Die Welt am Draht Wenn Würmer ein Land bedrohen

Landesverteidigung, Katastrophenschutz, Verbrecherbekämpfung - lebenswichtige Bereiche sind gefährdet, wenn Hacker im Netz angreifen. Wie ist Deutschland darauf vorbereitet?

Ein britischer Soldat surft im Internet. Ähnlich erschrocken dürften die Bundeswehrsoldaten gewesen sein, als sie den Angriff durch den Computerwurm Conficker bemerkten

Ein britischer Soldat surft im Internet. Ähnlich erschrocken dürften die Bundeswehrsoldaten gewesen sein, als sie den Angriff durch den Computerwurm Conficker bemerkten

Als Soldaten der Bundeswehr den Gegner bemerkten, hatte er schon mehrere Gräben überwunden und begonnen, die ersten Einheiten auszuschalten. Tote gab es keine, doch der Schaden war bedrohlich. Mehrere hundert Computer der Bundeswehr taten nicht mehr nur das, was sie sollten. Dabei hatte der Angreifer weder Panzer noch Raketen eingesetzt, sondern lediglich ein paar Zeilen Programmcode. "Conficker" nannte sich der Computerwurm, der am Freitag, dem 13. Februar 2009, anfing, Rechner der Bundeswehr außer Gefecht zu setzen. Was noch viel erschreckender war: Das Programm kam nicht überraschend, es war zu diesem Zeitpunkt schon Wochen unterwegs, hatte in österreichischen Krankenhäusern marodiert, auf britischen Kriegsschiffen und im Kommunikationsnetz der französischen Luftwaffe .

"D-Gefahren" heißen Katastrophen, deren Ursache der Zusammenbruch von Datennetzen oder der Missbrauch von Daten ist. Längst gehören sie genau wie Erdbeben oder Kriege in den Katalog der Risiken, auf die sich Regierungen weltweit vorbereiten. Denn wie Conficker gezeigt hat, hängt inzwischen alles irgendwie am Netz, sogar U-Boote. Was nicht bedeutet, dass auch alles gut gesichert ist.

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"Trotz einer objektiven Verbesserung der Situation sind weiterhin Schwierigkeiten erkennbar. Fakt ist, dass bei Entscheidungsträgern in der Verwaltung die Sensibilität in Bezug auf IT-Sicherheit weiterhin erhöht werden muss", heißt es im aktuellen Lagebericht zur IT-Sicherheit des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik ( PDF ).

Bei der Bundeswehr scheint man sich der Gefahren bewusst. Immerhin gibt es dort ein Computer Emergency Response Team . Das konnte die Conficker-Quelle, "einen Server im Raum Berlin", innerhalb von drei Tagen eingrenzen und unschädlich machen. Auch kam der Wurm nicht ins "operative Netzwerk", sondern traf nur das "Basisnetzwerk für den Friedensdienst". Doch spricht man mit dem Verteidigungsministerium darüber, klingt es so, als sei man selber froh, dass die virtuellen Drahtverhaue rund um die Kernsysteme "dieses Mal" gehalten haben.

"Kritische Infrastrukturen und Internet hätten besser nichts miteinander zu tun", sagt Andy Müller-Maguhn vom Chaos Computer Club. Doch das Gegenteil ist der Fall.

"Weite Bereiche des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens" seien inzwischen abhängig von Informations- und Kommunikationstechniken (IKT), heißt es in einem Eckpunktepapier der Bundesregierung zum Thema IT-Sicherheit. "Die Innere Sicherheit unseres Staates ist (...) untrennbar mit sicheren Informationsstrukturen verbunden, ihr Schutz ist für unsere nationale Sicherheitspolitik von herausragender Bedeutung", schreibt das Innenministerium bereits 2005 im Nationalen Plan zum Schutz der Informationsstrukturen ( PDF ).

