Wirtschaftshilfen Guttenbergs Freundschaftsreise
Wirtschaftsminister zu Guttenberg spricht von "konkreten Ergebnissen" und einem "klaren Entgegenkommen" – doch in Wahrheit kann er keinen Durchbruch verbuchen
Die Erwartungen zu Hause waren hoch. Endlich sollten Antworten her auf seit Monaten unbeantwortete Fragen, damit die Bundesregierung konkret zur Opel-Rettung Stellung beziehen könne. "Wir müssen deutlich machen, was für uns von Nöten ist, um über staatliche Hilfen zu entscheiden. Es ist nötig, dass man sich das auch mal ins Gesicht sagt", sagte der Wirtschaftsminister wenige Stunden vor dem wichtigen Gespräch mit General Motors Chef Rick Wagoner und dessen Vize Frederick Henderson.
Ein paar Antworten hat zu Guttenberg auf seiner Reise nach Amerika bekommen: GM ist mit einer Minderheitsbeteiligung an der deutschen Tochter einverstanden und will einen Großteil der Patente an Opel zurückgeben. Beide Seiten einigten sich auf weitere Gespräche und einen Unterhändler.
Darüber hinaus sind die meisten Ansagen, die an die Öffentlichkeit dringen, jedoch kaum mehr als typisch amerikanische Worthülsen. "Wir sind ziemlich offen für eine neue Struktur in Europa", sagte GM-Chef Wagoner am Dienstag. Er sei ermutigt von der Bereitschaft europäischer Politiker, die Opel-Tochter zu unterstützen. Wagoner sagte auch, dass sich die Situation kontinuierlich weiter entwickeln würde. Definitiv ist also gar nichts.
Auch wenn zu Guttenberg "auf klare Fragen klare Antworten" forderte: Der Chef des größten US-Autokonzerns ließ sich nicht unter Druck setzen. Wagoner hat in den vergangenen Jahren viele Prügel von der einst mächtigsten Gewerkschaft des Landes, der UAW, eingesteckt. Von Präsident Barack Obama wurde er heftig angegriffen. Ende 2008 ließ er sich in Washington von aufgebrachten Kongressabgeordneten beschimpfen, als er um dringend benötigte Staatshilfen bat.
Wer ist dagegen schon der deutsche Wirtschaftsminister? Ob GM auf ein paar deutsche Steuerzahlermilliarden zugreifen könne oder nicht, sei für Wagoner auch nicht kriegsentscheidend, spottet ein Branchenkenner.
Seit November versucht die deutsche Regierung Antworten von Wagoner und dem US-Finanzminister Tim Geithner zu bekommen. Doch die Amerikaner waren bislang "too busy", um sich um die Probleme der Konzerntochter im fernen Europa zu kümmern. Hinzu kommt, dass Geithners Ministerium seit Monaten unterbesetzt ist – der Finanzminister hat auch fünf Monate nach der Präsidentschaftswahl noch nicht alle Mitarbeiter an Bord.
Zu Guttenberg trifft in den USA die Top-Manager der Wall Street, diskutiert mit Weltbank-Präsident Robert Zoellick und dem Leiter von Obamas Wirtschaftsteam, Larry Summers. Für den Antrittsbesuch des jüngsten Wirtschaftsministers der Bundesrepublik haben sich die Größen der amerikanischen Wirtschaft und Politik Zeit genommen.
In Deutschland dominiert zu Guttenberg seit Tagen die Berichterstattung. Er hält Konferenzen, spricht im Hintergrund und zeigt sich gelöst beim Fotoshooting am New Yorker Times Square. Der Fotografenrummel weckt auch die Neugier von vorbei gehenden Touristen, die mit ihren kleinen Digitalkameras ebenfalls den deutschen Wirtschaftsminister knipsen – sie glauben, er sei ein Schauspieler. Die Bilder vom gut gelaunten Wirtschaftsminister inmitten des New Yorker Trubels gehen durch die deutschen Medien.
In der amerikanischen Öffentlichkeit wird der Wirtschaftsminister jedoch kaum wahrgenommen. Das Wall Street Journal schreibt einen kleinen Bericht über die Pressekonferenz in New York. Die Nachrichtenagentur Bloomberg beruft sich in ihrem Artikel auf die US-Finanzzeitung. Die New York Times erwähnt den Besuch des Ministers nur in ihrem Auto-Blog.
