Essay Von der Unfähigkeit zum Mit-Leiden
Winnenden ist Ausdruck einer Kluft: Nie war die Erwachsenenwelt so weit von der Einsamkeit der Heranwachsenden entfernt
Der Amoklauf ist ein altes Phänomen, Schoolshootings nicht. Etwa 100 Schulamokläufe sind seit 1974 weltweit gezählt worden. Fast 200 Lehrer und Schüler sind Opfer sinnlos um sich schießender junger Gewalttäter geworden. Über die wissen wir, dass sie fast immer männlich sind, Zugang und Neigung zu Waffen haben, massive Gefühle der Zurücksetzung empfinden, auffällig unauffällig sind, aus den "besseren" Elternhäusern kommen, dass sie viele Stunden allein mit Gewaltspielen am Bildschirm verbringen. Wir wissen, dass ihr "Amok" sich langsam aufbaut. Rückblickend sind zahlreiche Vorwarnungen erkennbar, die vorher übersehen wurden.

Die Politik möchte die sogenannten Killerspiele verbieten, die Gamer sind entsetzt - hier finden Sie die Texte zur Debatte
Warum der 19-jährige Robert Steinhäuser in Erfurt oder der 17-jährige Tim K. in Winnenden am Ende in mörderischer Raserei gezielt um sich geschossen haben , das wissen und verstehen nach eigenem Eingeständnis die Wissenschaftler, die den Schulamoklauf erforschen und untersuchen, trotzdem nicht. Denn die einzelnen Zuordnungen, auch ihre Kombinationen – männlich, Waffen, introvertiert, psychische Erkrankung, Videospiel – gibt es in der Jugendkultur unserer Zeit tausend-, ja millionenfach ohne den furchtbaren finalen Gewaltausbruch, der unschuldige Heranwachsende, ihre Lehrer und den Täter selbst aus dem Leben reißt. "Wir sollten uns eingestehen: Wir verstehen diese Tat nicht", hat Bundespräsident Johannes Rau 2002 in seiner Gedenkrede für die 16 erschossenen Opfer in Erfurt gesagt.
In den mitleidlosen Gewalttätern, die sich vor ihren Taten manchmal im Internet inszenieren, stark und allmächtig mit den Waffen in ihrer Hand, gesichtslos verschanzt hinter schwarzen Vermummungen, würden wir gern "das Böse" sehen, dass es eben immer gibt und sich unserem Zugriff entzieht. Wir wissen es besser. Rau hat in Erfurt auch gesagt: "Was immer ein Mensch getan hat: Er bleibt ein Mensch." In der coolen Verkleidung, in der Tim K. auf 14-jährige Mädchen geschossen hat, steckte ein unglückliches, rotbackiges Kind. Der Schulamoklauf orientiert sich zu offensichtlich an Bildern und Mustern unserer Gegenwart, als dass wir die Wahrheit leugnen könnten, dass dieses unfassbare Verbrechen der Gesellschaft einen Spiegel vorhält.
Denn daher kommt es: aus unserer Gesellschaft. 66 der 100 Schulamokläufe haben in den letzten zehn Jahren stattgefunden und Deutschland – unsere Nachbarländer sprechen es aus – ist mit Winnenden zum europäischen Land des Schulamoks geworden. In den USA, dem Hauptland der Schoolshootings, ist zudem die ganz gewöhnliche Gewalt stark verbreitet: Seit 1992 haben dort 451 Menschen in Schulen den Tod gefunden.
Wieder, wie nach Erfurt oder Emsdetten, fragt die große öffentliche Debatte nach den Möglichkeiten der Prävention. Wir reden über Killerspiele, Waffenrecht, Zugangskontrollen an den Schultoren und die Möglichkeiten, den einsamen Weg eines 15- oder 17-Jährigen in seinen (selbst)-mörderischen Weg frühzeitig zu erkennen und zu verhindern. Nun wird wieder beklagt, dass auf einen Schulpsychologen in Deutschland 16.000 Schüler, auf rund 350.000 Waffen im staatlichen Gewaltmonopol der Polizei weit über sieben Millionen im privaten Besitz kommen, dass Mobbing im Klassenzimmer weit verbreitet ist, Jungen die Bildungsverlierer geworden sind und Eltern zu wenig auf den Medienkonsum ihrer Kinder achten.
Das ist alles wahr. Wir müssten es nur jeden Tag ernst nehmen. Die große Debatte nach Winnenden ist so unvermeidlich wie unzureichend. Sie trägt uns über die ersten Tage des Entsetzens hinweg, das ein solcher Einbruch der Gewalt in den Schutzraum Schule auslösen muss. Sie ist aber auch Ersatz für das, was vorher nicht getan wurde, damit die Schule wirklich ein beschützender Lebensraum für Kinder und Jugendliche sein kann. Sie ist ein Trost für die Erwachsenen, aber keine Hilfe für die Kinder, die in einer Gesellschaft mit täglichen Gewaltbotschaften aufwachsen.
