur liegt, ob er nicht abdanken sollte, und die Radisch gleich mit, damit ein frischer Wind weht. Dabei trägt DIE ZEIT einen berühmten Namen: einst gründete Dostojewskij eine Zeitschrift, die den gleichen Namen trug, darin erschien sein Roman Erniedrigte und Beleidigte.
Zum einen ist es bloß ein Zeit-Online-Interview, das sollten Sie nicht überschätzen, die Auswahl und Redaktion ist eine andere.
Zum anderen hielt ich gestern seit langem die NZZ in der Hand - und war erfreut nicht nur über den Mangel an Photos, Bildern, sondern die Flut an Nachrichten und über die Distanz zu Zeitungen wie DIE ZEIT.
DIE ZEIT kommt mir mittlerweile vor wie eine aufgeblasene, biedere Kuh, die nicht so interessante Artikel zulässt wie andere, nicht wie die FAZ, gegen die sich behaupten muss, die ich vor langer-langer Zeit noch mied, noch wie die Zeitung, an der sie sich orientiert, die NY TIMES. Das hat sicher auch strukturelle Gründe, schließlich erscheint sie wöchentlich, das wirkt sich inhaltlich und personell aus. Nicht wenige zeigen deutliche kleinbürgerliche Tendenzen, und das mündet dann in solchen Interviews oder Joffes weltfernes Urteil, da hätten wir eine Jugend, die unmündig und ummutig sei, was doch eher zeigt, dass hier die Rede ist von der kleinen Mittelschicht, nicht einer gesamt-gesellschaftlichen Phänomenologie.
Es sind wahrscheinlich inhaltliche Fragen, die mich mit den Jahren haben immer mehr Abstand zur ZEIT nehmen lassen. Das ging so weit, dass ich Artikel zurückzog, die hier hätten veröffentlicht werden können. Bis auf Walraff, (manchmal) Joffe, die Musikredaktion, einige Reportagen, vermisse ich ehrlich gesagt an der ZEIT wenig. Die Print-Ausgabe überfliege ich meist, noch im Laden. Die Online-Ausgabe kostet nichts. Aber ich verstehe die jungen Journalisten, die sich von der Referenz ZEIT einiges erhoffen; meine Erfahrung ist allerdings, dass in der FAZ oft die interessanteren Leute sind, wenn wir in Deutschland bleiben.
Zuweilen fragte ich mich, ob es nicht an dem modisch bewussten, allwettertauglichen Print-ZEIT-Chefredakteur liegt, ob er nicht abdanken sollte, und die Radisch gleich mit, damit ein frischer Wind weht. Dabei trägt DIE ZEIT einen berühmten Namen: einst gründete Dostojewskij eine Zeitschrift, die den gleichen Namen trug, darin erschien sein Roman Erniedrigte und Beleidigte.
Dafür hätte sich auch ein Duzend Fachleute gefunden.
Jetzt lernen Schüler endlich was in der Weimarer Republik mit dem Kabinett der Barone gemeint war.
Noch ein paar "hochqualifizierte" Minister mit adligem Netzwerk und wir sind wieder soweit.
Aber 6 Monate zur Kontaktpflege Minister spielen ist für eine Karriere bei einer Investmentbank auch nicht verkehrt.
Zum einen ist es bloß ein Zeit-Online-Interview, das sollten Sie nicht überschätzen, die Auswahl und Redaktion ist eine andere.
Zum anderen hielt ich gestern seit langem die NZZ in der Hand - und war erfreut nicht nur über den Mangel an Photos, Bildern, sondern die Flut an Nachrichten und über die Distanz zu Zeitungen wie DIE ZEIT.
DIE ZEIT kommt mir mittlerweile vor wie eine aufgeblasene, biedere Kuh, die nicht so interessante Artikel zulässt wie andere, nicht wie die FAZ, gegen die sich behaupten muss, die ich vor langer-langer Zeit noch mied, noch wie die Zeitung, an der sie sich orientiert, die NY TIMES. Das hat sicher auch strukturelle Gründe, schließlich erscheint sie wöchentlich, das wirkt sich inhaltlich und personell aus. Nicht wenige zeigen deutliche kleinbürgerliche Tendenzen, und das mündet dann in solchen Interviews oder Joffes weltfernes Urteil, da hätten wir eine Jugend, die unmündig und ummutig sei, was doch eher zeigt, dass hier die Rede ist von der kleinen Mittelschicht, nicht einer gesamt-gesellschaftlichen Phänomenologie.
Es sind wahrscheinlich inhaltliche Fragen, die mich mit den Jahren haben immer mehr Abstand zur ZEIT nehmen lassen. Das ging so weit, dass ich Artikel zurückzog, die hier hätten veröffentlicht werden können. Bis auf Walraff, (manchmal) Joffe, die Musikredaktion, einige Reportagen, vermisse ich ehrlich gesagt an der ZEIT wenig. Die Print-Ausgabe überfliege ich meist, noch im Laden. Die Online-Ausgabe kostet nichts. Aber ich verstehe die jungen Journalisten, die sich von der Referenz ZEIT einiges erhoffen; meine Erfahrung ist allerdings, dass in der FAZ oft die interessanteren Leute sind, wenn wir in Deutschland bleiben.
Zuweilen fragte ich mich, ob es nicht an dem modisch bewussten, allwettertauglichen Print-ZEIT-Chefredakteur liegt, ob er nicht abdanken sollte, und die Radisch gleich mit, damit ein frischer Wind weht. Dabei trägt DIE ZEIT einen berühmten Namen: einst gründete Dostojewskij eine Zeitschrift, die den gleichen Namen trug, darin erschien sein Roman Erniedrigte und Beleidigte.
Wie schön, dass es einen Platz für Leidenschaft gibt.
Musik kann den Menschen tiefst bewegen.
Wenn Guttenberg es schafft, dass die Menschen ihren Hut verwechseln, hat er den Menschen einen Dienst erwiesen.
Sie wurden von Musik tief berührt.
Bei der klassischen Musik muss man allerdings mit Auszehrung rechnen.
Kein Konzert könnte mehr stattfinden, wenn alle über fünfzig Jahren draussen bleiben müssten.
Das wird wahrscheinlich auch ein Guttenberg nicht aufhalten können.
ich schummelte mich in den Achtzigern schon in Freiburg in Konzerte mit Bernd Glemser oder Deborah Polaski.
Auf dem Zelt-Musik-Festival hab ich gar immer Eintritt bezahlt!
Und heuer bin ich immer noch unter 50... ;-)
ich schummelte mich in den Achtzigern schon in Freiburg in Konzerte mit Bernd Glemser oder Deborah Polaski.
Auf dem Zelt-Musik-Festival hab ich gar immer Eintritt bezahlt!
Und heuer bin ich immer noch unter 50... ;-)
Ich habe Franzosen und Amerkaner immer darum beneidet, dass sie den Adelsquatsch ein für allemal abgeschafft haben. (Ja, ja, ich weiß, der Geldadel hat den Platz besetzt, aber wenigstens gibt es da keinen Mythos der höheren Abstammung.)
Nun zu Guttenberg, zu unserem Wirtschaftsminister.
Man sollte das Arrangement eines jungen, adretten und wie-auch-immer adeligen Aufsteigers in Zeiten der Krise nicht überbewerten. Zwar vermittelt der neue Wirtschaftsminister Hoffnung, etwa da wo Steinbrück mahnt, aber ich ahne, so stark wie er durchgewunken wird, wird er einer der ersten sein, der Ende dieses Jahres bei Neuwahlen, insbesondere wenn weitere Milliarden ausgegeben werden oder aber die Inflation anzieht, abgesetzt oder degradiert wird.
Man muss bedenken, dass es sich bei seinen Mitstreitern und Befürwortern um altgediente Berufspolitiker handelt, keine pathologischen Fliegengewichte. Schon die seltsame Abdankung von Glos, an dessen Stelle ein Niemand, ein Unbekannter eingesetzt wurde, veranschaulicht wie zu heiß die Zeiten sind für jene, die auf ein langfristiges politischen Leben bauen. Ich ahne, dass der arme Guttenberg herhalten muss als Strohmann von erfahrenen Politikern, die sich an der Öffentlichkeit mit Versprechen, die einmal gegen sie gerichtet werden könnten, nicht die Finger verbrennen wollen, der Karriere wegen.
Wie ernst die Lage ist, zeigen auf der einen Seite die öffentliche Hoffnung auf Aufschwung, und auf der anderen die erneute Aktivierung der FED, das millardenschwere Gelddrucken, und die Flucht von Obama in die wichtigste Late-Night-Show einer Nation, die die öffentliche Meinung über sein Milliarden-Poker beflügeln soll. Vielleicht wird man Guttenberg später einmal in Erinnerung behalten als den Krisenminister, der verschossen wurde, und durch sein Auftreten, sein Äußeres, kann man sicher schöne Satire aus ihm formen. Er wäre nicht der erste. Krisen provozieren vertikale Anomalien. Man kann für ihn nur hoffen, dass er sich irgendwie herauswinden wird können, aber im Moment ist er noch der Krisenminister, dessen das Volk dann satt haben wird.
Schauen Sie, der hochgepriesene Karajan machte etwas sehr Gefährliches. Er hat, zumindest in seinen späteren Jahren, die Musik geglättet und zu einem international marktgängigen Produkt gemacht.
Wer sich davon erholen will, dem empfehle ich Violineinspielungen mit Patricia Kopatchinskaja. Das ist rauh, kantig und voller Kraft!
(Natürlich gilt das auch für die Symphonien mit Carlos Kleiber am Pult. Davon gibt's bloß so wenige...)
Karajan war extrem überschätzt. Und Guttenberg ist weitestgehend unterschätzt - Karl Theo meine ich.
Ein zu Guttenberg in der CSU ist aber doch gar pittoresk! Was macht der unter lauter Bierdimpfln zw. Söder, Weber und Dobrinth?
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