Das einzige, was die Zeitung in diesen Tagen über deutsche Minister zu sagen hat, kommt von Nobelpreisträger Paul Krugman. Der bezeichnete den deutschen Finanzminister Peer Steinbrück in seiner wöchentlichen Kolumne als "ahnungslosen Hetzredner".
Steinbrück hatte bei seinem USA-Besuch im Herbst immerhin noch einen kurzen Auftritt beim Börsensender CNBC – doch zu Guttenberg nahm sich für die US-Medien keine Zeit. Ein Interview mit dem Wall Street Journal war ursprünglich angedacht, heißt es in der Pressestelle des deutschen Konsulats in New York, wurde dann aus Zeitgründen jedoch wieder verworfen.
Auch nach der dreitägigen Reise des Wirtschaftsministers: Die 25.000 deutschen Opel-Mitarbeitern bleiben weiter in Ungewissheit. Voraussetzungen für deutsche Staatshilfen sind nicht nur die Details aus Amerika. Auch ein privater Investor muss her, um Opel zu stützen - der Staat kann den maroden Automobilbauer nicht alleine stabilisieren.
Zwar habe es schon Anfragen von "seriösen und weniger seriösen" Geldgebern gegeben, sagt zu Guttenberg. Doch die Suche nach jemandem, der bereit ist, die Mehrheit an dem angeschlagenen Traditionskonzern zu übernehmen, ist schwierig. Die Risiken sind hoch. Wie schnell solch ein Investment schief gehen kann, zeigte der Einstieg von Cerberus beim US-Autobauer Chrysler. Die Arbeit fängt für zu Guttenberg jetzt erst an.
- Datum 18.03.2009 - 13:52 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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... kann K.T. eben nicht nur wunderbar aus dem Nähkästchen, sondern vor allem auch beeindruckend nichtssagend daherplaudern.
Die Union hat sich längst mit sich selbst darüber verständigt, Opel nicht mit Steuergeldern zu retten. Je mehr Zeit diesbezüglich verstreicht, desto mehr gewöhnt sich die Bevölkerung an diese Perspektive und desto mehr Boden verliert die SPD, die dann als der "nicht wohlüberlegt" handelnde Verein dasteht.
Die Genossen werden sich weiter für eine Rettung Opels einsetzen, ohne Erfolg bleiben, das Thema halbseiden im Wahlkampf verwursten, indem sie es der Union anlasten, während unter Sicherung der Patente eine Insolvenz abgewickelt und Opel im Zuge dessen aus dem Mutterkonzern ausgelöst wird.
Die Stimmen, die durch arbeitslos werdende Opel-Mitarbeiter, der Union verlorengehen, so könnten die Strategen sich denken, werden im Gegenzug sicher nicht bei der SPD landen, wenn sie mit den Rettungsversuchen keinen Erfolg hat. Die FDP kriegt sie eh nicht und warum sollten sie statt bei der SPD bei den Grünen landen? Wandern sie zur Linkspartei, dann nützt es der SPD, die im Wahlkampf noch einmal durch Schmierenkampagnen darin erinnert werden wird, dass mit der Linkspartei zu koalieren einem Verfassungsverrat gleichkäme, absolut nichts und die Merkels dieser Welt können sich freuen.
Schade, Opel. Schade, liebe Mitarbeiter.
Immerhin: Klare Antworten auf klare Fragen.
Die Reise des Wirtschaftsministers ist wohlüberlegt, wird ihm aber nichts bringen: Obwohl er auf dem Gebiet der Wirtschaftspolitik keine Erfahrung hat (seine vielzitierten "Erfahrungen im Mittelstand" beschränken sich bekanntermaßen auf die Verwaltung des eigenen Familienvermögens in einem familieneigenen Bürokomplex), hat er sich schnell auf einen Gegenkurs zur Kanzlerin festgelegt und Opel verloren gegeben. - Um das zu kaschieren, tingelt er nun durch die USA. - Die Opel-Mitarbeiter werden davon wenig haben.
Allerdings - da widerspreche ich dem Kommentar 1 - glaube ich nicht, dass zu Guttenberg seinen Kurs wird halten können. Merkel hat sich ebenfalls festgelegt, indem sie wie die SPD die Schlüsselposition des angeschlagenen Konzerns zum Ausgangspunkt für weitere Überlegungen gemacht hat. Das bedeutet: Um eine staatliche Opel-Rettung (vor den Wahlen!) werden beide Unionspolitiker nicht herumkommen.