Wenn die Frage nach Prävention zur Leitschnur wird, dann setzen wir nur fort, was die eigentliche Quelle und Ursache für die Kinder- und Jugendprobleme in unseren Gesellschaften ist. Kinder, um es kurz und einfach zu machen, müssen viel zu viel und viel zu früh funktionieren. Sie sind Objekte von Bildungsprozessen, die nach den Effizienzanforderungen der Wirtschaft reformiert werden. Objekte, wenn der Maßstab für die Schaffung von Betreuungseinrichtungen der Mobilitäts- und Flexibilitätsdruck auf ihre Eltern ist. Objekte einer Konsum- und Werbeindustrie, die ein kolossaler Anschlag auf den Individualisierungsprozess der Heranwachsenden ist, weil sie Ansehen, Liebe, Freundschaft über Marken und Moden, Erfolg und Anerkennung über schnellen Ruhm verspricht. Ins öffentliche Visier geraten Jugendliche regelmäßig, wenn der Stör- oder Katastrophenfall eingetreten ist – wieder als Objekt, das nicht richtig funktioniert.
Eltern und Lehrer, auf die in solchen Debatten schnell mit dem Finger gezeigt wird, sind schuldlos-schuldige Akteure dieser Erziehungswelten. Noch nie haben sich so viele Eltern, so viele Lehrer um eine Erziehung bemüht, die dem einzelnen Kind gerecht wird, bei der Lob mehr zählt als Strafe, Gewalt geächtet ist und Forderung mit Förderung einhergeht. Doch täglich scheitern Eltern und Lehrer mit den besten Vorsätzen an ihrem Unvermögen. Das liegt im Ausnahmefall an fehlendem Verantwortungsbewusstsein oder Lieblosigkeit. Für den Normalfall, den Alltag von Eltern, Lehrern und Erziehern trifft ein aus der Mode gekommener Satz zu: Doch die Verhältnisse, die sind nicht so …
Mörder sind Amokläufer wie Tim K. geworden, weil sie die Empathie, die Fähigkeit zum Mitfühlen mit anderen verloren oder nie gelernt haben. Unverschuldeter Empathieverlust und schuldhafte Gleichgültigkeit zwischen den Generationen ist jedoch ein Merkmal unserer Zeit. Noch nie war die Erwachsenenwelt von der unvermeidlichen Einsamkeit der Heranwachsenden so weit entfernt. Der Vorkriegsvater, die Nachkriegsmutter, die 68er-Eltern haben ihre Erziehungsfehler gemacht. Aber sie hatten emotionalen Anschluss an den Sohn, der mit 13 geraucht und getrunken, die Tochter, die sich heimlich die Pille beschafft hat. Lange war man zu schnell mit der Ohrfeige, dann mit dem ständigen Über-alles-Reden zur Hand.
Migration, Internet und die kinderarme Demografie schaffen eine seltsame neue Kluft. Es ist, als ob der alte Jugendschutz nun für Erwachsene gilt, und vorzugsweise für die kinderlosen, während die Heranwachsenden mitten im Sturm stehen. Hamburger Abiturienten wissen natürlich, was Abziehdelikte sind, ihre Onkel und Tanten nicht. Alle Berliner Kinder und Jugendlichen, die der "Tagesspiegel" 2008 in einer Sonderbeilage zu Wort kommen ließ, kennen in irgendeiner Form Gewalt. Kein Kind kann sich den Spannungen und Anstrengungen des multikulturellen Zusammenlebens entziehen, für viele Erwachsene findet es im Salon oder Kino statt. Chatrooms sind Jugenddomäne und Rätsel für Erwachsene, wie die Leichtgläubigkeit gegenüber der angeblichen Vorankündigung von Tim K. im Extremfall zeigt. Kaum ein Erwachsener versteht den Online-Jargon gut genug, dass er unterscheiden könnte, was jugendliche Angeberpose, was das Abdriften in echte Kaltblütigkeit ist.
Die Dialoge in den Magersucht-Foren sind so erschreckend wie die Texte von "Frauenarzt" oder "Bushido", vor allem aber sind sie Erwachsenen unbekannt. Die Feuilletons regen sich auf, wenn ein Rapper schwulenfeindlich wird; dass derselbe längst zuvor gewalttätig mädchenfeindlich gesungen hat, entgeht ihnen oder wird sogar damit gerechtfertigt, dass die Girlies darauf abfahren. Die sogenannten Killerspiele sind zur Beruhigung der erwachsenen Öffentlichkeit nach Erfurt unter schärferen Jugendschutz gestellt, da muss man nicht wissen, dass jeder halbwegs gewitzte Internetkonsument die harmloseren Varianten mit brutalen aufmotzen kann.
Eltern, die diese Entfernung von den Jugendwelten unter dem immensen Zeit- und Konkurrenzdruck ihrer Berufswelt kaum überwinden können, sind so überfordert wie Lehrer in den allein gelassenen und unterfinanzierten Schulen. In Kombination mit der gleichgültigen Geschwätzigkeit der Öffentlichkeit entsteht der eigentliche Riss des Verständnisses zwischen der erwachsenen Gesellschaft und der Jugend. Diese Erwachsenenwelt will für alles eine schnelle Antwort – und liefert damit das denkbar schlechteste Vorbild. Denn das Ergebnis ist stets, was Pädagogen als der dümmste Erziehungsfehler gilt: Worte und Taten fallen weit auseinander.