Leser-Kommentare
    • medwed
    • 18.03.2009 um 15:42 Uhr

    Eingenistet hat sich der Wurm in verschiedenen Computern, bzw. Netzwerken. Aber die Rechner lahmgelegt hat er nicht. Er war einfach mal drin, weil nicht rechtzeitig gepatcht wurde. Aus Systemgründen, wie ich andernorts las. Mir scheint, der Wurm sei eher ein Medienereignis, denn Schaden hat er bis heute keinen angerichtet. Außer Zeit gefressen, weil man die Rechner vom Netz nehmen, säubern und wieder anschließen musste. Wessen PC und Antivirenprogramm automatisch updated, hat sowieso kein Problem.

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    Redaktion

    Lieber Medwed,

    Sie haben völlig Recht, wenn Sie sagen, dass wenig sichtbarer Schaden geschehen ist. Genau das aber ist es, was einigen Leuten, die damit zu tun haben, richtig Sorgen bereitet. Denn sie wissen nicht, was der Autor des Programms damit bezweckte oder noch bezweckt.

    Darum aber ging es in der Geschichte hier nicht einmal. Sondern darum, wie weit das Programm kam, wie weit es gar in sensible Bereiche eindringen konnte. Und wenn man damit nur virtuelles Halma spielen kann – es ist bedrohlich, wenn es einer nicht authorisierten Software gelingt, sich so schnell und so aggressiv zu verbreiten. Und es ist bedrohlich, dass nicht einmal die Netzwerke der Bundeswehr ausreichend gepatcht und überwacht sind, um so etwas zu verhindern. Der Mensch ist die Schwachstelle...

    Mir macht das Sorgen. Ihnen nicht?

    Beste Grüße
    Kai Biermann

    Redaktion

    Lieber Medwed,

    Sie haben völlig Recht, wenn Sie sagen, dass wenig sichtbarer Schaden geschehen ist. Genau das aber ist es, was einigen Leuten, die damit zu tun haben, richtig Sorgen bereitet. Denn sie wissen nicht, was der Autor des Programms damit bezweckte oder noch bezweckt.

    Darum aber ging es in der Geschichte hier nicht einmal. Sondern darum, wie weit das Programm kam, wie weit es gar in sensible Bereiche eindringen konnte. Und wenn man damit nur virtuelles Halma spielen kann – es ist bedrohlich, wenn es einer nicht authorisierten Software gelingt, sich so schnell und so aggressiv zu verbreiten. Und es ist bedrohlich, dass nicht einmal die Netzwerke der Bundeswehr ausreichend gepatcht und überwacht sind, um so etwas zu verhindern. Der Mensch ist die Schwachstelle...

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    Beste Grüße
    Kai Biermann

    • peto1
    • 18.03.2009 um 16:07 Uhr

    Naja das ist noch garnix, Stellen sie sich vor wie empfindlich schon passagier flugzeuge sind, schon allein ein handy könte das flugzeug zum wanken bringen, jetzt stellen sie sich vor man baut eine mikrowellen kanone und schiest mit Mikrowellen auf Flugzeuge Schiffe und Autos, dan würden sie Lahmgelegt, aber das ist alles zukunfts musik. Obwohl in Usa hat die polizei schon so ein system wo der Flucht wagen Elektronisch auser gefecht gesetzt wird mit so einer art mikrowellen kanone.

  1. Wenn ich bedenke das selbst ein gebräuchlicher alter P4 eigentlich schon zu viel Rechenleistung zum Internet-Surfen hat, bin ich durchaus bereit ein bisschen CPU-Zeit abzutreten. Fair wäre allerdings, mir einen Teil der Stromrechnung rückzuüberweisen, liebe Hacker-Fuzzies, und wenn mir die Kiste zu langsam wird installier ich drüber, ok ?

  2. doch wir wissen es nicht?

    die finanzkrise und nun das! cyberterrorismus aus fernost oder doch nur ein dummer fehler?

    vielleicht werden wir schon von geheimdiensten angegrifffen doch davon weiss der buerger nichts?

