Gilat Schalit Seit fast 1000 Tagen Geisel von Hamas
Der israelischen Regierung bleibt nur noch sehr wenig Zeit, den Soldaten Gilat Schalit gegen Hamas-Gefangene auszutauschen. Israel bangt mit den Eltern

© Menahem Kahana/AFP/Getty Images
Freiheit für Gilat Schalit fordern Demonstranten vor dem Amtssitz des israelischen Ministerpräsidenten in Jerusalem
Für die Eltern von Gilat Schalit, der sich seit 997 Tagen in der Gewalt der Hamas befindet, muss es unerträglich sein. Sein Vater Noam ist kein Mann, der seine Gefühle nach außen trägt. Aber die Enttäuschung stand ihm ins Gesicht geschrieben, als er in der Nacht zum Dienstag von den geplatzten Verhandlungen in Kairo erfuhr. Die beiden israelischen Unterhändler Ofer Dekel und Yuval Diskin waren mit der Nachricht aus Ägypten zurückgekommen, dass es zwar Fortschritte gegeben habe im Hinblick auf die Namensliste der palästinensischen Häftlinge, die Israel im Gegenzug für Gilat Schalit freilassen soll. Aber man sei sich nicht einig, wie viele der freigelassenen Palästinenser anschließend direkt nach Hause gehen dürften.
Israel besteht darauf, "einige der schlimmsten Mörder" nicht ins Westjordanland zurückzulassen, sondern in dritte Länder abzuschieben. Beide Seiten streiten vor allem um die Zahl der Inhaftierten, die direkt in die Palästinensergebiete gebracht werden sollen. Hamas hätte die Position in dieser Frage plötzlich wieder verhärtet, berichteten die israelischen Unterhändler. "Wir wollten Hunderte Terroristen freilassen, darunter Mörder von Israelis", sagte Ministerpräsident Ehud Olmert.
Nachdem Hamas jedoch noch mehr gefordert habe, werde man jetzt keine neuen Angebote unterbreiten. "Wir haben rote Linien, die wir nicht überschreiten werden", sagte Olmert. Israel sei nicht das besiegte Volk. Hamas bezeichnete er als "mörderische, unbarmherzige Organisation". Bei einer Sondersitzung seiner scheidenden Regierung seien sich alle Minister einig gewesen, "dass die Forderungen der Hamas die Möglichkeit einer Einigung verhindern".
Der Versuch, Gilat Schalit nach Hause zu bringen, wird von den meisten Israelis mit angehaltenem Atem und durchaus zwiespältigen Gefühlen verfolgt. Ihnen ist klar, dass die ungleiche Arithmetik hier wieder einmal in die Hände des Feindes spielt. Von 450 palästinensischen Gefangenen ist die Rede – für einen, hoffentlich lebenden – Israeli. Viele Israelis sind hin- und her gerissen zwischen dem Mitleid für die besorgten Eltern und der Signalwirkung eines solchen Handels.
Auch Noam Schalit ist das klar. Deshalb hat er zwar hartnäckig und unermüdlich, aber nie aggressiv für die Freilassung seines Sohnes gekämpft. Er traf sich mit Staatsmännern aus aller Welt, schrieb Briefe und war mit dafür verantwortlich, dass überall im Land Fahnen an den Entführten erinnern. "Gilat lebt noch", steht da neben dem Bild des jungen Soldaten – und sein Schicksal lässt vor allem die jungen Israelis nicht gleichgültig. Besonders die angehenden Soldaten identifizieren sich mit ihm. Schließlich war er ja während seines Pflichtwehrdienstes von Hamas-Kämpfern entführt worden.
Vor wenigen Tagen haben sich die Eltern Schalits für eine neue Strategie entschieden. Noam Schalit und seine Frau Aviva zelten nun vor der Residenz des Noch-Ministerpräsidenten Ehud Olmert. Sie protestieren so gegen die gescheiterten Verhandlungen mit Hamas. Ein endloser Strom an Besuchern kommt zu dem kleinen Camp und bekundet Solidarität.
- Datum 18.03.2009 - 13:27 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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