Ein Beispiel dafür die immer wiederkehrende und stets folgenlose Debatte über die Killerspiele. Sie sind gefährlich. Bei allen sieben der in Deutschland bekannten Amokläufer der Jahre 1999 bis 2006 haben sie eine Rolle gespielt, vier von ihnen hatten sogar ein konkretes mediales Vorbild für ihre Tat. Diese Spiele schaden Kindern, auch jenen, die nicht zu Tätern werden. Das Hirn lernt, was es tut, weiß die Wissenschaft. Inzwischen ist in mehreren Untersuchungen nachgewiesen, dass die Gewaltneigung bei ständigem Umgang mit Killerspielen steigt und die Fähigkeit zum Mit-Leiden sinkt. Es ist, als ob wir unsere Kinder wissentlich unter die gefährlichen Strahlen einer Höhensonne legen, wenn diese Spiele nicht deutlich geächtet, am besten verboten werden.
Heranwachsende auf der schwierigen Suche nach der eigenen Identität haben ein hochempfindliches Sensorium für den feinen Unterschied. Viele Jugendliche hören, wenn über Metalldetektoren, Softguns oder Computerspiele getalkt wird, eine Botschaft des Misstrauens. Ja, ja, das kennen wir schon, sagen die halbwüchsigen Söhne dann, jetzt sind wir wieder schuld, weil wir zu viel am Bildschirm chillen. Dabei habt ihr doch gar keine Ahnung … Wie die feinen Unterschiede im Eifer der verbalen Gefechte unter die Räder geraten, dafür liefert das Sicherheitsthema ein Beispiel. Zwischen den amerikanischen Metalldetektoren und den Berlin-Neuköllner Wachleuten vor den Schultoren liegt eine pädagogische Welt.
Die Sicherheitsmaßnahmen an vielen amerikanischen Schulen sind eine Kapitulation vor der Gewalt, die sich – vielleicht unvermeidlich – in einer täglichen Abwehr erschöpft und dabei Schüler zum Objekt ständigen Verdachts macht. Die waffenlosen Wachleute vor den Neuköllner Schulen richten sich gegen mögliche Eindringlinge von außen. Die Botschaft lautet: Wir schützen die Schüler, indem wir uns vor sie stellen. In den aufgeregten Tagen nach Winnenden reicht das Differenzierungsvermögen für die Feststellung, dass beide Konzepte keinen absoluten Schutz gegen Amokläufer bieten. Aber kaum für die Sprache, für die Haltung, mit der in Schulen Sicherheit nur gewährleistet werden kann: Sie darf nicht auf Kosten des Vertrauens gehen.
Hilfe, die wir Kindern nicht um ihrer selbst Willen geben, provoziert latent Abwehr, vor allem in der Pubertät, der unsichersten Phase des menschlichen Lebens. In den flüchtigen Debatten über Kinder und Schulen verhalten wir uns, als könnten wir die Weisheiten der großen Humanisten ebenso in den Wind schlagen wie die wunderbaren Erkenntnisse der modernen Hirnforschung. Erziehung ist Liebe und Vorbild, sonst nichts, hat Friedrich Fröbel gesagt. Die Metakompetenz, die wir das ganze Leben brauchen, sagt Hirnforscher Gerald Hüther, das ist Beziehungsfähigkeit. Müssen wir nicht über unsere Pisa- und leistungsgetrimmten Schulen nachdenken, wenn Hüther recht hat? Wettbewerb, sagt der Hirnforscher, begünstigt nur, dass man auf dem einmal eingeschlagenen Weg noch besser, noch schneller, noch dümmer wird. Richtiger Fortschritt entsteht nur, wen zwei sich begegnen.
Vertrauen und Vorbild sind die wichtigsten Ressourcen, auf die Kinder und Jugendliche bauen, wenn Erwachsene ihnen begegnen.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 15.03.2009)
- Datum 09.10.2009 - 15:26 Uhr
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- Serie Killerspiel-Debatte
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Warum eigentlich immer nur ablehnend kommentieren - Frau Bruns, dieser "Essay" ist super gut!
Vielen Dank! Da ist fast alles drin, was ich auch be mir gedacht habe.
Vielen Dank! Da ist fast alles drin, was ich auch be mir gedacht habe.
mehr ist dazu nicht zu sagen!
Berthold Grabe
Ich bin immer noch überwältigt von dem Eindruck des Amokslaufes in Winnenden. Fühle mich derzeit nur begrenzt in der Lage zu argumentieren, weil es dem Akt einfach nicht gerecht wird.
Die Diskussion und Berichterstattung läuft auf vollen Touren es werden immer und immer wieder die gleichen Thesen gebracht. Was sollen wir tun, was können wir tun, wo können wir ansetzen?
Erwachsenenwelt und Kinderwelt sagt der Autor dieser Zeilen. Ist es nicht widersprüchlich, was von Heranwachsenden erwartet wird? Funktionieren unter Leistungsdruck; Individuell bleiben; Assimilierung in die Gesellschaft durchführen; Provokation, die sofort vermarktet wird; ...
Allein, mir greift die Verbotsdiskussion zu kurz, da verstehe ich den Autor nicht. Er verurteilt einfache Lösungen und die sogenannten Killerspiele. Als ich so etwa 14 bis 16 war, haben sich die etwas älteren Jugendlichen (U30) in der Kneipe getroffen (bei uns gab es nichts anderes), später - mit Auto - kamen Technoclubs dazu. Wir wollten das auch, es war oft verboten, es fällt auf, wenn man zu jung für Alkohol und Clubs ist (auch wenn es nicht immer durchgesetzt wurde). Heute 'trifft' man sich im Internet, Alters- und Inhalts-Kontrolle ist dort schwer.
