Feridun Zaimoglu "Ich bin ein Humanistenkopf"
Der Schriftsteller Feridun Zaimoglu träumt von Europa und lässt sich von Freunden dafür als "Idiot" beschimpfen. Ein Interview über seinen neuen Essay "Volkes Gesänge"
ZEIT ONLINE: Herr Zaimoglu, hinter dem Begriff Europa steckt auch immer etwas Träumerisches, ein Sehnsuchtsort für eine politische Idee. Wie stehen Sie zu Europa?
Feridun Zaimoglu: Man kann es natürlich naiv finden. Wenn ich zunächst einmal feststelle, dass es immer gut ist, wenn historische Feindschaften zerbröseln, zerbröckeln, wenn Grenzen fallen. Nur gehöre ich zu jenen, die dann im Laufe der Zeit ein bisschen Skepsis entwickelt haben, weil ich zu vielen Menschen, nicht nur Politikern, von Europa als dem Garten Eden, als dem schönen Ort gelauscht habe. Irgendwann wurde das Ganze bitter.
ZEIT ONLINE: Sie haben für die Buchmesse einen Essay über Europa geschrieben, eine Art Rollenprosa. "Volkes Gesänge" wollten Sie damit einfangen, europakritische Stimmen. An einer Stelle wird der "Sozi und Humanist" beleidigt. Sie gelten als Salonlinker, haben Sie sich da nicht selbst getroffen?
Zaimoglu: Ich werde manchmal gefordert, allgemeine Aussagen zu machen. Das kann ich nicht, das klappt nicht mal in meinem eigenen Leben. Jetzt muss ich also über Europa reden, ich kann mich da nur als eine Wanderameise ins Spiel bringen, ich kann über die vielen Fahrten in diese Länder [Feridun Zaimoglu hat für seinen neuen Roman verschiedene ost- und südeuropäische Länder bereist, Anm. d. Red.] berichten, meine Eindrücke schildern.
Auf der anderen Seite bin ich nun mal ein Humanistenkopf, der sich die schöne Idee von Europa nicht wegnehmen lassen will. Aber ich habe gesehen, in Gesprächen mit diesen ziemlich ruppigen Freunden und Bekannten, die von Europa nichts wissen wollen, dass sie Argumente vorweisen, die schärfer sind als meine Argumente. Da werde ich sofort als Salonlinker bespöttelt und habe das Nachsehen.
ZEIT ONLINE: Das hat man immer, wenn der Idealismus der Realität gegenüberstellt.
Zaimoglu: Wobei ich ja kein Idealist bin. Vielmehr einer, der auch auf eine Realität hinweist. Es prallen da einfach verschiedene, richtige, Aspekte aufeinander. Ich kann nicht sagen, dass meine Bekannten da falsch liegen. Sie sagen mir aber, dass ich ein Träumer bin, ein Idiot.
- Datum 17.03.2009 - 14:24 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 3
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Das find ich aber mal ganz toll, ja wirklich ganz toll, Herr Zaimoglu, dass Sie der Meinung sind, "dass die Mädels vielleicht auch mal selbst bestimmen könnten, auf die Idee sollte man vielleicht auch mal kommen".
Da haben wir "Mädels" ja Glück, dass es solch tolle emanzipierte Männer gibt, die uns zugestehen, dass wir "auch mal selbst bestimmen" können. Toll, ganz toll. Ja, so kann nur ein echter Humanistenkopf sprechen. Fürwahr. Toll, ganz toll.
Aber echt gemein, dass wir "Mädels" auf der Straße durch die Männer einfach hindurchsehen. Das ist ja nun nicht toll, gar nicht toll.
Ich habe feststellen müssen, dass auch ein gradueller Unterschied, gemessen an der Qualität, zwischen Ihrem Beitrag und den Antworten und Ansichten von Herrn Zaimoglu herrscht.
