Deutscher Handball Von den Sünden eingeholt

Anzeichen für Korruption und Misswirtschaft im Handball gibt es seit Jahren. Die Funktionäre haben sie meist ignoriert. Jetzt müssen sie schnell handeln. Ein Kommentar

Als vor zwei Jahren Markus Baur, der Kapitän der Nationalmannschaft, den Weltmeisterpokal einer Kölner Zuschauermenge und einem Millionenpublikum vor dem Fernsehgerät entgegenhielt, standen dem deutschen Handball scheinbar gute Zeiten ins Haus. Mit dem Titel stieg die Aussicht auf ökonomischen Erfolg, wuchs die Hoffnung auf Bekanntheit, festigte sich der Glaube, sich hinter Fußball Rang zwei in der Beliebtheitsskala der Deutschen zu sichern. Die Übertragungsrechte der folgenden WM in diesem Jahr waren RTL sechs Millionen Euro wert. Für eine Sportart ist es ein gutes Zeichen, wenn Privatsender sie in Szene setzen.

Doch der deutsche Handball wird derzeit von seinen Sünden der Vergangenheit eingeholt. Da ist der vermeintliche Musterverein: Gegen die THW Kiel ermittelt die Staatsanwaltschaft. Der Klub soll über Jahre Schiedsrichter bestochen haben. Da ist das vermeintlich beste deutsche Schiedsrichtergespann: Jetzt wurde bekannt, dass es vor drei Jahren auf der Heimreise von einem wichtigen Europapokalspiel mit 50.000 Euro erwischt wurde. Und da sind die Finanzen: Der aktuelle Europapokalsieger HSG Nordhorn musste jüngst Insolvenz anmelden, kein Einzelfall übrigens. Profis mutmaßen hinter vorgehaltener Hand, dass einige Klubs seit Jahren ihre Gehälter zum Teil schwarz zahlten. Und dass das jeder wisse in der Liga.

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Viele Protagonisten der Branche haben mit der Entwicklung des Handballs nicht standgehalten, das gilt für ihre Management-Qualitäten und ihre ethischen Standards. Wo mit Augenmaß investiert werden sollte, wurde Geld ausgegeben, das man noch nicht besaß. Wo aufgeklärt werden sollte, schwiegen Funktionäre oder sprachen von "Ehrenwörtern".

Wie in vielen anderen Disziplinen, etwa im Radsport, im Volleyball oder im Fußball, versagen die Selbstreinigungskräfte des Sports, wenn es um den Kampf gegen Korruption, Doping oder andere Missstände geht. Das Phänomen ist natürlich kein rein deutsches. Am Dienstag packten zwei dänische Schiedsrichter aus, sie seien im vorigen Jahr einem Bestechungsversuch aus Rumänien ausgesetzt gewesen; Geld und Frauen seien ihnen angeboten worden. Vor zwei Jahren verpfiffen zwei Jordanier ein Qualifikationsmatch für Olympia so augenscheinlich, dass man nicht wusste, ob man lachen oder heulen sollte. Und der Präsident des Welthandballverbands, der Ägypter Hassan Moustafa, hält sich gerne kritische Journalisten vom Hals. Sie könnten ihm ja auf die Schliche kommen, dass er Dienstflüge ohne Beleg abrechnet.

Wer soll noch glauben, dass die bislang bekannt gewordenen Fälle die ganze Wahrheit sind? Seit Jahren munkelt man über Spielmanipulationen und Schattenwirtschaft im Handball. Seit Jahren schweigen Funktionäre und auch Großteile der Presse. Bohmann sagt nun: "Ich sehe die einzige Chance darin, dass wir unter Zuhilfenahme von externen Experten den Sumpf trockenlegen müssen." Sollte dieser Erkenntnis Überzeugung zugrunde liegen und sollte der Handball sie verinnerlichen, ist es noch nicht zu spät, den Sport vor denjenigen zu retten, die ihm schaden. Oft stammen sie aus den eigenen Reihen und geben sich als Freunde des Handballs aus.

 
Leser-Kommentare
  1. Ich finde diese Art der Berichterstattung völlig unseriös.

    Als Handballfan beobachte ich die Vorgänge sehr genau und kann bisher noch keinen Beweis für eine Verfehlung deutscher Vereine finden.

    Zu behaupten, der deutsche Handball werde von seinen Sünden eingeholt finde ich unverantwortlich. Der Sport lebt von Sponsorengeldern und Zuschauerinteresse. Diese Art negativer Presse und Schuldzuweisungen wirkt sich also kontraproduktiv auf diese aus.

    In den momentan wirtschaftlich schweren Zeiten bedeutet dies für den deutschen Handball einen großen Rückschritt.

    Wo bitte sind die Beweise, dass der deutschen Handball oder ein deutscher Verein sich irgendwelcher Verfehlungen schuldig gemacht hat. Alle Untersuchungen der EHF haben bisher dazu geführt, dass die Anschuldigungen fallen gelassen wurden.

    Ich hoffe für ihre Zeitschrift, dass Sie am Ende aller Untersuchungen, und für den Fall, dass dann immer noch keine Beweise für eine Verfehlung vorliegen, auch eine Klarstellung in der jetzigen Form veröffentlichen.

    MFG

  2. Redaktion
    2. Blind?

    50.000 Dollar sind gefunden worden. Nordhorn ist insolvent. Essen ist bereits abgestiegen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Führende Köpfe des Handballs gestehen inzwischen selbst ein, dass was schiefläuft.

    Hier ist noch was schönes:
    http://www.sueddeutsche.d...

    Hier wird nichts berichtet, was nicht bewiesen ist.

  3. Es geht darum, dass es keine Beweise für einen Betrug, Bestechung oder anderes gibt. Hier eine Mischung aller Probleme im deutschen Handball unter der Überschrift "Von den Sünden eingeholt" zu schreiben ist in meinen Augen unseriös.

    Unstreitig gibt es im deutschen Handball Probleme bei der Lizenzvergabe bzw. den Lizenzierungsverfahren. Dies ist aber schon länger bekannt, was man am Zwangsabstieg der SG Wallau-Massenheim und von TUSEM Essen vor einigen Jahren feststellen konnte. Manche Vereine versuchen durch Geld erfolge zu erkaufen und wenn die ausbleiben geht die ganze Finanzierung schief.

    Es gibt aber keine Beweise für Korruption im deutschen Handball. Bisher gibt es maximal Verdachtsmomente. Die Untersuchungen gegen den THW Kiel durch die EHF sind eingestellt worden. Unabhängige Gutachter haben sogar ausgesagt, dass beim Spiel gegen die SG Flensburg-Handewitt am Ende eher die SG bevorteilt wurde. Ob sich das Schiedsrichtergespann vor drei Jahren hat bestechen lassen werden die Untersuchungen ergeben.

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