Trotzdem ist es fragwürdig, Probleme auf die Inhaltsmacht des Internets zu reduzieren, Online-Spiele verantwortlich zu machen. Natürlich reagieren wir auf Erfahrungen - auch virtuelle. Der Unterschied zwischen Fernsehen und Videospiel wird oft daran erklärt, dass das eine reiner Konsum ist, das andere aktiv. Die Gehirnaktivität bei Gewaltdarstellung ist sehr ähnlich, trotzdem gehen wir als Erwachsene Gesellschaft mit Fernsehen und Film wesentlich souveräner um.
Hat nicht auch die Menschenverachtung in anderen Medien ernorm zugenommen? Fernsehen, Film, Videospiel, Musik (!), Werbung (!), Radio (?!). Wo zieht unsere Gesellschaft denn die Grenze in der versächlichten Darstellung von (Menschen-)Leben? Gibt es eine solche allgemein akzeptierte Grenze denn noch?
Also ist die Zunahme von Gewalt als Konfliktlösung vielleicht doch der Erwachsenenwelt, unserer eigenen Abstumpfung geschuldet? Ist das Fehlen der Auseinandersetzung mit Aggression von Jugendlichen denn das Problem?
Und zuletzt - um auf den Fall denn doch noch einzugehen: Passt denn diese Analyse auf den jungendlichen Täter in Winnenden überhaupt?
- Auseinandersetzung mit Aggressionen? Wenn nicht im Sport (Rückschlagspiel!), wo denn dann?
- Erfolge: Schulabschluß, Lehrstelle. Er hat doch in der Gesellschaft 'funktioniert'.
- Eltern: zumindest gemeinsames Hobby mit dem Vater. Zurückdenkend - wie eng war denn mit 17 unser Verhältnis zu den Eltern?
- Gesellschaft: keine engen Freunde. Kommt das nicht tausendfach vor?
- Ego Shooter: Spielen am frühen Abend, nicht ständig (da war noch Tischtennis und Schützenverein). Kann das Computersucht und Realitätsverweigerung sein?
Muss nicht die Analyse lauten: Wir haben keine Chance, Amokläufe sicher zu verhindern. Wir können über die Rahmenbedingungen (Gewalt bzw. Darstellungen Menschen als Sache in vielen Medien) reden, sollten das. Wir sollten auch darüber reden, wie Gemeinschaft - besonders für Heranwachsende - erlebensfähig bleibt.
"Noch nie war die Erwachsenenwelt von der unvermeidlichen Einsamkeit der Heranwachsenden so weit entfernt. Der Vorkriegsvater, die Nachkriegsmutter, die 68er-Eltern haben ihre Erziehungsfehler gemacht. Aber sie hatten emotionalen Anschluss an den Sohn, der mit 13 geraucht und getrunken, die Tochter, die sich heimlich die Pille beschafft hat."
Eben nicht. Kennzeichnend für diese Zeit ist gerade die Sprachlosigkeit zwischen den Generationen, z.B. in der seit einigen Jahren aufgeflammten Kriegskinderdebatte immer wieder eindrucksvoll dokumentiert:
"Hinter der emotionalen Unerreichbarkeit meiner Eltern, hinter ihrem unbedingten Leistungswillen und ihrer offensichtlichen Stärke verbargen sich Ängste und Bedürftigkeit. Wir Kinder hatten eine Menge davon auffangen müssen - obwohl wir doch selbst stets gefordert waren zu funktionieren ... Doch mehr als alles andere hat uns wohl die emotionale Sprachlosigkeit in unseren Familien geprägt"schreibt die 1974 geborene Anne-Ev-Ustorf über sich als Kind von Kriegskindern. ("Wir Kinder der Kriegskinder. Die Generation im Schatten des Zweiten Weltkriegs" Herder Verlag 2008/S. 12 f.)
Dass die Generation der Kriegskinder - also die Eltern der Autorin - noch schwerer belastet waren und auf Grund ihrer Lebenserfahrungen eben nicht empathie- und sprachfähig waren, ist seit der Holocaustforschung hinlänglich bekannt.
Also, wenn man schon über Winnenden glaubt schreiben zu müssen, sollte man redlicherweise nur das schreiben, was man wirklich weiß - und nicht verlogene Mythen weiterverbreiten. Zu fragen wäre vielmehr, warum die Kinder der Kriegskinder unter der Überschrift "Kinder brauchen Grenzen" in etwas abgemildeter Form - man schlagt nicht mehr, sondern verordnet "Auszeiten" - wieder auf ein Erziehungsmodell zurückgreifen, das einst unter dem Titel "Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind" (von Johanna Haarer) die gesamte Erziehungsideolgie der Nazis prägte, unter dem neuen Titel "Die Mutter und ihr erstes Kind" letztmals in den 980ern neu aufgelegt und insgesamt über 1,2 Millionan mal verkauft. Haarer schreibt:
"So wenig wir uns in den Säugling hineindenken und uns mit ihm verständigen können ... Versagt auch der Schnuller [beim weinenden Kind], dann, liebe Mutter, werde hart! Fange nur ja nicht an, das Kind aus dem Bett herauszunehmen, es zu tragen, zu wiegen, zu fahren oder es auf dem Schoß zu halten, es gar zu stillen ... Nach kurzer Zeit fordert es diese Beschäftigung mit ihm als Recht, gibt keine Ruhe mehr, bis es wieder getragen, gewiegt oder gefahren wird - und der kleine aber unerbittliche Haustyrann ist fertig. (338.-440. Tausend 1934 S. 173) Und weiter:
"Es ist kein Zeichen besonderer Mutterliebe, wenn man sein Kind unablässig mit Zärtlichkeiten ... überschüttet, oder all seinen Wünschen und Regungen unbedenklich nachgibt. Solche Affenliebe verzieht das Kind wohl, erzieht es aber nicht.
