US-Drogenpolitik "Halt' dich aus Venezuela raus, Obama!"Seite 2/2

Und ein vom State Department veröffentlichter Bericht über den weltweiten Drogenhandel zeigt, dass der Fokus der amerikanischen Drogenpolitik immer noch auf dem Süden des Kontinents liegt. In Lateinamerika sorgte der Bericht für Protest, vor allem in den Ländern Kolumbien, Mexiko und Venezuela, die als Korridore der Dealer oder als Anbauländer genannt wurden. "Halt' dich aus Venezuela raus, Obama!", warnte Venezuelas Präsident Hugo Chávez.

Doch mit Berichten lässt sich der Drogenhandel nicht unterbinden. Dem Außenministerium, der Drug Enforcement Administration und dem Büro für Nationale Drogenkontrolle, die für die Bekämpfung des Drogenhandels zuständig sind, gelingt es nicht, den zunehmenden Drogenkonsum in den USA einzudämmen. Der UN-Drogenbericht 2008 zieht eine äußerst düstere Bilanz: Mit 7,1 Millionen Süchtigen kommen 45 Prozent aller Kokainabhängigen weltweit aus den USA.

Der Konsum von Kokain und anderer Drogen bleibt eine Straftat, obwohl viele Experten mehr Hilfe für Süchtige und weniger harte Strafen fordern, bleibt Obama in diesem Punkt bei der Politik der Regierung Bush. Er sprach sich während des Wahlkampfs mehrmals gegen die Legalisierung von Drogen aus. Ein kleiner Unterschied zum Amtsvorgänger war, dass Obama  im Wahlkampf für eine Entkriminalisierung des medizinischen Cannabis eintrat. "Wenn es darum geht, die Schmerzen der Menschen zu lindern, gibt es zwischen Morphin und Cannabis keinen Unterschied", sagte Obama.

Obama betrachtet das Drogen-Thema vor allem aus einer wirtschaftlichen und gesundheitspolitischen Perspektive. Der US-Präsident weiß, wie sehr der Kampf gegen die Drogen den US-Haushalt belastet: Sechs Milliarden Dollar kostet es seinem Land jährlich, den Drogenhandel im Inneren zu bekämpfen. Und weitere sechs Milliarden Dollar fallen an, für die Vernichtung von Koka-Plantagen im Ausland und die Aufrüstung der Polizei in den amerikanischen Partner-Ländern Südamerikas. Bisher waren die meisten Aktionen vergeblich.

Der internationale Drogenhandel destabilisiert immer weitere Regionen. Die größten Drogenanbauflächen finden sich in Afghanistan , wo 90 Prozent des weltweiten Heroins hergestellt wird, und Kolumbien, in dem 70 Prozent des weltweiten Kokains produziert wird. In beiden Staaten herrscht Bürgerkrieg. Die staatliche Ordnung in Transitländern wie Mexiko und Honduras, Somalia, Kenia, der Elfenbeinküste und Nigeria wird ebenfalls von der Drogen-Mafia zersetzt.

Die Regierungen dieser Länder brauchen bei der Eindämmung des Drogenhandels die Hilfe der USA. Die Vereinigten Staaten wissen, wie schwer es ist, gegen die organisierte Drogenkriminalität zu kämpfen. Die USA sind nicht nur das Land, in dem der meiste Umsatz mit Drogen gemacht wird, sondern auch weltweit der größte Produzent von Cannabis.

 
Service