Baby-Hörtest Auf richtiger Wellenlänge

Seit Januar sollen die Ohren aller Neugeborenen vorsorglich getestet werden. Denn nur wenn Hörstörungen sehr früh auffallen, ist eine richtige Behandlung möglich

Wie Lesebrillen sind Hörhilfen vor allem bei älteren Menschen im Einsatz. Doch es gibt auch Hörgeräte in Miniaturform. Denn eines von 1000 Kindern kommt schon mit einer beidseitigen Hörstörung auf die Welt, die so schwer ist, dass es ohne Behandlung seine Muttersprache kaum erlernen kann. Erkennt man das Problem bereits im Säuglingsalter, kann meist eine Menge dagegen getan werden.

Seit Januar steht deshalb allen Neugeborenen in den ersten Tagen ihres Lebens ein Hörtest auf Kosten der Krankenkasse zu, ein sogenanntes Screening. Meist findet es noch im Krankenhaus statt. Oder etwas später bei einem Kinder- oder HNO-Arzt. Der Test tut nicht weh, das Baby schläft dabei.

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Zwei Verfahren kommen zum Einsatz: Bei der einfacheren Methode wird eine kleine Sonde in den äußeren Gehörgang eingeführt. Dieser Test basiert darauf, dass ein normales Innenohr nicht nur Schall empfangen, sondern auch aussenden kann. Die Sonde gibt leise Geräusche ab, die ins Innenohr geleitet werden, wo die Hörschnecke mit ihren Sinneszellen sitzt. Erreichen die Töne ihr Ziel, antworten die Sinneszellen mit Schwingungen, die als Schallwellen zurück ins äußere Ohr übertragen werden. An der Sonde ist ein Mini-Mikro befestigt, das die Wellen aufnimmt und ihre Stärke misst. Ein schwaches oder fehlendes Signal weist auf eine Störung hin.

Aufwendiger, aber aussagekräftiger ist das andere Verfahren: Dabei werden kleine Metallplättchen auf die Kopfhaut des Kindes geklebt und dann ebenfalls Geräusche ins Ohr geschickt. Über die Elektroden wird gemessen, ob die Schallwellen als elektrische Impulse über das Innenohr zur Bearbeitung ans Gehirn weitergeleitet werden.

Weil alle Eltern das Angebot zum kostenlosen Test ihrer Kinder in den ersten Lebenstagen bekommen sollen, besteht nun in Deutschland erstmals die Chance, Hörstörungen flächendeckend ganz früh zu erfassen. Der Berliner Arbeitskreis für Hörscreening bei Neugeborenen (BAHN) hat jahrelang für die frühen Tests geworben. Schon vor einigen Jahren haben Sponsoren etliche Kliniken mit den erforderlichen Geräten ausgestattet. "Seitdem hat sich die Anzahl der früh diagnostizierten Kinder erheblich erhöht", sagt Marlis Spormann-Lagodzinski von der Klinik für Audiologie und Phoniatrie der Charité.

Hier sollen die Ergebnisse der Screenings in einem zentralen Register gesammelt werden, um herauszufinden, ob und in welchem Ausmaß wie viele Kinder mit Hörstörungen tatsächlich vom Screening profitieren. Dazu wird auch erfasst werden, ob die Behandlung sich durch den frühen Test verbessert.

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