Im Gegenteil. Wir haben schon darauf hingewiesen, dass es sehr oft schon frühzeitig zu förmlichen Machtproben zwischen Mutter und Kind kommt. Sie in der richtigen Weise zu bestehen, ist das Geheimnis aller Erziehung. Auch wenn das Kind auf die Maßnahme der Mutter mit eigensinnigem Geschrei antwortet, ja gerade dann, lässt sie sich nicht irre machen. Mit ruhiger Bestimmtheit setzt sie ihren Willen weiter durch ... Auch das schreiende und widerstrebende Kind muss tun, was die Mutter für nötig hält, und wird, falls es sich weiterhin ungezogen aufführt, gewissermaßen 'kaltgestellt', in einen Raum verbracht, wo es allein sein kann und so lange nicht beachtet, bs es sein Verhalten ändert. Man glaubt gar nicht, wie früh und wie rasch ein Kind solches Vorgehen begreift. (ebd. S. 271)
Ein Vergleich zeigt, dass wir ungebrochen diese Erziehungstradition weiterführen:
- Das Kind als Tyrann: Prekop: "Der kleine Tyrann" erstmals 1988, Bestseller.
"Sie sind niedlich und harmlos aussehende kleine Geschöpfe in zartem Alter, in Wirklichkeit aber erbarmungslose Ungeheuer, die ihre Eltern schikanieren und ihnen oft den letzten Nerv rauben. Die kleinen Tyrannen gehen um und verkehren die familiären Machtverhältnisse."
- Weikert: "Tyrannen in Turnschuhen" (1994), Bestseller, als Titel für SPIEGEL special 12/1997 übernommen.
Machtkampf: "Die Kinder spüren die heutige demokratische Atmosphäre und widersetzen sich unseren Versuchen, Autorität und Überlegenheit zu bekunden, indem sie ihre Macht zeigen und Rache nehmen. So entsteht ein Teufelskreis, in dem Eltern versuchen, sich zu bestätigen, und Kinder uns den Krieg erklären. Sie wollen weder beherrscht noch gezwungen werden. Alle Versuche, sie zu unterdrücken, sind sinnlos. Kinder sind bei einem Kampf viel geschickter als wir. Sie werden nicht durch irgendwelche Folgen, nicht einmal durch eventuelle gefährliche Auswirkungen ihrer Handlungsweise gehemmt. Das Heim wird zum Schlachtfeld. Es gibt keine Zusammenarbeit und Harmonie." Dreikurs/Soltz: Kinder fordern un dheraus, 14. Aufl. 2006 S. 261)
- Affenliebe = Kuschelpädagogik, augerechnet von einem Bundespräsidenten wieder in die öffentliche Diskussion eingeführt.
- in einem Raum katstellen:"Sie nahm ihn dann und brachte ihn in sein Zimmer. Sie schloss die Tür hinter sich und blieb in der Nähe. Oliver konnte die Tür noch nicht allein öffnen. Er saß in seinem Zimmer und brüllte. Nach 2 Minuten ging seine Mutter zu ihm hinein und machte ihm ein 'Friedensangebot' ... Oliver brüllte weiter. Deshalb ging seine Mutter wieder hinaus und machte die Tür hinter sich zu. Wiederum ging sie nach 2 Minuten hinein und erneuerte ihr Friedensangebot. Diesmal streckte ihr Oliver schluchzend die Ärmchen entgegen ... Sofort drängt sich die Frage auf: Was passiert, wenn mein Kind die Tür einfach aufmacht und herauskommt? ... Die Antwort lautet: Sie müssen verhindern, dass es sein Zimmer verlässt. Im Extremfall kann das heißen, dass Sie sich gegen die Tür lehnen oder die Türklinke festhalten."( Kast-Zahn:"Jedes Kind kann Regeln lernen", 2001, inzwischen mehr als 9 Auflagen, S. 127 ff).
Das Problem ist nicht irgendein Tradtionsbruch, sondern die verhängnisvolle Weiterführung von Traditionenn, die sich schon in der Vergangenheit als verhängnisvoll erwiesen. In der Psychologie und der Traumaforschung nennt man diesen Vorgang "transgenerationale Weitergabe".
Fazit: Wir leben in einer Demokratie und erziehen nach den Grundsätzen totalitärer Systeme. Dass dies nicht gut gehen kann, liegt auf der Hand. Unserer Demokratie fehlt das personale Fundament, der freiheitsliebende und selbstbewusste Staatsbürger. Woher sollte er auch kommen - bei einer solchen Erziehung?
Ich bin 100% Ihrer Meinung, Ionetal, und bedanke mich für das Heraussuchen und Aufführen der Zitate aus dem Giftschrank der einschlägigen deutschen Erziehungsliteratur. Die ja leider noch nicht einmal die schlimmsten sind. Und die Reihe derer, die mit Büchern, in denen schon im Titel mit der Verleumdung von Kindern als "Tyrannen" Kasse gemacht wird, reisst ja leider nicht ab! Ein Skandal, der wütend macht.
