Tatort Winnenden "Wir hatten Riesenangst"
Kerzen vor der Schule, Lichtermeer im Gottesdienst, viel Trauer und Schweigen, aber auch viele Gespräche – in Winnenden versuchen die Menschen mit einem schrecklichen Tag fertig zu werden

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Trauer um Freunde: In Winnenden legen Jugendliche Blumen in der Nähe der Albertville-Realschule nieder
Gegen halb sechs am Abend bahnt sich ein kleiner blonder Junge den Weg durch die Kamerateams vor der Albertville-Realschule, begleitet von seinem Vater. In der Hand hat er eine rote Kerze und ein Papier. Darauf steht: "Warum?" Es ist eines dieser Plakate, die irgendwann auch bei allen anderen Amokläufen vor den Tatorten lagen – Erfurt, Emsdetten, Columbine. Aber es ist das erste dieser Plakate in Winnenden, dem schwäbischen Städtchen nahe Stuttgart, in dem am frühen Morgen noch alles in Ordnung war.
Die abgesperrte Straße vor der Albertville-Schule, einem grauen schmucklosen Betonklotz, ist voller Menschen. Meist Jugendliche, die selbst auf der Schule waren, Opfer kannten oder die sich einfach auf den neuesten Stand bringen wollen. Bereits kurz nach Beginn des Amoklaufs riefen sich die Schüler gegenseitig an, warnten sich, trauerten gemeinsam um Freunde. Ein Junge macht sich Sorgen um seinen Kameraden, der in Panik aus dem Fenster gesprungen war und jetzt im Krankenhaus behandelt wird. Mädchen liegen sich weinend in den Armen, sie haben vom Tod einer engen Freundin erfahren. "Ihre Mutter hat angerufen und es erzählt. Das kann einfach nicht sein." Noch immer ist nicht klar, wer genau unter den Toten ist. Eine ganze Stadt steht unter Schock.
In Winnenden leben 28.000 Menschen. Die Kreisstadt hat einen hübschen historischen Stadtkern, eine kopfsteingepflasterte Fußgängerzone, ein Schloss und sanierte Fachwerkhäuser. Den Menschen hier geht es gut. Betriebe wie Kärcher oder Benz-Sportgeräte kommen von hier, gerade mal fünf Prozent der Winnender sind arbeitslos. Eine "baden-württembergische Durchschnittsstadt, mit wenigen Abweichungen nach unten oder oben", sagt Siegfried Haag, der in der Fußgängerzone unterwegs ist. Er ist hier aufgewachsen. Was heute passiert ist, macht ihn fassungslos. Erst kürzlich sei er in London gewesen, im Hinterkopf immer den Gedanken, was dort alles passieren könne. Daheim in Winnenden kam ihm der Gedanke nie. Jetzt fürchtet er, dass die Menschen weltweit "Winnenden" hören und "Amoklauf" denken werden. "Ich fühle mich noch immer, als ob ich träume."
Seine Frau Irina war mit ihrem kleinen Kind unterwegs, als sie vom Amoklauf hörte. Ein Polizist riet ihr, nach Hause zu gehen. Dass der Täter zu diesem Zeitpunkt noch gesucht wurde, wusste sie nicht und ging bei ihrem Zahnarzt vorbei. "Die haben mich nicht mehr aus der Praxis gelassen, stundenlang saßen wir da und haben draußen die bewaffneten Polizisten gesehen. Dass die uns nicht besser informiert haben, macht mich wütend." Auch eine Verkäuferin in einem Bekleidungsladen harrte über Stunden im Geschäft aus. Die Türe blieb verschlossen. "Nur wenn Passanten sich in Sicherheit bringen wollen, habe ich sie reingelassen. Wir hatten Riesenangst."
- Datum 12.03.2009 - 18:06 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Die erschütternde Tat des jungen Mannes, löst bei mir tiefes Mitgefühl für die Opfer und deren Angehörigen aus. Sowohl die Kleinstadt als auch die Schule sind mir persönlich vertraut. Auf diesem Hintergrund, stellt sich mir die Frage welche Faktoren zu dieser Eskalation geführt haben.
Eine Einwohnerin beklagt in einem Interviewe, das Versagen, der Erwachsenen, das aus ihrer Sicht dazu geführt hat. Es ist gewiss nicht der Zeitpunkt Menschen anzuprangern, aber unerlässlich zu hinterfragen was diese Tat verhindern hätte können.
Ich möchte, zu bedenken geben, dass die viel zitierte Beschaulichkeit und Idylle der Kleinstadt stellvertretend für ein gesellschaftliches Klima steht, das auch andernorts in Deutschland zu finden ist. Es existiert hier kein nennenswerter sozialer Brennpunkt, der allgemeine Wohlstand ist allgegenwärtig und alles nimmt scheinbar seinen geregelten Lauf. Auf den ersten Blick, alles andere als ein Nährboden für Amokläufer. Dennoch ist es passiert. Kann es nicht sein, dass diese von außen betrachtete heile Welt, auch dadurch zustande kommt, weil Menschen, die nicht ins Raster passen und daran leiden, ignoriert oder ausgegrenzt werden? Ging der unbemerkte sozialen Tod des Täters, vielleicht seiner Tat voraus?
Ich gehe mit großer Wahrscheinlichkeit davon aus, dass dem so war. ich selbst bin in dieser Atmosphäre der normierten Rechtschaffenheit aufgewachsen, in der Erwachsene den Rat "sich zusammenzureißen" als höchstes psychologisches Gut weitergaben, wohl auch weil sonst ihr eigenes Idyll ins Wanken geraten wäre.
Es gibt keine Rechtfertigung für diese schreckliche Tat, aber Erklärungsversuche sind geboten, um vielleicht eine Wiederholung einer solchen Tragödie entgegenwirken zu können.
Aus meiner Sicht, die Waffe war frei zu gängig, muß der Vater und die Mutter wegen aktiver Beihilfe zum Massenmord angeklagt werden.
Aber auch die Politik hat massive Schuld. Die USA wurden immer als Vorbild dargestellt, denen man nacheifern muß. Ich erinnere nur an die Behandlung unsere Arbeitslosen. Unsere Jugend wurde auf Anweisung unserer Politiker massiv und vorsätzlich vernachlässigt. Was macht unsere Entwicklungsministerin: Sie fördert Diktaturen, Kindersoldaten, unsere Konkurrenz, vernichtet unser Geld usw.. Was hätte man damit für unsere Jugend alles machen können? Nein Sie will, daß z.B. die Palästinenser weiter Raketen auf Israel schießen, jeder Palästinenser muß 2 Maschinengewehre haben oder das Privat-Konto der Terroristen bzw. Diktatoren wird aufgefüllt (Arafat z.B.). Wieso müssen unsere Klassen so groß sein? Wieso werden unsere Kinder nicht so gefördert, wie man unbedingt die Ausländer fördert??
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