Soziale Netzwerke Freundschaft per MausklickSeite 2/2

Wigge ist unsicher, ob er überhaupt alle seine 411 Freunde kennt. "Eher nicht", meint er. Und das ist aus wissenschaftlicher Perspektive sogar sehr wahrscheinlich. Nur 150 Kontakte könne das menschliche Gehirn verwalten, behauptet der Anthropologe Robin Dunbar in einer Studie. Für mehr habe das Gedächtnis gar nicht die Kraft.

Dunbar versuchte die Kontaktfreudigkeit im Jahr 2003 am Beispiel von Weihnachtskarten nachzuweisen. Im Durchschnitt seien 122 Weihnachtskarten verschickt worden, so sein Ergebnis. Dazu führte er einen weiteren historischen Beweis für seine These an: Im römischen Heer bestanden Untereinheiten (Manipel) aus rund 150 Kriegern. Jeder kenne sich in der Gruppe und Probleme könnten unbürokratisch gelöst werden, vermutet Dunbar als Grund.

Andere Forscher gehen allerdings davon aus, dass die Zahl der Kontakte, die ein Mensch noch überblicken kann, wesentlich höher ist. Die "Dunbar-Number" beschreibt aus ihrer Sicht nur den "Kern" von Freundschaften. Das Gehirn könne in Wirklichkeit mehr als doppelt so viele Kontakte verarbeiten.

Beim Facebook-Netzwerk nimmt nach Analysen von Statistiker Marlow allerdings der Zeitaufwand zu. Demnach verbringen weltweit 175 Millionen aktive Nutzer knapp drei Milliarden Minuten täglich in dem Netzwerk. Auf den einzelnen Nutzer gerechnet sind das durchschnittlich 102 Sekunden täglich.

Frieda B. spricht bei ihren digitalen Freundschaften grundsätzlich von Bekannten. Gute Freunde ruft sie zum Plaudern an. Studivz nutzt sie vielleicht einmal wöchentlich zur Terminabsprache. Drei bis vier Freunde hat sie persönlich zu ihrer Kontaktliste eingeladen. Sie weiß, dass so etwas im unpersönlichen Web-Zeitalter eher ungewöhnlich ist. Freundschaften vorheucheln, nur um ein Portfolio mit vielen Kontakten zu haben, will sie nicht. "Warum sollte ich Einladungen von Menschen akzeptieren, die ich gar nicht leiden kann?"
 

 
Leser-Kommentare
    • ben_
    • 18.03.2009 um 9:34 Uhr

    Jaha! Das Internet, das ist eigentlich wie Videotext nut anders. Weil im Internet gibt es nämlich nicht nur Fernsehsender, die Seiten anbieten können sondern auch Zeitungen und Firmen. Und weil man die Seiten nicht nur durchnummeriert, sondern dafür Buchstaben benutzen darf, gibt es viel mehr Seiten im Internet als im Videotext.

    Wie beim Videotext auch gehen aber regelmäßig Leute in diesen virtuellen fremden Welten vollern falscher Freunde und Gewalt verloren. Das ist nämlich ganz schön kompliziert hier. Da kann man ja nicht mehr einfach nur hinstarren, wie beim Fernsehen oder nur nach vorne oder nach hinten blättern, wie in der Zeitung, sondern man kann sich total frei bewegen.

    Und Freitheit – das weiß ja unser Innenminister Wolfgang "der es unternimmt diese Orndung zu beseitigen" Schäuble ja für uns – Freiheit ist ein zweischneidiges Damoklesschwert. Da muss man höllisch mit aufpassen. Denn nicht überall wo Nutella drauf steht sind auch Freunde drin. Klingt komisch, ist aber so.

    --
    der geist in der maschine

    • Isaidy
    • 18.03.2009 um 10:14 Uhr

    dass man über das Internet tatsächlich Menschen kennenlernen kann, zu denen man, hätte man sie in der Kneipe oder auf der Straße getroffen, niemals in Kontakt getreten wäre. Ich pflege zwei Freundschaften im Internet zu Menschen, die ich persönlich noch nie kennengelernt habe und dennoch führen wir tiefe, persönliche Gespräche, es ist ein Nehmen und Geben. Kennengelernt habe ich sie in einem ganz normalen Chat und irgendwie hatte man einen Draht zu einander, was sich dann ausbaute. Aber sicherlich ist das eine qualitative und keine quantitative Sache. Es würde mir nie darum gehen, wie lang meine Liste der "Freunde" ist, weil ich dann vermeintlich beliebt bin, es geht mir eher um den wirklichen Austausch mit Menschen und ich freue mich jedes Mal, wenn ich online gehe und einen dieser Freunde treffe und wir ein wenig "reden". Das Innere eines Menschen lernt man über Kommunikation kennen und auch, wenn 90 % davon Fake im Internet sind, so trifft man dort manchmal auch auf "verwandte Seelen". Es ist wie im richtigen Leben, nur dass Äußerlichkeiten kaum eine Rolle spielen, weil man sich ja (zunächst) nicht sieht. Gute Freunde muss man halt wählen und nicht zählen, wo man sie kennenlernt und trifft ist dann eher nebensächlich.

  1. Wer weitere Infos zu sozialen Netzwerken und deren Unterschiede nachlesen möchte, kann hier schauen : http://www.sms-worldwide....

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