Wer sich auf dem Buchmarkt umsieht und u.a. in Elternforen umhört, hat sowieso den starken Verdacht, dass sich die anscheinend zutiefst verunsicherten oder - vielleicht durchaus absichtlich? - verunsichert gemachten Erziehungsberechtigten hierzulande mit den überwiegend Schrott beinhaltenden pädagogischen "Ratgebern" den allerletzten Rest von Gefühl, Verstand, Empathie und unverblendetem Blick gegenüber ihren eigenen Kindern aus dem Kopf schlagen. Deutsche Kinderpädagogik - mäandernd zwischen Haarer und Supernanny - tappt immer wieder in ihre eigenen Fallen. Zum Schaden unzähliger, wehrloser, nicht abreissender Kindergenerationen. Ein Graus. Fatal.
... so sehr ich mit allem, was Sie schreiben, einverstanden bin und so sehr mich auch - wie viele vor mir - der Kommentar gefreut hat, so sehr sehe ich seinen Schluss hier völlig überlesen und wundere mich darüber.
Genügt für die Annahme, dass eine Kultur, deren handlungsleitendes Kernprinzip die Ellenbogenkonkurrenz ist, ihre Mitglieder voneinander isoliert, soziale Verhältnisse zu Strategiekonzepten erkalten lässt und sie gegeneinander aufbringt, nicht der gemeine Menschenverstand?
Dass es dem empirischen Forschungsanspruch, der Kausalzusammenhänge erfassbar zu machen versucht, nicht genügen kann, auf so allgemeinem Niveau zu argumentieren, liegt auf der Hand. Nicht nur aus wissenschaftstheoretischen, sondern vor allem aus pragmatischen Gründen würde ich jedoch dazu raten, diese Argumente deswegen nicht vom Tisch zu wischen.
Tim K. ist kein Einzelfall und so wird er auch nicht behandelt. Die Frage nach den Ursachen ist immer eine nach überindividuell wirksamen Einflüssen. Warum aber kann an dieser Stelle kein Einfluss wirksam sein, der uns alle trifft und der in den letzten Jahren - weil zunehmend verschärft - in Einzelfällen tatsächlich das auch hier schon mehrmals angesprochene "Fass zum Überlaufen gebracht" hat?
Nun wird man sagen: Auch in Skandinavien, in denen Schulen besser organisiert und ausgestattet, sozialer angelegt und "sanfter selektierend" strukturiert sind, kam es zu Gewalttaten und Amokläufen. Das ist richtig. Wer sich im Lehramt bewegt, der kennt jedoch die Frustration, die hier - und sicher auch dort - damit verbunden ist, Schülerinnen und Schüler in ihrer Entwicklung nach Kräften zu unterstützen, nur um sie dann in eine Gesellschaft loszulassen, in der sie nur so viel wert sind wie sie ökonomisch beizutragen imstande sind (der FDP gerecht: "Wert ist, was einer leistet").
Wie reden wir entsprechend über Menschen? "Name, Geschlecht, Beruf, Alter". Nach dem Namen umschließen die - neben dem ignorierten Rassismus - gravierendsten Diskriminierungsquellen das bei uns wichtigste Diskriminierungsfeld. Diskriminierung... das heißt doch ursprünglich einfach Trennung. Was sagt man da zu unserm Schulsystem?
Dass Tim K., trotz offensichtlich nicht vorhandener materieller Not, zum Amokläufer wurde, kann symptomatisch erklärt werden, indem man darauf verweist, das ihm der Zugang zu Waffen leicht gemacht wurde. Eine ursächliche Erklärung und damit eine grundsätzliche Möglichkeit der Verhinderung solcher Gewalttaten ist an diesem Ansatzpunkt unmöglich zu erreichen. Gleiches gilt für sog. Killerspiele. Möglicherweise ist der Zugang zu Ihnen genauso notwendige Bedingung wie der Zugang zu Waffen, niemals jedoch sind beide - auch nicht zusammen genommen - hinreichend!
Vermutlich haben Sie keine Kinder? Das wäre auch nicht weiter schlimm, bis auf folgende beobachtbare Tatsache: Kinderlose wissen oft sehr viel und meinen damit die Rezepte zu kennen. Daraus folgern Sie, es seien nur ein paar Knöpfe nötig, auf die man drücken muss, und das richtige Produkt käme heraus.
Leider geht das nicht und man geht als Eltern mit manchen Problemen auch gelassener um. Der Elternführerschein ist schon seit den 1970iger Jahren Thema. Damals noch zum Aufbau des sozial kompetenten Menschen. Und strikte Erzeihungsmodelle gab es in der Geschichte schon genug. Keines hat sich lange halten können, sonst hätten wir vielleicht immer noch das Konzept der Spartaner, Nazis oder sonstiger Konzepte, die in erster Linie den Interessen der Machthaber dienlich sein sollten. Die Programmierung des Menschen zur Harmonie und friedlichem Miteinander ist unmöglich. Wem immer sei Dank.
Das Kind als Tyrann: Prekop: "Der kleine Tyrann" erstmals 1988, Bestseller.
"Sie sind niedlich und harmlos aussehende kleine Geschöpfe in zartem Alter, in Wirklichkeit aber erbarmungslose Ungeheuer, die ihre Eltern schikanieren und ihnen oft den letzten Nerv rauben. Die kleinen Tyrannen gehen um und verkehren die familiären Machtverhältnisse."
