"Where were you in '79 when the dam began to burst?", fragt Peter "Biff" Byford von Saxon in dem Lied Denim And Leather, diesem gesungenen Heavy-Metal-Einstellungstest. Mit Argwohn prüft er den Anwärter auf Herz und Nacken. "Did you check us out down at the local show? / Were you wearing denim, wearing leather? / Did you run down to the front? / Did you queue for your ticket through the ice and snow?"

Der Punk hatte seine besten Zeiten schon hinter sich, Ende der siebziger Jahre, und der musikalische Untergrund war wieder ein paar Clubs weitergezogen. Die neue Avantgarde orientierte sich am Hard Rock der frühen Jahre, schöpfte aber auch noch das letzte Gramm Bluesschlacke ab. Das ergab urbanen, dreckigen, aber technisch kalkulierten Lärm, gewissermaßen das akustische Äquivalent zur Fabrik.

Wie immer verschliefen die großen Firmen die Anfänge, die Szene musste sich selbst helfen, gründete Indielabels und brachte Club-Größen wie Raven, Diamond Head, Samson, Angel Witch, Witchfynder General in die Plattenläden. Als dann 1979 ein Medienstreik in England die Promotion-Abteilungen der Plattenfirmen lähmte, zeigten die Verkaufscharts ein paar Wochen lang tatsächlich das Abbild des von Marketingbudgets unbeeinflussten Käuferverhalten. Da wurden endlich auch die Major Labels wach und nahmen die kommerziell meistversprechenden Kandidaten unter Vertrag: Iron Maiden, Saxon oder Def Leppard.

Noch im selben Jahr bekam das neue Genre von Geoff Martin im Magazin Sounds eine zugkräftige, leitartikeltaugliche Aufschrift – New Wave Of British Heavy Metal (NWOBHM).

Was damals in diesem Kreativpool herumschwamm, war bereits so unterschiedlich, dass die 1983 beginnende Differenzierung zumindest im Rückblick folgerichtig erscheint. Es gab zwar schon Raven, die mit ihrem hyperaktiven Geschredder auf der Grenze des Genres entlanghetzten, und natürlich Motörhead, die noch vor der Konsolidierung der NWOBHM mit Overkill den Prototypen eines Thrash-Songs spielten. Es gab Venom, die das Motörhead-Konzept noch einmal forcierten durch musikalischen Dilettantismus und bitterböse Symbolik, und noch einige andere mehr.