    • habe8
    • 18.03.2009 um 19:19 Uhr
    5. ?

    wurm as worm can !?!

  3. Redaktion
    6. Panik

    Lieber Medwed,

    Sie haben völlig Recht, wenn Sie sagen, dass wenig sichtbarer Schaden geschehen ist. Genau das aber ist es, was einigen Leuten, die damit zu tun haben, richtig Sorgen bereitet. Denn sie wissen nicht, was der Autor des Programms damit bezweckte oder noch bezweckt.

    Darum aber ging es in der Geschichte hier nicht einmal. Sondern darum, wie weit das Programm kam, wie weit es gar in sensible Bereiche eindringen konnte. Und wenn man damit nur virtuelles Halma spielen kann – es ist bedrohlich, wenn es einer nicht authorisierten Software gelingt, sich so schnell und so aggressiv zu verbreiten. Und es ist bedrohlich, dass nicht einmal die Netzwerke der Bundeswehr ausreichend gepatcht und überwacht sind, um so etwas zu verhindern. Der Mensch ist die Schwachstelle...

    Mir macht das Sorgen. Ihnen nicht?

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    Kai Biermann

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    • medwed
    • 19.03.2009 um 4:59 Uhr

    Letztlich ist natürlich immer der Mensch die Schwachstelle. Dass sich solche Malware aber offenbar recht locker in ein Bundeswehrnetz einnisten kann, gibt allerdings Grund zur Sorge. Und dass man das System aus Angst vor einem Absturz nicht automatisch patcht - oder patchen kann - spricht auch nicht unbedingt für dessen Robustheit. Ausgerechnet bei der Bundeswehr... Hochkomplexe Systeme überfordern die Betreiber sowieso, da gibt es niemanden, der den vollständigen Durchblick hat. Behaupte nicht nur ich. Darum wird es immer immer wieder Löcher geben. So gesehen leben wir auf einem Pulverfass. Ob dieses, wenn es hochgeht, nur pfupft und einem den Allerwertesten verbrennt oder eine Megaexplosion entsteht - who knows?

    • medwed
    • 19.03.2009 um 4:59 Uhr

    Letztlich ist natürlich immer der Mensch die Schwachstelle. Dass sich solche Malware aber offenbar recht locker in ein Bundeswehrnetz einnisten kann, gibt allerdings Grund zur Sorge. Und dass man das System aus Angst vor einem Absturz nicht automatisch patcht - oder patchen kann - spricht auch nicht unbedingt für dessen Robustheit. Ausgerechnet bei der Bundeswehr... Hochkomplexe Systeme überfordern die Betreiber sowieso, da gibt es niemanden, der den vollständigen Durchblick hat. Behaupte nicht nur ich. Darum wird es immer immer wieder Löcher geben. So gesehen leben wir auf einem Pulverfass. Ob dieses, wenn es hochgeht, nur pfupft und einem den Allerwertesten verbrennt oder eine Megaexplosion entsteht - who knows?

    • medwed
    • 19.03.2009 um 4:59 Uhr

    Letztlich ist natürlich immer der Mensch die Schwachstelle. Dass sich solche Malware aber offenbar recht locker in ein Bundeswehrnetz einnisten kann, gibt allerdings Grund zur Sorge. Und dass man das System aus Angst vor einem Absturz nicht automatisch patcht - oder patchen kann - spricht auch nicht unbedingt für dessen Robustheit. Ausgerechnet bei der Bundeswehr... Hochkomplexe Systeme überfordern die Betreiber sowieso, da gibt es niemanden, der den vollständigen Durchblick hat. Behaupte nicht nur ich. Darum wird es immer immer wieder Löcher geben. So gesehen leben wir auf einem Pulverfass. Ob dieses, wenn es hochgeht, nur pfupft und einem den Allerwertesten verbrennt oder eine Megaexplosion entsteht - who knows?

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