Bundesliga-Presseschau Die GEZ-Gebühr taugt nicht für Profifußballer
Uli Hoeneß will eine Fußballsteuer. Werder-Vorstand Jürgen Born tritt zurück. Hertha ist unerbittlicher Meister der Effektivität, Hoffenheim verliert seinen Schrecken. Eine Presseschau
Uli Hoeneß fordert eine Art Steuer für den deutschen Profifußball. In einem Interview mit der Wirtschaftswoche stellt er seine Idee vor, die GEZ-Gebühren zu erhöhen, damit ARD und ZDF alle Bundesliga-Spiele live zeigen können: "Am besten wäre es, wenn die öffentlich-rechtlichen Sender alle Fußballrechte kaufen und dem Bürger Fußball quasi gratis nach Hause senden würden. Ich werde doch auch monatlich abkassiert, obwohl ich nur Nachrichten, Sport und politische Diskussionen schaue. Meine große Hoffnung ist, dass die Leute irgendwann bereit sind, 2 Euro im Monat für Fußball zu bezahlen. Das ist nicht mal eine halbe Schachtel Zigaretten oder ein kleines Bier in der Kneipe." Zudem kündigt Hoeneß an, künftig mehr Lobbyarbeit zu machen: "Ich bin der Meinung, dass wir als Vereine von den Politikern noch nicht ernst genug genommen werden."
Die Presse quittiert diese Träumerei mit verhaltener Kritik. Wobei sich Kritik an Hoeneß in der deutschen Sportpresse meist so liest, dass zunächst seine Verdienste hervorgehoben werden: "Uli Hoeneß ist ohne Frage der beste Manager der Bundesliga", beginnt Peter Wenig (Hamburger Abendblatt) seinen Kommentar – und erlaubt sich, fortzufahren: "Die GEZ-Gebühr taugt nicht als Soli für Einzelinteressen. Wenn der Bundesliga die TV-Einnahmen nicht reichen, muss sie andere Quellen anzapfen – oder eben sparen."
Auch Thomas Kistner (SZ) bezeichnet Hoeneß als "eine der respektabelsten Figuren der Sportbranche", als müsste er legitimieren, dass er mithilfe der Steuerzahlerperspektive Hoeneß in die Schranken verweist: "Im Angesicht der Weltwirtschaftskrise, die Fußballs Stammklientel am härtesten treffen dürfte, muss auch den sportnahen Beobachter irritieren, wenn von der Allgemeinheit mehr Geld gefordert wird für ein Gewerbe, dessen gesamtwirtschaftliche Endbestimmung stark am Erwerb von Edelkarossen & Goldkettchen orientiert ist. Da tendiert der Förderungsbedarf gegen Null."
Werder Bremens Vorstand Jürgen Born ist zurückgetreten, nachdem der Vorwurf publik wurde, er habe an Transfers privat mitverdient. Roland Zorn (FAZ) würde sich wenig wundern über Schwarzgeldmentalität im Fußball-Business: "Die rechtlich noch nicht geklärte Affäre wirft ein Schlaglicht auf mutmaßliche Praktiken im bezahlten Fußball, über die meist hinter vorgehaltener Hand gemunkelt wird – nämlich die manchmal angeblich lohnenden Beziehungen zwischen fürstlich bezahlten Spieleragenten und Vereinsoffiziellen. In dieser gerüchteumwaberten Grauzone aber fanden sich bislang nur selten Belege für Geschäftspartnerschaften, die über den legitimen Rahmen zwischen Geben und Nehmen hinausgingen."
