Putsch in Madagaskar Präsident gibt Macht ab

Madagaskars Präsident Ravalomana hat die Regierung aufgelöst. Sein Rivale Rajoelina lässt ranghohe Offiziere festnehmen und wird von seinen Anhängern gefeiert

Der Oppositionsführer Andry Rajoelina während einer Siegesparade in den Straßen von Antananarivo

Der Oppositionsführer Andry Rajoelina während einer Siegesparade in den Straßen von Antananarivo

Der seit Wochen andauernde Machtkampf auf der Tropeninsel Madagaskar hat eine überraschende Wende genommen. Als Ausweg aus seiner zunehmenden politischen Isolation löste der in Bedrängnis geratene Präsident Marc Ravalomanana seine Regierung auf und übertrug die Macht einer Gruppe ranghoher Offiziere. Ein Rücktritt sei das aber nicht, betonte er. Während sich sein siegessicherer Herausforderer Andry Rajoelina dennoch von tausenden Anhängern feiern ließ, wurde die von Ravalomanana ermächtigte Offiziergruppe nach Oppositionsangaben festgenommen.

Rajoelinas Sprecherin Annick Andriananpianina sagte: "Sie (die festgenommenen Militärs) haben die Nation und das Volk verraten. Sie wurden vom Präsidenten korrumpiert." Die Opposition wolle nun eine Entscheidung des Verfassungsgerichts abwarten, vor dem sie die Amtsenthebung des Präsidenten sowie die Auflösung der Regierung beantragt hatte. Die Afrikanische sowie die Europäische Union (AU und EU) warnten die Opposition hingegen mehrfach vor einer verfassungswidrigen Machtübernahme.

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Der Konflikt hatte sich am Wochenende zugespitzt, als Rajoelina die Machtübernahme durch seine Übergangsregierung erklärt hatte. Er war im Februar als Bürgermeister der Hauptstadt Antananarivo entlassen worden, hatte sich danach aber zum Übergangspräsidenten erklärt und Neuwahlen innerhalb von zwei Jahren in Aussicht gestellt. Er wirft Ravalomanana Willkür, Machtmissbrauch und Bereicherung im Amt vor und betreibt seine Absetzung. In dem blutigen Machtkampf wurden bisher mehr als 140 Menschen getötet.

Rajoelina hatte sich einen Tag nach der Einnahme des leer stehenden Verwaltungspalastes Ravalomananas durch sympathisierende Soldaten in der Hauptstadt Antananarivo triumphierend gezeigt. Er erklärte, der Kampf seiner Anhänger stehe kurz vor dem erfolgreichen Ende. Der 34-Jährige könnte ohne Verfassungsänderung jedoch nicht regieren, da das präsidiale Mindestalter bei 40 Jahren liegt.

Der 2006 für weitere fünf Jahre gewählte Präsident Ravalomanana, dessen Aufenthaltsort am Dienstagabend unklar war, hat erklärt, er werde nicht zurückzutreten und notfalls bis zum letzten Atemzug kämpfen. Sein Vorschlag einer Volksabstimmung war von Rajoelina zurückgewiesen worden. Der vor Afrikas Ostküste gelegene Staat Madagaskar mit seinen rund 20 Millionen Einwohnern die viergrößte Insel der Welt und gehört zu den ärmsten Ländern der Welt.

 
Leser-Kommentare
  1. warum die Madagassen revoltieren?

    Daewoo kauft Madagaskar auf

    "Offshore farming" ist das neue Kosewort für Kolonialismus:

    "Für die internationale Umwelt und Agrarorganisation Grain ist der Daewoo-Deal mit Madagaskar ein besonders krasser Fall einer "Landnahme", die die Ernährungssicherung der heimischen Bevölkerung gefährde. Lebensmittel- und Finanzkrise hätten eine neue "globale Landnahme" ausgelöst, bilanziert Grain in einer Studie."

    Das transatlantische Medienkonglomerat zu dem sich auch die ZEIT zählt, hält diese ökonomischen Querverbindungen zur Geschäftspolitik globaler Konzerne offensichtlich für nicht erwähnenswert, handelt es sich doch zugleich um die finanzstärksten Anzeigenkunden.

    Der britische Reporter und Buchautor Nick Davies über den Niedergang des Qualitätsjournalismus und die trübe Zukunft der Zeitungsbranche

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    Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt frei zu sein. [J. W. Goethe]

  2. Hier gab es schon vor ein paar Tagen eine ausführlichere Analyse in ZEIT online, wenn auch als Leserbeitrag:
    http://kommentare.zeit.de...

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