Werder Bremen Ein immenser Imageschaden
Claudio Pizarro soll Tore für Bremen schießen. Doch der Stürmer ist in den Betrugsskandal um Spielerwechsel ähnlich verwickelt wie die Vereinsführung
Jürgen Born hat es in seiner Karriere als Fußballer nicht weit gebracht. Vor fast 50 Jahren kickte der heute 68-Jährige für den Bremer Stadtteilverein TuS Schwachhausen. Er war, so erzählt man sich, ein passabler linker Amateur-Verteidiger. Am Wochenende ist der Ex-Vorsitzende der Werder-Geschäftsführung von allen Ämtern zurückgetreten. Ihm wird vorgeworfen, sich an Spieler-Transfers persönlich bereichert zu haben. Claudio Pizarro ist einer der wichtigsten Spieler für Werder. Auch ihm wird vorgeworfen, als Gesellschafter der umstrittenen Beraterfirma "Image" an den Transfergeschäften beteiligt gewesen zu sein. Pizarro steht weiterhin auf dem Platz – und kann Werder heute Abend im Spiel gegen St. Etienne sogar ins Viertelfinale des UEFA-Cups schießen.
Ein unter Korruptionsverdacht geratener Klubchef scheint also weniger tragbar zu sein als ein Spieler, der in unlautere Machenschaften verstrickt sein soll. Werder misst mit zweierlei Maß. "Es besteht kein Grund, von Claudio abzurücken. Ich kann nicht erkennen, dass er etwas Unrechtes getan hat", sagt Sportdirektor Klaus Allofs. Doch um etwas mehr von diesem Unrecht und dessen Verbindungen zu Werder Bremens zu erkennen, lohnt ein Blick zurück.
Öffentlich wurde die sogenannte "Born-Affäre", die mehr und mehr zur Peru-Connection auswächst, am 7. März. Born gab zunächst bekannt, dass er seine Ämter ruhen lasse. Er reagierte damit auf Berichte, die besagten, er habe sich im Jahr 2001 am Transfer des Bremer Spielers Roberto Silva bereichert. Eine Zahlungsanweisung von Silvas Berater Carlos Delgado über 50.000 US-Dollar auf ein Konto Borns wurde öffentlich. Delgado ist Inhaber der Agentur "Image" und führt einen Rosenkrieg mit seiner Gattin Fiorella Faré, die die Zahlungsanweisung in Umlauf brachte. Angeblich besitzt Fiorella Faré 4000 weitere brisante Dokumente. Sie sind ihr Druckmittel im Scheidungsverfahren mit Delgado, der in Peru der Geldwäsche und der Steuerhinterziehung bezichtigt wird.
Die drei übrigen Werder-Geschäftsführer Manfred Müller, Klaus Allofs und Klaus-Dieter Fischer verkündeten zunächst "volles Vertrauen zu Jürgen Born". Dann veröffentlichte die peruanische Zeitung La Republica weitere Dokumente. Born hatte Delgado 2003 zu Vertragsgesprächen über den Werder-Stürmer Nelson Valdez hinzugebeten. Ein normaler Vorgang, beteuerten Werders Verantwortliche, wenngleich das Honorar Delgados von 200.000 Euro mindestens sittenwidrig anmutet und ein Teil der Summe auf ein Konto von Borns Sohn Maximilian geflossen sein soll. Schließlich gab Born seinen endgültigen Rücktritt bekannt. Per Fax ließ er mitteilen: "Ich kann aber versichern, dass ich keinerlei unerlaubte finanzielle Vorteile auf Kosten der Werder Bremen GmbH & Co KG aA gezogen habe.“ Allein der Glaube daran scheint auch Werders Aufsichtsratsvorsitzenden Willi Lemke zu fehlen.
Lemke betonte zwar, dass es ihm fernliege, Born vorzuverurteilen, kritisierte jedoch scharf: "Ich habe dreimal mit ihm über diese Dinge gesprochen, und er konnte mir nicht sagen: Willi, so und so war das." Lemke ließ den Satz im Raum stehen, er wusste um die Wirkung. Born hatte die Zahlung Delgados zunächst damit begründet, dass dieser ihm das einst für eine Weltreise geliehene Geld zurückgezahlt habe. Aber genau könne er sich nicht daran erinnern. Fadenscheinig und unglaubwürdig, fand auch Lemke.
Um nun Licht ins Dunkel des großen Unrechts zu bringen, hat Werder Bremen eine unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beauftragt. Diese soll auch herausfinden, was es mit den Vorwürfen gegen Pizarro auf sich hat. Angeblich besaß Pizarro 30 Prozent der Transferrechte an Roberto Silva. Er soll auch Geld kassiert haben. Der Stürmer gibt sich unschuldig und behauptet, er "habe nur in die Agentur investiert." Pizarro soll demnächst von der peruanischen Staatsanwaltschaft verhört werden. Sollten sich die Anschuldigungen hinsichtlich der Geldwäsche und Steuerhinterziehung bewahrheiten, droht auch ihm eine Verurteilung in seiner Heimat. Stellt sich als wahr heraus, dass er aktiv an Transfers beteiligt war, müsste es zumindest eine Sperre seitens der Fifa geben.
- Datum 18.03.2009 - 18:53 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Das Saubermannimage das sich Herr Lemke hier zulegt, die angebliche Angst um das Image des Vereins - es ist schier unerträglich den Interviews dieses Mannes noch zuzuhören.
Ganz offensichtlich ging es ihm ziemlich quer, dass nicht mehr er sondern Jürgen Born derjenige war der positive Schlagzeilen machte und der - ganz besonders nachdem Herr Lemke das Image des Vereins geschädigt hatte - dieses Image wieder ins Positive verwandelt hat.
Hat den jeder vergessen, dass Herr Lemke im Umgang mit Luxemburger Schwarzgeldkassen - z.B beim Transfer von Ailton - ganz aktiv war, und dass wohl nur die "Schiss" vor Bankprüfungen in Luxemburg dazu geführt hat, dass es letztlich zu einer Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung kam???? Hat Herr Lemke das selber vergessen???? Sicherlich war das ganz besonders förderlich für das Image des Vereins. Auch die Tatsache, dass Willi sich als Doppelagent (KGB/Verfassungsschutz) getummelt hat und dies bis zur Aufdeckung durch die Zeitung verschwiegen hat, war wohl dem Image des Vereins nicht besonders zuträglich!!! Wahrscheinlich hat er zu bestimmten Zeiten auch nicht genau gewusst von wem den welche Überweisung auf seinem Konto kam.
Ich wünschte man würde mal wieder darüber reden, damit zum einen Herr Lemke sich für das was er derzeit tut - nämlich üble Nachrede im Politikjargon - schämt und damit vielleicht eine Diskussion über ihn die Familien der anderen Protagonisten evtl. schützt.
Bezeichnend übrigens, dass Herr Fischer sehr wenig sagt. Vielleicht prüft der ja noch mal die Belege der Gelder mit denen er sein Haus erworben hat.
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