Tabellenführer Hertha BSC Berlin bleibt auf der Erfolgslinie. Und das auf ungewöhnliche Art – nämlich zum wiederholten Male mit einem Tor Vorsprung (1:0 gegen Leverkusen). Ronny Blaschke (Stuttgarter Zeitung) kommt der Strategie des Klubs und seines Trainers auf die Spur: "Lucien Favres Entschleunigung im hektischen Berliner Geschnatter scheint dem Klub gut zu tun. Auch auf dem Rasen ist diese Anti-Arroganz zu spüren. Die Berliner nutzen nicht nur effizient ihre Chancen, sie spielen auch ohne Umwege und Schnörkel nach vorn. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Spieler im Schnitt weniger als eine Sekunde am Ball sind, die Dauer des Ballhaltens hat sich innerhalb eines Jahres halbiert. Selbst wenn es wie gegen Leverkusen zeitweilig nicht läuft, wirken sie nicht getrieben, sondern bleiben gelassen. Elf Spiele hat Hertha BSC mit einem Tor Vorsprung gewonnen. Die Ära der Launen ist vorerst beendet, Favre hat bewiesen, dass Erfolg planbar ist, mit Zufällen will er nichts zu tun haben. Selbst wenn es nicht für die erste Meisterschaft seit 1931 reichen sollte, Hertha könnte zu einem bestimmenden Verein der Zukunft werden."
Mit dem Image-Wandel der Hertha befasst sich Jan Christian Müller (FR): "Jetzt scheint sogar die Hauptstadt ihr ungeliebtes Kind in die Arme zu nehmen. Plötzlich ist die kalte Schüssel Olympiastadion nicht mehr zu groß und zu ungemütlich, plötzlich ist es dort sogar heimelig und stimmungsvoll. Und vielleicht, ja vielleicht ruckelt Dieter Hoeneß im Mai tatsächlich im offenen Bus mit der Schale in den Händen durchs Brandenburger Tor."
Peter Heß (FAZ) erkennt die Hoffenheimer beim 1:1 in Frankfurt nicht wieder – oder allenfalls phasenweise: "Die aktuelle Mannschaft weist mit dem Überraschungsteam der Hinrunde kaum noch Gemeinsamkeiten auf. Obwohl sich die Eintracht in der ersten halben Stunde wie ein Opfer aufführte, schaffte es der Aufsteiger nicht, die Vorteile zum Sieg zu nutzen. Im Herbst noch hätte er so einen wehrlosen Gegner auseinandergenommen. An diesem Vorfrühlingstag gestattete er ihm, sich wieder zu wappnen und ins Spiel zurückzufinden. Vor Hoffenheim muss im Moment niemand mehr zittern."
- Datum 08.05.2009 - 15:48 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 10
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Was muß das für ein Egoist sein, der glaubt jedem Fußball aufs Auge drücken zu müßen!
Nicht genug das man jedes Gottverdamte Wochenende mit der Scheiße beschoßen wird ,nein jetzt soll jeder dafür auch noch Zahlen!?
Sollen die doch Zahlen die Fußball auch schauen!!!
Oder dieser Hoeneß ,der sich wohl für einen besonderen Menschen hält,soll er doch von seinem VOLLEM Konto bezahlen.
Ich halte solch eine Äusserung für frech und unüberlegt,was für eine "Hohlbirne"!!!
Fußball ist Kommerz. Gebühren sind nicht dazu da, dass Fußballvereine mit Italien gleichziehen können und die Ablöse- und Gehälterspirale weiter mit nach oben treiben. Da platzt dann gleich die nächste Blase. Der Fan ist froh, wenn er seinen Arbeitsplatz behält und nicht kurzarbeitet, der FC Bayern steigert die Gehälter der armen Profis. Tolle Idee.
Die Gebühren, die jetzt schon gezahlt werden, reichen dicke aus. Wer mehr will, soll es sich einfach von seinen Fans holen. Wenn die nicht irgendwann mal die Nase voll haben von der Abzocke. die Nicht-Fans sind schon so weit.
Fußball ist Kommerz. Gebühren sind nicht dazu da, dass Fußballvereine mit Italien gleichziehen können und die Ablöse- und Gehälterspirale weiter mit nach oben treiben. Da platzt dann gleich die nächste Blase. Der Fan ist froh, wenn er seinen Arbeitsplatz behält und nicht kurzarbeitet, der FC Bayern steigert die Gehälter der armen Profis. Tolle Idee.
