Killerspiele . Es ist wieder da, das ominöse Wort. Tim K., so erfährt man in vielen Beiträgen über die Bluttat von Winnenden , soll seine Zeit am PC mit sogenannten Killerspielen verbracht haben. Das überrascht bei einem Jugendlichen nicht sehr. Auch die Todesschützen von Erfurt und Emsdetten waren Fans dieser Computerspiele, bei denen es bei undifferenzierter Betrachtungsweise darum geht, möglichst viele Gegner zu töten.

Die Politik möchte die sogenannten Killerspiele verbieten, die Gamer sind entsetzt - hier finden Sie die Texte zur Debatte © Valve

Tim K. habe, so ein dieser Tage häufig gezogener Schluss, mit seiner Waffe nur deshalb so genau getroffen, weil er das Zielen daheim am Bildschirm übte. Und die Idee, nach dem Massaker in der Schule ein Auto samt Fahrer zu entführen, habe er dem Spiel Grand Theft Auto entlehnt.

Der statistische Zusammenhang scheint offenkundig: 100 Prozent Übereinstimmung zwischen Killer und Killerspieler. Möglicherweise lagen die Verbotsforderungen noch vom letzten Mal parat, dem Schul-Massaker von Emsdetten.

Diese Verbotsappelle entstehen reflexartig. Sie versprechen schnelle Lösungen für große Probleme. Und sie kümmern sich nicht um die Realität.

Denn nicht jeder Killerspieler ist ein Killer. Computerspiele, auch gewalthaltige, sind ein Massenphänomen. Vor allem Jungs spielen sie. Wenigstens in dieser Beziehung waren die Amokläufer von Erfurt, Emsdetten und Winnenden Jugendliche wie der Großteil ihrer Altersgenossen auch.

Ebenso steht fest: In Computerspielen wie Half-Life , Doom oder Far Cry ist Gewalt ein fester Bestandteil. Gegner zu töten gehört zum Spielkonzept. Es wäre falsch, daraus einen "Kick des Tötens" abzuleiten, wie es die Apologeten eines Killerspiel-Verbots tun. Der zweifellos vorhandene Reiz dieser Spiele besteht nicht darin, möglichst viele Gegner zu töten. Der Kick ist, die eigene Spielfigur am Leben zu halten. Nur so gelangt man ins nächste Level.

Solche Ego-Shooter genannten Spiele sind in der Tat nervenaufreibend. Was sie dazu macht, ist nicht ein Rausch der Gewalt, sondern die Ungewissheit, ob hinter der nächsten Ecke ein fieses Monster sitzt oder nicht. Wer Ego-Shooter Killerspiele nennt, muss konsequenterweise jeden Horrorstreifen als Killerfilm bezeichnen.