Fazit: 1. Der Wirtschaftsminister beruhigt derzeit den Wirtschaftsflügel der Union, wird aber einknicken. - Denn ein erneutes Einknicken der Kanzlerin wäre vor den Wahlen fatal. - 2. Die SPD muss sich nicht vorwerfen lassen, Opel leichterhand zu verspielen. - Sie hat keine ideologischen Schwierigkeiten mit Staatshilfen und wird sich durchsetzen.
Anlässlich des wenige Wochen zurückliegenden Neujahrsfeiertags sprach die Frau Bundeskanzler ausdrücklich davon, auch ihre Handlungen künftig auf klare Grundsätze zu gründen. Entgegnet in diesem Kontext nun der CEO der General Motors Corp., dass das Unternehmen ziemlich offen für neue Strukturen in Europa sei, kritisiert er berechtigt den Tatbestand eines in Europa nach wie vor fehlenden Aufbaus auch durch die Adam Opel GmbH mit Sitz im hessischen Rüsselsheim auf diese Grundsätze. Die an die Tochter adressierte Wagoner'sche Reklamation fordert also ein, sich nicht gegenseitig das Leben noch schwerer zu machen als es schon ist und sich kollektiv der Strenge dieser Grundsätze zu unterwerfen, wenn ihre europäischen Töchter sich nicht dadurch mutwillig erhebliche Wettbewerbsnachteile vor allem auf den konzerninternen Märkten einhandeln und in's Hintertreffen geraten möchten, indem sie daran arbeiten, zu versuchen, sich von dieser Strenge auszunehmen.
... bitte?
Guttenberg selbstinszeniert sich als das Idealbild des erfolgreichen Politikers, indem er die Regeln eines gelungenen Warenmarketings auf sich selbst, auf die "Marke Ich", anwendet und gezielt Kleidung (immer seriös und wie aus dem Ei gepellt, mit Krawatten in lichten, positiven Farben), Gestik (knappe, souveräne Bewegungen, Treppen immer dynamisch im Dauerlauf nehmend und den Tross zurücklassend), Mimik (sein permanentes, unerträgliches Grinsen) einsetzt, um vor allem die Leser von BILD und BUNTE zu beeindrucken. Seine Botschaft ist die des Freiherrn Adolph Knigge: Alles wird gut!
Sein Auftreten zeigt, welche Bedeutung und welchen Einfluss die Selbstinszenierung in unserer Mediengesellschaft gewonnen hat. Es kommt - nicht zuletzt auch Merkel ist hier neben Guttenberg ein gutes Beispiel - nicht auf Inhalte und Substanz, sondern nur auf die (vermeintliche) Wirkung auf den Wähler an, den man damit zu manipulieren wünscht.
ganz genau. auf den punkt. sehr schön. setzen! 5 punkte.
Die ganze Inszenenierung nuetzte nichts, wenn die Medien (ja auch die ZEIT) ihn uns nicht staendig praesentierten!
Aber wenn es hilft, sinnlose neue Milliarden-Spritzen in den breiten .. der Industrie zu jagen, dann soll er halt noch ein bisschen herumjetten - mei, wird der dann was zu erzaehlen haben im Club!
ganz genau. auf den punkt. sehr schön. setzen! 5 punkte.
Die ganze Inszenenierung nuetzte nichts, wenn die Medien (ja auch die ZEIT) ihn uns nicht staendig praesentierten!
Aber wenn es hilft, sinnlose neue Milliarden-Spritzen in den breiten .. der Industrie zu jagen, dann soll er halt noch ein bisschen herumjetten - mei, wird der dann was zu erzaehlen haben im Club!
...wenn ich nicht mit allem was im ny-times artikel steht übereinstimme (die großzügigen sozialzuwendungen)und ich weiß das zeit-leser sowieso ein besonders schlaues volk sind, ist die times sicher einer anfrage zum übersetzten abdruck herrn krugmans kommentar in der onlineausgabe der zeit nicht abgeneigt.
ganz genau. auf den punkt. sehr schön. setzen! 5 punkte.
Die ganze Inszenenierung nuetzte nichts, wenn die Medien (ja auch die ZEIT) ihn uns nicht staendig praesentierten!
Aber wenn es hilft, sinnlose neue Milliarden-Spritzen in den breiten .. der Industrie zu jagen, dann soll er halt noch ein bisschen herumjetten - mei, wird der dann was zu erzaehlen haben im Club!
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