Die Gebühren, die jetzt schon gezahlt werden, reichen dicke aus. Wer mehr will, soll es sich einfach von seinen Fans holen. Wenn die nicht irgendwann mal die Nase voll haben von der Abzocke. die Nicht-Fans sind schon so weit.
Fußball ist Kommerz. Gebühren sind nicht dazu da, dass Fußballvereine mit Italien gleichziehen können und die Ablöse- und Gehälterspirale weiter mit nach oben treiben. Da platzt dann gleich die nächste Blase. Der Fan ist froh, wenn er seinen Arbeitsplatz behält und nicht kurzarbeitet, der FC Bayern steigert die Gehälter der armen Profis. Tolle Idee.
Die Gebühren, die jetzt schon gezahlt werden, reichen dicke aus. Wer mehr will, soll es sich einfach von seinen Fans holen. Wenn die nicht irgendwann mal die Nase voll haben von der Abzocke. die Nicht-Fans sind schon so weit.
Demenz muss schön sein. Man kann in aller Öffentlichkeit den hirnverbranntesten Blödsinn von sich geben und doch für sich in Anspruch nehmen, dafür nicht mit faulen Eiern beworfen, sondern ernst genommen zu werden. Als nächstes kommt dann der Porno-Soli für die notleidende Sexindustrie, der Pocket-Soli für die notleidenden Taschendiebe (ganz klar, in der Krise gibts weniger zu klauen) und schliesslich noch der Vollidioten-Soli für alle, die nichts besseres zu tun haben, als sich zu überlegen, wie sie ihren Mitmenschen das Geld aus der Tasche ziehen können.
Ein unartiger Jargon? Nicht wirklich, nur dem Niveau dieser hirntoten Debatte um eine Zwangsabgabe für Leute, die in kurzen Hosen hinter einem Ball herlaufen, angepasst. H´s Vorschlag ist ein schöner Beweis dafür, dass man das ohnehin schon unterirdische Niveau öffentlicher Debatten in Dland jederzeit tiefer legen kann. Bitte nicht vergessen, auch noch das Grundgesetz zu ändern, denn das Menschenrecht auf Fussball ist m.W. aktuell darin nicht garantiert.
Aber lassen wir das Geläster und seien wir mal konstruktiv: ich bin gerne bereit, einen diesbezüglichen Obolus für die Balltreter zu leisten - aber nur wenn die Verlierer nach alter mexikanischer Sitte nach dem Spiel hingerichtet werden. Tradition muss sein, gerade im Fussball, oder?
(Anmerkung: Bitte formmulieren Sie Ihre Kritik sachlich und tragen Sie zu einer konstruktiven Debatte bei. Die Redaktion/jk)
Nicht genug, dass man als Nicht-Fußballfan auf allen Fernseh- und Radio-Kanälen penetrant und unausweichlich belästigt wird, soll man sogar noch zusätzlich zu den ohnehin fragwürdigen GEZ-Gebühren für den notleidenden Fußball zahlen. Wie wäre es, wenn die unsinnig hoch bezahlten Fußballstars sich zu einem Soli entschließen? Liegt doch in ihrem ureigensten Interesse. Diesem Herrn Hoeneß sollte man kein Forum dafür geben.
Also ich zahle gerne 2 Euro dafür. Was wäre es wohl der ARD wert, wenn sie die sonntagabendliche Talk Show absetzen würde.
Was Herr Hoeneß nicht bedenkt (oder stillschweigend unter den Tisch fallen lässt) ist, dass die notwendigen (und mit Sicherheit nicht billigen) Polizeieinsätze in jedem Erst-, Zweit- und Drittligaspiel schon vom Steuerzahler gezahlt werden.
Eigentlich sollten die Fußballvereine dies selber zahlen, schließlich stecken diese ja die Gewinne auch ein - aber hier ist es anscheinend wie in der (Finanz(?))-Wirtschaft, Kosten sozialisieren und Gewinne privat einstreichen.
Die Forderung, jetzt auch noch die (sowieso schon fragwürdigen) GEZ-Gebühren für die überteuerten Gehälter der Jungmillionäre zu erhöhen, ist ein Schlag ins Gesicht der Gebühren- und Steuerzahler.
