Bankenpleite Lehman-Gläubiger müssen 90 Prozent Verlust verkraften
Der Insolvenzverwalter der Pleite-Bank stellt den Gläubigern der deutschen Lehman-Tochter in Aussicht, zehn Prozent ihrer Forderungen aus der Insolvenzmasse auszuzahlen
Wie der Insolvenzverwalter auf der ersten Gläubigerversammlung am Dienstag in Frankfurt bekannt gab, müssen die Gläubiger fast ihr gesamtes Investment abschreiben. Die genaue Höhe sei aber noch offen, da er den Wert zahlreicher Papiere im Lehman-Bestand noch nicht abschätzen könne, sagte Michael Frege.
Bei den wenigen Privatanlegern der Banktochter wirkt zunächst die gesetzliche Sicherung von bis zu 20.000 Euro. Die großen institutionellen Anleger können sich an den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Deutscher Banken halten, etwa Krankenkassen, die teilweise hohe Engagements bei der deutschen Lehman Brothers AG haben, können mit Auszahlung ihrer Einlagen rechnen. Die größte deutsche Krankenkasse Barmer hatte nach eigenen Angaben über 200 Millionen Euro bei dem Institut angelegt, die Knappschaft 90 Millionen Euro. Für Inhaber von Lehman-Zertifikaten oder für Banken gilt diese Entschädigung allerdings nicht.
Die Frankfurter Sparkasse (Fraspa) kündigte deshalb für einzelne Lehman-Opfer bereits Entschädigungen für ihre wertlosen Geldanlagen an. In wenigen Härtefällen sei das Institut bereit, sich an dem Schaden zu beteiligen, bestätigte am Dienstag ein Sparkassensprecher einen Bericht der Frankfurter Rundschau. Die Teilentschädigung werde aus Kulanz gezahlt, ohne eine Rechtspflicht anzuerkennen. Die Fraspa folgt damit der Hamburger Sparkasse, die ebenfalls zu den großen Verkäufern von Zertifikaten der insolventen US-Investmentbank Lehman Brothers gehörte.
Insgesamt meldeten Lehman-Gläubiger deutlich höhere Ansprüche an als ursprünglich gedacht, wie Insolvenzverwalter Frege sagte. Die Gesamtforderungen belaufen sich demnach auf 38,2 Milliarden Euro. Fast die Hälfte davon geht allerdings auf Lehman-Gesellschaften zurück.
Der Einlagensicherungsfonds der Privatbanken in Deutschland dürfte einer der größten Lehman-Gläubiger sein. Die Sicherungseinrichtung hat nach Verbandsangaben bereits einen Großteil der Anleger des Instituts entschädigt. Insgesamt wird in Finanzkreisen mit einer Summe von 6,5 Milliarden Euro gerechnet, die der Fonds vor allem mit Hilfe staatlich garantierter Anleihen aufbringen will.
Die Frankfurter Lehman Brothers Bankhaus AG war in Folge der Pleite des US-amerikanischen Mutterhauses in die Zahlungsunfähigkeit gerutscht. Die Finanzaufsicht BaFin hatte das Institut Mitte September geschlossen und damals von Verbindlichkeiten gegenüber institutionellen Kunden von lediglich 14,3 Milliarden Euro gesprochen.
- Datum 17.03.2009 - 13:45 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
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