In Ihrem Kommentar zitieren Sie Jirina Prekop wie oben angegeben - anscheinend haben Sie aber die Autorin nicht verstanden oder nicht den ganzen Text gelesen.
Bei mir ist der Eindruck entstanden, daß Sie Jirina Prekop unterstellen Kinder grundsätzlich für "kleine Tyrannen" zu halten und daß sie dementsprechend Erziehungsratschläge erteilt.
Hier ist eine Klarstellung notwendig:
Das Zitat beschreibt Kinder, die bereits zu "Tyrannen" geworden sind und deren Eltern Hilfe benötigen.
Für Jirina Prekop werden Kinder zu "kleinen Tyrannen" aufgrund des Verhaltens ihrer Eltern und sie versucht Hilfestellung zu geben wie Eltern mit den "kleinen Tyrannen" umgehen sollen, damit sich dieses Verhalten wieder legt.
Ein kurzes Resume der Empfehlungen von Jirina Prekop nach meinem Verständnis:
Die Eltern sollen klare Regeln aufstellen und diese konsequent einhalten.
Ich bin 100% Ihrer Meinung, Ionetal, und bedanke mich für das Heraussuchen und Aufführen der Zitate aus dem Giftschrank der einschlägigen deutschen Erziehungsliteratur. Die ja leider noch nicht einmal die schlimmsten sind. Und die Reihe derer, die mit Büchern, in denen schon im Titel mit der Verleumdung von Kindern als "Tyrannen" Kasse gemacht wird, reisst ja leider nicht ab! Ein Skandal, der wütend macht.
Wer sich auf dem Buchmarkt umsieht und u.a. in Elternforen umhört, hat sowieso den starken Verdacht, dass sich die anscheinend zutiefst verunsicherten oder - vielleicht durchaus absichtlich? - verunsichert gemachten Erziehungsberechtigten hierzulande mit den überwiegend Schrott beinhaltenden pädagogischen "Ratgebern" den allerletzten Rest von Gefühl, Verstand, Empathie und unverblendetem Blick gegenüber ihren eigenen Kindern aus dem Kopf schlagen. Deutsche Kinderpädagogik - mäandernd zwischen Haarer und Supernanny - tappt immer wieder in ihre eigenen Fallen. Zum Schaden unzähliger, wehrloser, nicht abreissender Kindergenerationen. Ein Graus. Fatal.
... so sehr ich mit allem, was Sie schreiben, einverstanden bin und so sehr mich auch - wie viele vor mir - der Kommentar gefreut hat, so sehr sehe ich seinen Schluss hier völlig überlesen und wundere mich darüber.
Genügt für die Annahme, dass eine Kultur, deren handlungsleitendes Kernprinzip die Ellenbogenkonkurrenz ist, ihre Mitglieder voneinander isoliert, soziale Verhältnisse zu Strategiekonzepten erkalten lässt und sie gegeneinander aufbringt, nicht der gemeine Menschenverstand?
Dass es dem empirischen Forschungsanspruch, der Kausalzusammenhänge erfassbar zu machen versucht, nicht genügen kann, auf so allgemeinem Niveau zu argumentieren, liegt auf der Hand. Nicht nur aus wissenschaftstheoretischen, sondern vor allem aus pragmatischen Gründen würde ich jedoch dazu raten, diese Argumente deswegen nicht vom Tisch zu wischen.
Tim K. ist kein Einzelfall und so wird er auch nicht behandelt. Die Frage nach den Ursachen ist immer eine nach überindividuell wirksamen Einflüssen. Warum aber kann an dieser Stelle kein Einfluss wirksam sein, der uns alle trifft und der in den letzten Jahren - weil zunehmend verschärft - in Einzelfällen tatsächlich das auch hier schon mehrmals angesprochene "Fass zum Überlaufen gebracht" hat?
Nun wird man sagen: Auch in Skandinavien, in denen Schulen besser organisiert und ausgestattet, sozialer angelegt und "sanfter selektierend" strukturiert sind, kam es zu Gewalttaten und Amokläufen. Das ist richtig. Wer sich im Lehramt bewegt, der kennt jedoch die Frustration, die hier - und sicher auch dort - damit verbunden ist, Schülerinnen und Schüler in ihrer Entwicklung nach Kräften zu unterstützen, nur um sie dann in eine Gesellschaft loszulassen, in der sie nur so viel wert sind wie sie ökonomisch beizutragen imstande sind (der FDP gerecht: "Wert ist, was einer leistet").
Wie reden wir entsprechend über Menschen? "Name, Geschlecht, Beruf, Alter". Nach dem Namen umschließen die - neben dem ignorierten Rassismus - gravierendsten Diskriminierungsquellen das bei uns wichtigste Diskriminierungsfeld. Diskriminierung... das heißt doch ursprünglich einfach Trennung. Was sagt man da zu unserm Schulsystem?
Dass Tim K., trotz offensichtlich nicht vorhandener materieller Not, zum Amokläufer wurde, kann symptomatisch erklärt werden, indem man darauf verweist, das ihm der Zugang zu Waffen leicht gemacht wurde. Eine ursächliche Erklärung und damit eine grundsätzliche Möglichkeit der Verhinderung solcher Gewalttaten ist an diesem Ansatzpunkt unmöglich zu erreichen. Gleiches gilt für sog. Killerspiele. Möglicherweise ist der Zugang zu Ihnen genauso notwendige Bedingung wie der Zugang zu Waffen, niemals jedoch sind beide - auch nicht zusammen genommen - hinreichend!
