Comics werden zwar als "neunte Kunst" bezeichnet. Dass eine zeitgenössische Serie außerhalb der hermetischen Gemeinde ihrer Fans Beachtung findet, ist dennoch selten. Ausnahmen sind die wirklich grandiosen Serien Watchmen und From Hell . Die eine Verfilmung ist eben angelaufen, die andere wurde bereits vor sieben Jahren mit Johnny Depp in der Hauptrolle auf die Kinoleinwand gebracht.

Nun hat sich Johnny Depps Produktionsfirma Infinitum Nihil die Rechte an der Verfilmung einer weiteren Comicserie gesichert – an Rex Mundi des Autoren- und Zeichner-Duos Arvid Nelson und Eric Johnson. Derzeit schreibt Jim Uhls, Autor des düsteren Kinoerfolgs Fight Club , die Vorlage zu einem Drehbuch um. Depp beweist mit der Wahl von Rex Mundi Geschmack, was Comics anbelangt. Die noch unvollendete Serie - bislang sind im englischen Original fünf Bände erschienen, auf deutsch vier bei ehapa   - gehört zum Besten, was die zeitgenössische Comiclandschaft zu bieten hat.

Bemerkenswert ist Rex Mundi zuallererst wegen seines Settings. Die Serie spielt in einem fiktiven Europa der 1930er Jahre, das aus einer alternativen Version der Geschichte hervorgegangen ist. Einige weichenstellende historische Ereignisse haben nie stattgefunden. Ausgeblieben sind etwa die als reconquista bekannte Vertreibung der Mauren aus Spanien, die Reformation, die französische Revolution und der erste Weltkrieg. Man ist zwar technisch und modisch auf demselben Stand wie in den echten Dreißigern - man fährt Automobil, trägt weite Röcke und Trenchcoats - auf anderen Gebieten herrscht jedoch finsterstes Mittelalter.

In der merkwürdigen Welt von Rex Mundi gibt es etwa keine Trennung von Staat und Kirche. Ein Ende der Inquisition und der christlich-muslimischen Glaubenskriege ist nicht abzusehen. Düstere Prophezeiungen sind auf den Straßen der europäischen Metropolen zu hören, überall herrscht Angst vor einer Anklage wegen Ketzerei.

Dem Helden der Serie, einem Pariser Arzt namens Dr. Saunière, sind die schwierigen politischen Umstände seiner Zeit jedoch eher gleichgültig. In der Tradition der Heroen des Film Noir trägt er den Kragen seines Mantels stets weit hochgeschlagen und kümmert sich wenig um die Außenwelt. Ihn plagen vielmehr sein Alkoholproblem und seine Exfreundin.

Eines Abends, ganz in der Manier des Film Noirs, bekommt Saunière überraschenden Besuch von einem alten Freund, der ihn in einer sehr dringenden Angelegenheit sprechen möchte. Es geht um eine Schriftrolle, die aus einer geheimen Bibliothek in den Gewölben der Madeleine gestohlen wurde.

Saunière verspricht, das Dokument wiederzufinden. Doch seine Nachforschungen berühren offenbar gefährliches Terrain. Schon bald sind dem Protagonisten allerhand Leute auf den Fersen, die sich für den verschwundenen Text interessieren: Inquisitoren, Templer, Brüder der Geheimgesellschaft  Prieuré de Sion , die auch im Da Vinci Code für verschwörungstheoretische Couleur sorgten, und ein mysteriöser Mann in Weiß. Dieser hinterlässt überall, wo er auftaucht, unfassbare Zerstörung und den Geruch von Sandelholz.

Was als eine auf Paris beschränkte Kriminalgeschichte beginnt, entwickelt sich im Laufe der ersten Bände der Serie zu einer Verschwörungsgeschichte europäischen Ausmaßes. Als im vierten Band Indiana Jones einen Cameo-Auftritt als Passant auf einem Bahnsteig hat, wird dem Leser plötzlich klar, wo er diese Mischung aus mittelalterlicher Mystik und Atmosphäre der dreißiger Jahre eigentlich schon einmal gesehen hat.