Hypo Real Estate Einer gegen alle
Großaktionär Christopher Flowers wehrt sich gegen die komplette Verstaatlichung der Hypo Real Estate

© Johannes Simon/Getty Images
Objekt des Streits: Die von Bankrott bedrohte Hypo Real Estate
Der Hauptakteur musste in die zweite Reihe. Brav nahm der milliardenschwere US-Investor Christopher Flowers hinter den Chefaufsehern des deutschen Finanzmarktes Platz: Bundesbankpräsident Axel Weber und Bafin-Chef Jochen Sanio. Alle drei waren in den Finanzausschuss des Deutschen Bundestags gekommen, um nicht weniger als die Rettung des deutschen Bankensystems zu diskutieren. Und die hängt an drei Worten: Hypo Real Estate – kurz HRE.
Verstaatlichung oder nicht heißt offiziell die Frage. Doch de facto waren sich am Montag fast alle einig. Nur wenn der Bund möglichst schnell die Kontrolle übernimmt, kann die schwer angeschlagene Immobilienbank überleben. Deshalb soll der Bundestag am kommenden Freitag ein entsprechendes Gesetz verabschieden, das als letzte Instanz eine Enteignung der bisherigen HRE-Aktionäre vorsieht.
Dagegen wehrt sich Christopher Flowers. Er hält zusammen mit anderen Investoren rund 24 Prozent an der Immobilienbank und will diese nach eigenem Bekunden nicht abgeben. Ein Staatsanteil von 75 Prozent plus einer Aktie sei völlig ausreichend, sagte Flowers. Die sei etwa durch eine Kapitalerhöhung zu erreichen. Dabei würde Flowers auch eine Verkleinerung seines Anteils in Kauf nehmen. Er selbst habe das Fachwissen und die Kompetenz, um sich bei der Sanierung der HRE einzubringen, sagte der Investor. "Natürlich würden wir unseren Beitrag leisten." Am Ende komme eine solche Sanierung den Steuerzahler günstiger als eine Komplett-Verstaatlichung.
Seit Wochen verhandelt Flowers mit der Bundesregierung immer wieder über einen möglichen Verkauf seines Anteils. Erst am Sonntag waren die jüngsten Gespräche ohne Ergebnis abgebrochen worden. Dem Vernehmen nach verlangt Flowers ein Vielfaches dessen, was die Anteile derzeit an der Börse wert sind. Am Freitag notierte die HRE-Aktie bei 89 Cent – gut 98 Prozent weniger als vor eineinhalb Jahren. Bundesbank-Chef Axel Weber hält selbst diesen Preis noch für zu hoch. Der aktuelle Marktpreis sei deutlich nach oben verzerrt, sagte er bei der Anhörung am Montag. Die Frage sei, ob sich der "Netto-Unternehmenswert überhaupt noch in einem positiven Bereich befindet".
Besonders eindringlich plädierte Bafin-Chef Sanio für eine schnelle Verstaatlichung. Der Chef der Finanzaufsichtsbehörde sprach von "gehörigem Zeitdruck". Bis spätestens 31. März müssten alle Banken ihre Bilanzen für 2008 vorlegen. Sollten die Verluste dann zu hoch sein und die Mindestanforderungen an das Eigenkapital nicht mehr erfüllt werden, müsste die Bafin das betreffende Institut schließen.
- Datum 09.04.2009 - 09:54 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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