Mexiko Der sagenhafte Reichtum von El Chapo

Auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt belegt er Platz 701. Joaquín Guzmán verdiente mehr als eine Milliarde US-Dollar mit dem Verkauf von Kokain

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Kampf gegen den Drogenhandel: In der mexikanischen Stadt Ciudad Juarez gehen Polizisten und Soldaten gegen die Kokain-Kartelle vor

Seit mehr als 30 Jahren gehört Joaquín Guzmán zu den Großen in seiner Branche.  Er verdient so viel Geld, dass das Wirtschaftsmagazin Forbes ihn zu den reichsten Menschen der Welt zählt. "El Chapo", wie der 1,55 Meter kleine Mexikaner genannt wird, belegt mit seinem Vermögen von mehr als einer Milliarde Dollar Platz 701 des weltweiten Rankings. Sein Geschäft: Guzmán gilt als einer der bedeutendsten Drogenhändler Mexikos.

Während die meisten anderen Superreichen durch die Wirtschaftskrise einige Millionen verloren, manche wie der Mexikaner Carlos Slim sogar Milliarden abschreiben mussten, gelang Guzmán der Neueinstieg in die Liste der Milliardäre. Sein Geschäft bleibt krisensicher, erwirtschaftet hohe Renditen, erfordert keine Steuerzahlung. Es bringt allerdings auch einen schweren Nachteil mit sich: Es ist illegal.

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Seit rund 30 Jahren arbeitet El Chapo im Kokain-Milieu. Er stieg vom Dealer bis zum Paten des Sinaloa-Kartells auf. Zunächst organisierte er für andere Drogenbarone den Schmuggel mit Schiffen und Flugzeugen in die USA. Dann knüpfte er direkte Kontakte nach Kolumbien und transportierte das Rauschgift für das Cali- und das Medellin-Kartell. Nach der Zerschlagung der großen Kokain-Syndikate in Kolumbien importierte Guzmán selber den Stoff aus dem Nachbarland. Sein Sinaloa-Kartell schmuggelt auch Marihuana aus Mexiko und Heroin aus Südostasien nach Texas und Kalifornien.

Joaquín Guzmán, alias El Chapo, soll über eine Milliarde US-Dollar mit dem Kokain-Handel verdient haben. Wie er heute aussieht, ist sein Geheimnis. Das Bild ist eine Aufnahme von 1993.

Joaquín Guzmán, alias El Chapo, soll über eine Milliarde US-Dollar mit dem Kokain-Handel verdient haben. Wie er heute aussieht, ist sein Geheimnis. Das Bild ist eine Aufnahme von 1993.

Diese mexikanische Mafiagruppe benannte sich nach dem gleichnamigen Bundesstaat, in dem Guzmán vor etwa 54 Jahren geboren wurde. Die Hauptstadt von Sinaloa, Culiacán, gehört zu den gefährlichsten Städten Mexikos. Dort, und im Norden des Landes, kämpfen die Drogenkartelle gegeneinander um Marktanteile im Kokainhandel oder mit Sondereinheiten des Militärs und der Polizei. Mehr als 1000 Menschen sind allein in diesem Jahr Opfer des mexikanischen Drogenkrieges geworden.

Der Staat Mexiko reagierte deshalb empört auf die Forbes -Liste. Der Drogenhändler würde durch das Magazin "erhöht", sagte Mexikos Präsident Felipe Calderon und sprach von "einer Kampagne gegen Mexiko".

Drogenfahnder aus den USA und aus Mexiko jagen El Chapo seit Jahren. Die Beamten der amerikanischen Drug Enforcement Administration (DEA) haben ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar auf Guzmán ausgesetzt. Die Belohnung bekommt derjenige, der den Fahndern den Aufenthaltsort des Drogenbarons mitteilt. Die Behörde warnt davor, Guzman selber festnehmen zu wollen: Er sei "bewaffnet und gefährlich".

Von den Grenzstädten aus lässt Guzmán in Kolumbien produziertes Kokain in die USA schmuggeln. Zunächst ließ er Tunnel unter der Grenze graben, dann setzte er auf Schmuggler, die heruntergeschluckte Drogenpakete transportieren. Er brachte auch Rauschgift auf Schiffen in nordamerikanische Häfen, getarnt unter einer Ladung Pfefferschoten. Rund 90 Prozent des in den USA von Süchtigen konsumierten Kokains kommt über Mexiko ins Land. In Los Angeles und San Diego soll das Sinola-Kartell Filialen unterhalten, die Dealer in den ganzen USA und Kanada beliefern.