Das ist gar nicht toll, aber was wirklich toll ist, wie gut Sie die Kunst der Redundanz beherrschen.
Der Interviewtext scheint durch einen Filter mit der Porengröße "Mädels" "selbst bestimmen" gelaufen zu sein, wurde prompt als frauenfeindlich erkannt, Alarm rot wurde ausgelöst, ein launiger Kommentar wurde ausgespuckt, um den Frauenfeind zu brandmarken. Traurig, ganz traurig. Das kommentierende Wesen - und ich hoffe, es handelt sich um ein solches und nicht die vermutete Maschine zur Verteidigung der Frauenrechte - sollte möglicherweise in Erwägung ziehen, dass Ironie im Spiel war, dass ein Text vielschichtiger sein kann, dass man Begriffe zitieren, mit Sprachebenen spielen kann. Aber ach, das ist wahrscheinlich zu mühsam, eindimensionale Feindbilder sind so praktisch. Irgendwie schlecht, ganz schlecht, für die intellektuelle Parität der Geschlechter, wenn die klugen Autoren immer das Ironiefläggchen hissen müssen. Nur so als Tipp unter uns Mädels, echt du...
Ich habe feststellen müssen, dass auch ein gradueller Unterschied, gemessen an der Qualität, zwischen Ihrem Beitrag und den Antworten und Ansichten von Herrn Zaimoglu herrscht.
Das ist gar nicht toll, aber was wirklich toll ist, wie gut Sie die Kunst der Redundanz beherrschen.
Der Interviewtext scheint durch einen Filter mit der Porengröße "Mädels" "selbst bestimmen" gelaufen zu sein, wurde prompt als frauenfeindlich erkannt, Alarm rot wurde ausgelöst, ein launiger Kommentar wurde ausgespuckt, um den Frauenfeind zu brandmarken. Traurig, ganz traurig. Das kommentierende Wesen - und ich hoffe, es handelt sich um ein solches und nicht die vermutete Maschine zur Verteidigung der Frauenrechte - sollte möglicherweise in Erwägung ziehen, dass Ironie im Spiel war, dass ein Text vielschichtiger sein kann, dass man Begriffe zitieren, mit Sprachebenen spielen kann. Aber ach, das ist wahrscheinlich zu mühsam, eindimensionale Feindbilder sind so praktisch. Irgendwie schlecht, ganz schlecht, für die intellektuelle Parität der Geschlechter, wenn die klugen Autoren immer das Ironiefläggchen hissen müssen. Nur so als Tipp unter uns Mädels, echt du...
Ich habe feststellen müssen, dass auch ein gradueller Unterschied, gemessen an der Qualität, zwischen Ihrem Beitrag und den Antworten und Ansichten von Herrn Zaimoglu herrscht.
Das ist gar nicht toll, aber was wirklich toll ist, wie gut Sie die Kunst der Redundanz beherrschen.
Der Interviewtext scheint durch einen Filter mit der Porengröße "Mädels" "selbst bestimmen" gelaufen zu sein, wurde prompt als frauenfeindlich erkannt, Alarm rot wurde ausgelöst, ein launiger Kommentar wurde ausgespuckt, um den Frauenfeind zu brandmarken. Traurig, ganz traurig. Das kommentierende Wesen - und ich hoffe, es handelt sich um ein solches und nicht die vermutete Maschine zur Verteidigung der Frauenrechte - sollte möglicherweise in Erwägung ziehen, dass Ironie im Spiel war, dass ein Text vielschichtiger sein kann, dass man Begriffe zitieren, mit Sprachebenen spielen kann. Aber ach, das ist wahrscheinlich zu mühsam, eindimensionale Feindbilder sind so praktisch. Irgendwie schlecht, ganz schlecht, für die intellektuelle Parität der Geschlechter, wenn die klugen Autoren immer das Ironiefläggchen hissen müssen. Nur so als Tipp unter uns Mädels, echt du...
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren