Web 2.0 "Liebe Presse, ich weiß nichts"Seite 2/2
Eine neue heiße Spur zu weiteren Informationen über Tim K. verspricht ein Eintrag auf MySpace. Das Profilfoto eines jungen Mannes namens Tim zeigt zwei Pistolen vor einem düsteren, schwarzen Hintergrund. Dazu Dollarnoten, die um die Waffen herumschwirren und rote Spritzer, die vom oberen Bildrand nach unten tropfen und wie Blut aussehen. Nur ein Nutzer im StudiVZ-Forum weist darauf hin, dass der Inhaber des MySpace-Profils aus Hessen kommt und 18 Jahre alt ist, Tim K. ist es nicht.
Im StudiVZ-Forum wird der Link veröffentlicht. Es tummeln sich viele Journalisten dort, veröffentlichen ihre Durchwahlen und E-Mail-Adressen, bitten um Anrufe. Stichproben ergeben, dass viele Informationen Recherchen nicht standhalten und schlicht falsch sind. Trotzdem veröffentlichen einige Medien diese Bilder und Informationen.
Tontaube, die Twitter-Nutzerin mit der ersten Eilmeldung, ist von den Anfragen der Journalisten mittlerweile genervt. Fast schon verzweifelt twitterte sie gegen Mittwochmittag: "Liebe Presse: ich weiß doch auch nichts von dem Verrückten".
- Datum 18.03.2009 - 22:14 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Oh Gott, wie peinlich. Hab ihr wirklich nötig euch auch noch selbst das Wasser abzugraben. Wieviele euerer Autoren haben selbst ein Blog, twittern und sind auf Plattformen wie Facebook, Xing, Myspace, Flickr usw.
Selbst die Medienwissenschaften sagen das Journalismus heute nicht mehr ohne diese Informationskanäle überleben kann. Unzuverlässig? Vergleicht mal die Zahl der Toten auf den deutschen Medienseiten im Fall Winnenden, da seht ihr was unzuverlässig bedeutet.
So wie eine Viehlzahl an Journalisten inzwischen publiziert, ist die Sache mit seriösen Quellen doch nicht mehr wichtig. Auch hier in diesem Blatt. Man kehre als erstes vor der eigenen Tür.
Alle Informationen sind erst einmal unsicher. Das gilt für das Netz genau wie für die Realität. Wer einmal Zeugenaussagen erlebt hat, weiß, daß Menschen Erinnerungen konstruieren. Unser Gehirn funktioniert nun mal so.
Warum werden also die gleichen Maßstäbe nicht an das Netz angelegt? Es ist die Aufgabe von guten Journalisten, ihre Quellen und die Informationen zu verifizieren.
Übrigens hat Tim K. seine Tat nicht angekündigt!
Also wenn im Zusammenhang mit dem Amoklauf und Twitter etwas bemerkenswert ist, dann jawohl der moralische Totalausfall der Presse beim Umgang mit diesem Medium; und zwar nicht als Quelle sondern als Kanal.
http://www.stefan-niggeme...
--
der geist in der maschine
Es ist einfach fürchterlich! Da hat ein junger Mensch aus Verzeiflung (Depression, Minderwertigkeitsgefühle) ein schlimmes Verbrechen (Amoklauf in Winnenden mit 16 Toten) begangen und alle Welt sucht nach "Material", das über den Täter veröffentlicht werden kann. Leider hat Tim K. sich selbst hingerichtet, sonst würde er - im Sinne unserer unstillbaren Sensationsgier - seine "Mörder-Memoiren" schreiben und gegen teures Geld verkaufen. Aber vielleicht wird dies sein Vater, der offensichtlich ein unbelehrbarer Waffennarr war und seinem Sohn das Schießen beigebracht hat, in Memoriam dies für diesen erledigen. Es ist fatal: Aber in unserer Medienlandschaft, die von der "Geld- und Sensationsgier" lebt, ist alles möglich! So raubt man unserer Jugend die positiven Vorbilder! Ich weiss wovon ich rede, denn seit mehr als 10 Jahren bemühe ich mich als Hobby-Historiker mehr oder weniger erfolglos um das Ansehen des weltbekannten Judenretters OSKAR SCHINDLER in meiner Heimatstadt HILDESHEIM (er hat hier seine letzten Lebensjahre unter Freunden verbracht und ist im hiesigen BERNWARD-Krankenhaus am 9. Oktober 1974 verstorben).
Herzliche Grüsse aus HILDESHEIM!
Klaus Metzger
Ihr sucht seriöse Quellen? Ist es nicht Eure Arbeit, liebe Journalisten, jede Quelle und sogar jede ihrer Aussagen zu prüfen und nicht ohne weitere Kontrolle zu veröffentlichen?
Sucht Ihr tatsächlich jemanden, der Euch die Arbeit abnimmt, sodass Ihr nur noch per "copy and paste" etwas übernehmen müßt, wie die gestrige Nachricht, die sehr schön zeigt, dass die Prüfung und die nötige Zeit dafür wichtiger sind als die schnelle Nachricht, die hier mal wieder keine war und nur zur Blamage aller an ihrer Verbreitung Beteiligten geeignet war.
