Soziale Netzwerke Freundschaft per Mausklick

In Facebook und StudiVZ werden Kontakte schnell hergestellt. Die Zahl der guten Freunde ist aber nicht größer als zu Zeiten, in denen man Briefe schrieb

Freundschaften sind im digitalen Zeitalter schnell und unkompliziert geknüpft. Nur zwei Klicks und schon ist die Bekanntschaft vom gestrigen Abend, der Sitznachbar aus dem Hörsaal oder der in Vergessenheit geratene Klassenkamerad aus der Grundschule zum Freund geworden.

Viele Facebook- oder Studivz-Nutzer haben ein Freundschaftskonto mit mehreren hundert Kontakten. Im Facebook-Netzwerk hat der Durchschnittsnutzer 120 Kontakte, beim deutschen Ableger StudiVZ sind es nur 26.

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Wer jetzt aber denkt, dass durch den großen Freundeskreis mehr kommuniziert wird, sieht sich getäuscht. Cameron Marlow, Wissenschaftler bei dem amerikanischen Netzwerk-Riesen Facebook, hat für seinen Arbeitgeber ausgerechnet, dass Männer im Durchschnitt nur bei sieben ihrer Kontakte verfolgen, wann und wie sich das Profil verändert. Also ob sie neue Fotos hochladen oder persönliche Informationen ändern.

Frauen sind neugieriger. Sie beobachten bei zehn Freunden die neusten Entwicklungen. Die direkte Kommunikation über Nachrichten oder Chats ist noch eingeschränkter. Ein Mann steht durchschnittlich mit vier Freunden in so engem Kontakt, Frauen mit sechs. "Für den Durchschnittsnutzer mit 120 Freunden ist das angemessen", sagt Marlow.

Frieda B. ist im Internet grundsätzlich anonym unterwegs. Auf StudiVZ, das zum Holzbrinck-Verlag gehört wie auch die ZEIT ONLINE, ist sie nicht unter ihrem richtigen Namen zu finden, und wenn sie aufgrund ihres Fotos entdeckt wird, legt die 27-jährige Juristin keinen Wert auf ihre Web 2.0- Freunde. "Bei manchen habe ich die Freundschaft nur akzeptiert, damit sie nicht böse sind", sagt sie. 45 Freunde hat sie bei StudiVZ. "Ich bin von Leuten eingeladen worden, die mich nie leiden konnten und mit denen ich wenig bis gar nichts zu tun habe". Bei Facebook hat sie sich gar nicht registriert.

Auch die Macher von StudiVZ haben keine allgemeingültige Definition des Begriffs "Freund". "Wie auch im realen Leben muss das jeder selbst machen", sagt StudiVZ-Pressesprecher Dirk Hensen. Die Betreiber haben seit vergangenem Jahr den fleißigsten Kontakt-Sammlern ein Instrument an die Hand gegeben, um Ordnung in das Freundschafts-Chaos zu bringen. Jeder Nutzer kann individuelle Listen erstellen und seine Freunde kategorisieren. Zum Beispiel kann man seine Fußball-Freunde in eine Gruppe packen und Termine organisieren. Das komme bei den Nutzern sehr gut an, sagt Hensen.

Christoph Wigge promoviert in Bern und er ist einer dieser Nutzer mit mehreren hundert Kontakten. Genau 411 Freunde hat er zurzeit. "Mein Freundeskreis hat sich trotzdem nicht erweitert", sagt der 27-Jährige. Vieles seien einfach nur Bekannte. Für ihn sind soziale Netzwerke eine gute Möglichkeit, um mit Freunden in Deutschland in Kontakt zu bleiben. Mit 15 Leuten schicke er regelmäßig Nachrichten hin und her, schätzt er.

Leser-Kommentare
    • ben_
    • 18.03.2009 um 9:34 Uhr

    Jaha! Das Internet, das ist eigentlich wie Videotext nut anders. Weil im Internet gibt es nämlich nicht nur Fernsehsender, die Seiten anbieten können sondern auch Zeitungen und Firmen. Und weil man die Seiten nicht nur durchnummeriert, sondern dafür Buchstaben benutzen darf, gibt es viel mehr Seiten im Internet als im Videotext.

    Wie beim Videotext auch gehen aber regelmäßig Leute in diesen virtuellen fremden Welten vollern falscher Freunde und Gewalt verloren. Das ist nämlich ganz schön kompliziert hier. Da kann man ja nicht mehr einfach nur hinstarren, wie beim Fernsehen oder nur nach vorne oder nach hinten blättern, wie in der Zeitung, sondern man kann sich total frei bewegen.

    Und Freitheit – das weiß ja unser Innenminister Wolfgang "der es unternimmt diese Orndung zu beseitigen" Schäuble ja für uns – Freiheit ist ein zweischneidiges Damoklesschwert. Da muss man höllisch mit aufpassen. Denn nicht überall wo Nutella drauf steht sind auch Freunde drin. Klingt komisch, ist aber so.

    --
    der geist in der maschine

    • Isaidy
    • 18.03.2009 um 10:14 Uhr

    dass man über das Internet tatsächlich Menschen kennenlernen kann, zu denen man, hätte man sie in der Kneipe oder auf der Straße getroffen, niemals in Kontakt getreten wäre. Ich pflege zwei Freundschaften im Internet zu Menschen, die ich persönlich noch nie kennengelernt habe und dennoch führen wir tiefe, persönliche Gespräche, es ist ein Nehmen und Geben. Kennengelernt habe ich sie in einem ganz normalen Chat und irgendwie hatte man einen Draht zu einander, was sich dann ausbaute. Aber sicherlich ist das eine qualitative und keine quantitative Sache. Es würde mir nie darum gehen, wie lang meine Liste der "Freunde" ist, weil ich dann vermeintlich beliebt bin, es geht mir eher um den wirklichen Austausch mit Menschen und ich freue mich jedes Mal, wenn ich online gehe und einen dieser Freunde treffe und wir ein wenig "reden". Das Innere eines Menschen lernt man über Kommunikation kennen und auch, wenn 90 % davon Fake im Internet sind, so trifft man dort manchmal auch auf "verwandte Seelen". Es ist wie im richtigen Leben, nur dass Äußerlichkeiten kaum eine Rolle spielen, weil man sich ja (zunächst) nicht sieht. Gute Freunde muss man halt wählen und nicht zählen, wo man sie kennenlernt und trifft ist dann eher nebensächlich.

  1. Wer weitere Infos zu sozialen Netzwerken und deren Unterschiede nachlesen möchte, kann hier schauen : http://www.sms-worldwide....

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