In welcher Welt lebt Herr Hoeneß eigentlich?
Offenbar allen Ernstes legt Uli Hoeneß in seinem Wunsch nach einer Fußballsteuer nach und maskiert seine Gier als gute Tat: „Gerade jetzt sollten wir uns Gedanken um den 'kleinen Mann' machen, um diejenigen, die es am meisten treffen wird. Diejenigen, die nicht mehr am Wochenende schnell wegfahren können, die vielleicht das Geld nicht mehr haben, um von weither zu ihrem Klub zu fahren und das Ticket im Stadion zu kaufen. Genau diese Leute könnten für 2 Euro an vier Tagen in der Woche, von Freitag bis Montag Fußball satt sehen.“
Martin Zeil, Bayerns Wirtschaftsminister und Mitglied im ZDF-Fernsehrat, misst Hoeneßens Temperatur: „Mir war entgangen, dass der Fußball zu den notleidenden Branchen gehört. Ich meine, wir müssen in der jetzigen Situation alles zurückdrehen, was die Bürger belastet. Und außerdem mache ich mir um die internationale Konkurrenzfähigkeit des deutschen und bayerischen Fußballs keine Sorgen.“
Die SZ und die Abendzeitung haben weitere Stimmen aus Politik und Liga zum Hoeneß-Vorschlag gesammelt.
Offenbar allen Ernstes legt Uli Hoeneß in seinem Wunsch nach einer Fußballsteuer nach und maskiert seine Gier als gute Tat: „Gerade jetzt sollten wir uns Gedanken um den 'kleinen Mann' machen, um diejenigen, die es am meisten treffen wird. Diejenigen, die nicht mehr am Wochenende schnell wegfahren können, die vielleicht das Geld nicht mehr haben, um von weither zu ihrem Klub zu fahren und das Ticket im Stadion zu kaufen. Genau diese Leute könnten für 2 Euro an vier Tagen in der Woche, von Freitag bis Montag Fußball satt sehen.“
Martin Zeil, Bayerns Wirtschaftsminister und Mitglied im ZDF-Fernsehrat, misst Hoeneßens Temperatur: „Mir war entgangen, dass der Fußball zu den notleidenden Branchen gehört. Ich meine, wir müssen in der jetzigen Situation alles zurückdrehen, was die Bürger belastet. Und außerdem mache ich mir um die internationale Konkurrenzfähigkeit des deutschen und bayerischen Fußballs keine Sorgen.“
Die SZ und die Abendzeitung haben weitere Stimmen aus Politik und Liga zum Hoeneß-Vorschlag gesammelt.
Offenbar allen Ernstes legt Uli Hoeneß in seinem Wunsch nach einer Fußballsteuer nach und maskiert seine Gier als gute Tat: „Gerade jetzt sollten wir uns Gedanken um den 'kleinen Mann' machen, um diejenigen, die es am meisten treffen wird. Diejenigen, die nicht mehr am Wochenende schnell wegfahren können, die vielleicht das Geld nicht mehr haben, um von weither zu ihrem Klub zu fahren und das Ticket im Stadion zu kaufen. Genau diese Leute könnten für 2 Euro an vier Tagen in der Woche, von Freitag bis Montag Fußball satt sehen.“
Martin Zeil, Bayerns Wirtschaftsminister und Mitglied im ZDF-Fernsehrat, misst Hoeneßens Temperatur: „Mir war entgangen, dass der Fußball zu den notleidenden Branchen gehört. Ich meine, wir müssen in der jetzigen Situation alles zurückdrehen, was die Bürger belastet. Und außerdem mache ich mir um die internationale Konkurrenzfähigkeit des deutschen und bayerischen Fußballs keine Sorgen.“
Die SZ und die Abendzeitung haben weitere Stimmen aus Politik und Liga zum Hoeneß-Vorschlag gesammelt.
hätte aber trotzdem noch einen Verbesserungsvorschlag: warum lässt man das "für Profifussballer" in der Überschrift nicht einfach weg?
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren