Fritzl-Prozess "A bisserl Werbung"Seite 2/2

Die St. Pöltener sind nicht begeistert davon, dass der Prozess in ihrer Stadt stattfindet. Doch wann sind schon einmal Hunderte Journalisten aus Spanien, Norwegen, Iran zu Gast? Zum Prozessauftakt gab Bürgermeister Matthias Stadler einen Empfang in seiner Amtsstube. Unter dem Kristallleuchter, zwischen Putten und Engeln und einer Galerie der ehemaligen Bürgermeister, in der die Zeit zwischen 1939 und 1945 ein blinder Fleck ist, werden Häppchen und Weine aus der Region gereicht. "Es gibt auch ein St. Pölten jenseits des Fritzl-Prozesses. Ich wünsche Ihnen einen halbwegs angenehmen Abend", sagt Stadler, als sei gerade eben etwas Furchtbares geschehen. "Wir sind nicht Ort des Verbrechens, sondern Ort des Gerichts", fügt er hinzu. Verwunderung unter den Gästen. Niemand hat etwas anderes behauptet.

Man kann St. Pölten nicht gerade vorwerfen, in der Prozesswoche aggressives Stadtmarketing zu betreiben. "Wir denken, dass St. Pölten für Touristen interessant ist, es liegt ja auch so zentral", sagt der Stadtführer Willi Zeh. Aus österreichischer Perspektive gesehen stimmt das.

"Ich glaube, dass man sich im Tourismusbüro der Stadt zu viele Gedanken macht", sagt eine Lokaljournalistin am Ende der Stadtführung. Von den teilnehmenden Journalisten ist da nur noch eine Handvoll übrig.

 
Leser-Kommentare
  1. Das war ja völlig klar, daß irgendjemand als erster die Geschmacklosigkeit besitzt, das "für den guten Ruf der Ortschaft" zu vermarkten. Ebenso klar daß dann genug begeistert hinterherstürmen, denn es läßt sich ja mit so einer Schauergeschichte viel verdienen.

    Ich bin gespannt, wann der selbe Zirkus in Winnenden losgeht.

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