El Chapo stellt Journalisten, Richter und Polizisten immer wieder vor die Wahl: "Plata o plomo" – Geld oder Kugel. Wer sich nicht bestechen lässt, der wird erschossen. Der untergetauchte Kartellchef entkommt den Fahndern immer wieder. Doch Ende Februar verhafteten amerikanische Polizisten 52 mutmaßliche Mafiosi des Sinaloa-Kartells im Rahmen der Operation Xcellerator . Die Ermittler stellten 59 Millionen Dollar in bar sicher. Innerhalb der Operation Xcellerator arbeiten Polizisten aus Kanada, Mexiko und den USA seit 21 Monaten zusammen. In dieser Zeit haben die Beamten insgesamt zwölf Tonnen Kokain, 169 Waffen und drei Flugzeuge beschlagnahmt. Aufhalten konnten sie die Drogenschmuggler nicht.

Soldaten haben in Venezuela ein Drogenlabor ausgehoben. In den Paketen befindet sich Kokain. Das Rauschgift wird über Mexiko in die USA transportiert.

Soldaten haben in Venezuela ein Drogenlabor ausgehoben. In den Paketen befindet sich Kokain. Das Rauschgift wird über Mexiko in die USA transportiert.

Guzmán lenkt sein Kartell weiterhin aus dem Untergrund. Der Mafiosi zeigt sich selten in der Öffentlichkeit, versucht alles, um nicht festgenommen zu werden. Ins Gefängnis will der Mexikaner auf keinen Fall zurück. 1993 wurde er in Guatemala verhaftet und nach Mexiko ausgeliefert. Richter verurteilten ihn zu 20 Jahren Haft wegen Bestechung. Die zahlreichen Morde, die er in Auftrag gegeben haben soll, konnten die Ermittler ihm nicht nachweisen.

2001 gelang es Guzmán auszubrechen: Er versteckte sich unter einem Berg Schmutzwäsche und wurde in einem Lastwagen aus dem Hochsicherheitsgefängnis gefahren. Seitdem lebt er in wechselnden Verstecken. Aktuelle Fotos gibt es keine von Mexikos meistgesuchtem Kriminellen. Guzmán soll sehr gerne tanzen gehen und eine Vorliebe für Schildkrötenfleisch und lokale Schönheiten haben und in dritter Ehe mit einer 18-Jährigen verheiratet sein.

Guzmán schaffte es nicht als erster südamerikanischer Drogenbaron, in die Forbes-Liste aufgenommen zu werden: Der kolumbianische Kokain-Großhändler Pablo Escobar wurde bis zu seinem Tod nach einem Schusswechsel im Jahr 1993 ebenfalls als einer der reichsten Menschen der Welt geführt. Guzmán tut alles, um nicht Escobars Schicksal zu teilen. Er lebt weiter im Verborgenen, hält sich versteckt. Seinen Reichtum genießt er dennoch: Hin und wieder wird er auf großen Partys seines Kartells in den Wüsten Mexikos und in teuren Restaurants gesichtet.

 
Leser-Kommentare
    • T0N
    • 18.03.2009 um 11:19 Uhr

    Joaquín Guzmán ist laut dem englischen Wikipedia 1,70m groß, wie man auch unschwer an den Fahndungsfotos auf der Seite erkennen kann.

  1. Redaktion
    2. @ TON

    Sie irren sich - und Wikipedia dann auch. Zahlreiche verlässliche Quellen, darunter die DEA geben die Größe von Guzmán zwischen 1,52 und 1,55 Meter an.

    Viele Grüße

    Der Autor

  2. Einen gut rechercherchierten Artikel darüber, wo und in welchen legalen Projekten weltweit dieses Geld steckt und über welche Kanäle es gewaschen wird, fände ich viel interessanter. Hoffentlich gelingt es mir, den Miami Vice Soundtrack wieder aus meinem Kopf zu vertreiben ;-)

    v.

  3. Nach fast zwei Jahren Arbeit hat die Polizei es also geschafft, Guzmán die Portokasse zu klauen. Ob er überhaupt was davon mitbekommen hat?

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