Vermutlich haben Sie keine Kinder? Das wäre auch nicht weiter schlimm, bis auf folgende beobachtbare Tatsache: Kinderlose wissen oft sehr viel und meinen damit die Rezepte zu kennen. Daraus folgern Sie, es seien nur ein paar Knöpfe nötig, auf die man drücken muss, und das richtige Produkt käme heraus.
Leider geht das nicht und man geht als Eltern mit manchen Problemen auch gelassener um. Der Elternführerschein ist schon seit den 1970iger Jahren Thema. Damals noch zum Aufbau des sozial kompetenten Menschen. Und strikte Erzeihungsmodelle gab es in der Geschichte schon genug. Keines hat sich lange halten können, sonst hätten wir vielleicht immer noch das Konzept der Spartaner, Nazis oder sonstiger Konzepte, die in erster Linie den Interessen der Machthaber dienlich sein sollten. Die Programmierung des Menschen zur Harmonie und friedlichem Miteinander ist unmöglich. Wem immer sei Dank.
Das Kind als Tyrann: Prekop: "Der kleine Tyrann" erstmals 1988, Bestseller.
"Sie sind niedlich und harmlos aussehende kleine Geschöpfe in zartem Alter, in Wirklichkeit aber erbarmungslose Ungeheuer, die ihre Eltern schikanieren und ihnen oft den letzten Nerv rauben. Die kleinen Tyrannen gehen um und verkehren die familiären Machtverhältnisse."
In Ihrem Kommentar zitieren Sie Jirina Prekop wie oben angegeben - anscheinend haben Sie aber die Autorin nicht verstanden oder nicht den ganzen Text gelesen.
Bei mir ist der Eindruck entstanden, daß Sie Jirina Prekop unterstellen Kinder grundsätzlich für "kleine Tyrannen" zu halten und daß sie dementsprechend Erziehungsratschläge erteilt.
Hier ist eine Klarstellung notwendig:
Das Zitat beschreibt Kinder, die bereits zu "Tyrannen" geworden sind und deren Eltern Hilfe benötigen.
Für Jirina Prekop werden Kinder zu "kleinen Tyrannen" aufgrund des Verhaltens ihrer Eltern und sie versucht Hilfestellung zu geben wie Eltern mit den "kleinen Tyrannen" umgehen sollen, damit sich dieses Verhalten wieder legt.
Ein kurzes Resume der Empfehlungen von Jirina Prekop nach meinem Verständnis:
Die Eltern sollen klare Regeln aufstellen und diese konsequent einhalten.
Das sage ich als Lehrerin, die um Gegenwart und Zukunft unserer Jugendlichen besorgt ist
Sehr guter Artikel bis zur Seite 3. Da wirds wieder etwas undifferenzierter.
Ich schreibe hier noch einmal >>> Killerspiele sind in Deutschland bereits verboten!
Hier sind eindeutig die Eltern in der Pflicht, wie sie in Ihrem Artikel ja auch schon selbst bemerkten.
Ich schliesse mich der hier bislang vorherrschenden Meinung über den Artikel an: das ist das beste, was ich bislang darüber gelesen habe, und zwar mit großem Abstand. Ich sage das in meiner Eigenschaft als Vater, dem die ganze Sache sehr nahe gegangen ist, man muß sich ja nur vorstellen, dass...
Ich habe die Komissionsberichte von Erfurt und Virginia Tech mit klopfendem Herzen (vor Grauen) gelesen und bin in einer "fair is foul and foul is fair" Stimmung, will sagen: ich sehe Gemeinsamkeiten aber letzlich doch Singuläres, man versteht Details aber nicht das Ganze. Und man wird das Ganze sicher nie verstehen können. Und doch verweisen die Taten und das Accelerando der Taten auf einen gesellschaftswirklichen Grund. Wohin sind wir gelaufen, wo stehen wir?
In diesem Sinne spricht mir dieser sehr differenzierte, kluge Artikel als eine Art Zusammenfassung des Status Quo aus der Seele.
Vielen Dank!
Treffender hätte man es nicht sagen können. Und dies wird nicht das letzte mal sein, dass unsere Gesellschaft sich selbst solch ein Armutszeugnis ausstellt.
So lange es unsere Gesellschaft versäumt, Werte zu vermitteln und wieder zurechtzurücken, werden wir solche Zustände beklagen müssen.
Wer soll das denn übernehmen, diese zurecht rücken und vermitteln.
Aber man kann auch selbst erkennen. Abgesehen vom täglichen Leben im Umgang mit Menschen. Meiner Anicht nach bietet unsere Welt und Kultur inklusive Technik in Begegnung, Schrift, Bild, Ton so viel, dass ein Leben gar nicht ausreicht, um diese Werte alle zu erfassen. Wir bestehen alle nur zu wenig darauf.
Wer soll das denn übernehmen, diese zurecht rücken und vermitteln.
Aber man kann auch selbst erkennen. Abgesehen vom täglichen Leben im Umgang mit Menschen. Meiner Anicht nach bietet unsere Welt und Kultur inklusive Technik in Begegnung, Schrift, Bild, Ton so viel, dass ein Leben gar nicht ausreicht, um diese Werte alle zu erfassen. Wir bestehen alle nur zu wenig darauf.
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