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»Was auch immer geschieht: Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken!«
Erich Kästner
Von einem seriösen Journalisten erwarte ich nicht die schnellste Meldung, sondern die am saubersten recherchierte Meldung. Gerne auch um den Preis, dass es etwas länger dauert. Das nennt man beim normalen Bürger Medienkompetenz. Die gilt natürlich auch für Journalisten. Nämlich zu filtern, was ein sensationsbedingter Schnellschuss und was echte Information ist.
Je mehr Informationsquellen zur Verfügung stehen, desto wichtiger wird diese Medienkompetenz. Und ich will nicht wissen, welchen Muffin ein Journalist auf der Fahrt zum Tatort gegessen hat. Ist nicht wichtig. Auch und gerade nicht, weil es Twitter ist. Dieses grenzdebile Geschnatter nervt und zwar mehr als jeder Blog einer 12jährigen, die täglich über ihre Stofftiere berichtet.
Man schaue sich nur das tägliche Krisengehämmer an, was uns Lesern täglich vor die "Fresse" gehauen wird. Da noch zu filtern, was wirkliche Information ist und was einfach nur nachgeplappert wurde, weil ein angeblicher Experte mal wieder was zu vermelden hatte, würde uns Allen sicher sehr gut tun. Auch in diesem Fall.
Von einem seriösen Journalisten erwarte ich nicht die schnellste Meldung, sondern die am saubersten recherchierte Meldung. Gerne auch um den Preis, dass es etwas länger dauert. Das nennt man beim normalen Bürger Medienkompetenz. Die gilt natürlich auch für Journalisten. Nämlich zu filtern, was ein sensationsbedingter Schnellschuss und was echte Information ist.
Je mehr Informationsquellen zur Verfügung stehen, desto wichtiger wird diese Medienkompetenz. Und ich will nicht wissen, welchen Muffin ein Journalist auf der Fahrt zum Tatort gegessen hat. Ist nicht wichtig. Auch und gerade nicht, weil es Twitter ist. Dieses grenzdebile Geschnatter nervt und zwar mehr als jeder Blog einer 12jährigen, die täglich über ihre Stofftiere berichtet.
Man schaue sich nur das tägliche Krisengehämmer an, was uns Lesern täglich vor die "Fresse" gehauen wird. Da noch zu filtern, was wirkliche Information ist und was einfach nur nachgeplappert wurde, weil ein angeblicher Experte mal wieder was zu vermelden hatte, würde uns Allen sicher sehr gut tun. Auch in diesem Fall.
Von einem seriösen Journalisten erwarte ich nicht die schnellste Meldung, sondern die am saubersten recherchierte Meldung. Gerne auch um den Preis, dass es etwas länger dauert. Das nennt man beim normalen Bürger Medienkompetenz. Die gilt natürlich auch für Journalisten. Nämlich zu filtern, was ein sensationsbedingter Schnellschuss und was echte Information ist.
Je mehr Informationsquellen zur Verfügung stehen, desto wichtiger wird diese Medienkompetenz. Und ich will nicht wissen, welchen Muffin ein Journalist auf der Fahrt zum Tatort gegessen hat. Ist nicht wichtig. Auch und gerade nicht, weil es Twitter ist. Dieses grenzdebile Geschnatter nervt und zwar mehr als jeder Blog einer 12jährigen, die täglich über ihre Stofftiere berichtet.
Man schaue sich nur das tägliche Krisengehämmer an, was uns Lesern täglich vor die "Fresse" gehauen wird. Da noch zu filtern, was wirkliche Information ist und was einfach nur nachgeplappert wurde, weil ein angeblicher Experte mal wieder was zu vermelden hatte, würde uns Allen sicher sehr gut tun. Auch in diesem Fall.
TiSe
Was wird sich aufgeregt, Journalisten haben schon immer Kontakte genutzt um an bestimmte Informationen zu kommen, natürlich auch da kann immer eine Falschmeldung dabei sein. Dass jetzt soziale Internet-Netzwerke genutzt werden, ist ganz lustig, und plötzlich stößt man auch auf die verflixte Anonymität im Netz. Im Internet kann jeder alles reinstellen ohne erkannt zu werden, Menschen mit Sensationslust verschicken falsche Informationen, um den Spaß zu haben, dass diese sogar abgedruckt wird. Selbst auf Foren der ZEIT-Seiten werden Kommentatoren oft persönlich gegen andere Kommentatoren und verstecken sich hinter Pseudonymen. Was erwartet man vom Internet? Es ist doch grundlegend einfach nur schnell und liefert schnelle Informationen. Für mich gibt es noch kein Web 2.0, das aufkommen von sozialen Netzwerkplattformen ist eher ein Web 1.5, da auch nur die schnelle und reichhaltige Informationsansammlung persönlicher Daten ermöglicht und sich kaum vom eigentlichen Web unterschiedet.
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