Bankenrettung in USA

Geithners zweifelhafter Plan

Tim Geithner hat sein neuestes Entgiftungsprogramm für die Bankbilanzen präsentiert. Der Plan ist entweder ein Skandal oder ein genialer Schachzug

US-Finanzminister Geithner hat einen neuen Rettungsplan für die Bankenbranche vorgelegt

Am Grundproblem hat sich nichts geändert. Die Banken sitzen auf Unmengen an toxischen – also derzeit praktisch wertlosen – Wertpapieren. Das zwingt sie zu immer neuen Abschreibungen und frisst ihr Eigenkapital auf. Deshalb halten sie sich bei der Kreditvergabe zurück, was die Wirtschaftskrise nur noch schlimmer macht. Die entscheidende Frage ist, warum diese Papiere keiner haben will.

Variante eins: Eigentlich handelt es sich um qualitativ hochwertiges Material, an den Märkten herrscht aber Panik. Deshalb sind die Investoren im Käuferstreik und machen auch um Vermögenswerte einen Bogen, die eigentlich werthaltig sind. Wenn es also gelänge, den Investoren wieder Zuversicht einzuflößen, würden sie wieder einen Preis bezahlen, der dem eigentlichen Wert entspricht.

Dies ist der Ansatz, den Geithner verfolgt: Der Staat gründet eine Reihe von Investmentfonds und stattet diese zusammen mit privaten Investoren mit Kapital aus. Der Investmentfonds kann Kredite aufnehmen, für die der Staat garantiert. Sobald der Fonds mit diesem Geld anfängt, den Banken die Papiere abzukaufen, löst sich die Blockade. Die Investoren machen einen Gewinn, die Löcher in den Bilanzen der Banken schließen sich, der Staat kann die Papiere mit Gewinn weiterverkaufen, die Kreditgarantien würden nicht abgerufen werden. Das Problem wäre gelöst.

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Variante zwei: Was die Banken in ihren Bilanzen haben, ist einfach nur Schrott. Die Papiere sind fundamental wertlos, zum Beispiel weil die ihnen zugrunde liegenden Kredite nur bedient werden können, wenn die Immobilienpreise aufgebläht sind oder die Zinsen unnatürlich niedrig. In diesem Fall wäre das Programm eine gigantische Subvention für den Finanzsektor.

Die Banken könnten ihre Bücher auf Kosten des Steuerzahlers ausmisten. Der Investmentfonds würde auf wertlosem Papier sitzen bleiben. Das würde die privaten Investoren noch am wenigsten kümmern, deren Kredite hätte ja der Staat abgesichert. In diesem Fall wäre es viel besser und gerechter, die de facto längst insolventen Banken einfach zu verstaatlichen. Dann müsste der Staat zwar auch bezahlen, doch zumindest hätte er sich die Kontrolle über die Institute gesichert, er könnte die guten sanieren und wieder privatisieren und die schlechten einfach abwickeln.

Geithners Plan ist entweder ein Skandal oder ein genialer Schachzug. Es deutet einiges darauf hin, dass Letzteres nicht zutrifft.

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Leser-Kommentare

    • 23.03.2009 um 18:05 Uhr
    • Piepe

    Es ist schwer zu verstehen, wer die Schulden bezahlen soll. Weil die Kaufkraft, die Einkommen so ungleich verteilt waren haben sich viele US_Bürger verschuldet. Ihre Schulden wurden von den Banken verbrieft und weiterverkauft. Jetzt werden diese Schulden vom Staat angekauft. Bedeutet dies wieder Spitzensteuersätze von 80% wie in den 1930er Jahren?
    Nur wenn sich die Verteilung von Kaufkraft ändert, wird diese Krise überwunden werden.

  1. Geithner sollte aufhören, sich nach dem rosigen Weltbild der "hochwertigen Giftpapiere" zu richten und die Banken radikal verstaatlichen. Tricksereien, finanziert aus den Taschen der Steuerzahler und küntigen Steuerzahler, sind vollkommen fehl am Platz. Es hat ein massiver Umbruch stattgefunden, die Methoden zur Krisenbekämpfung müssen deshalb auch grundlegend erneuert werden.

  2. Kein Witz. Angeblich soll in Köln ein Haus in einen U-Bahn-Schacht gefallen sein. Auch kein Witz.
    Für Opel wird ein privater Investor gesucht, der das Unternehmen retten soll. Kein Witz.
    Bei der HRE wird ein privator Investor enteignet, der das Unternehmen sanieren wollte. Auch kein Witz.

    Der deutsche Finanzminister erklärt allen Andersdenkenden den Krieg. Kein Witz.
    Der deutsche Sozialstaat pumpt seine Ausgaben ungerührt weiter auf. Die Kommunen leisten via Cross-Border-Leasing ihren Solidarbeitrag. Auch kein Witz.

    Deutsche Bundes- und Landespolitiker prügeln auf Manager und Bankenvorstände ein. Kein Witz.
    Deutsche Bundes- und Landespolitiker haben als Aufsichtsräte die Bankrotterklärungen der deutschen Landesbanken kontrolliert. Auch kein Witz.

    In Zimbabwe rechnen die Menschen im Alltag mit Milliarden. Kein Witz.
    Die Wirtschaftsexperten der USA sind derweil bei Trillionen angelangt. Bei the Way: Weiß jemand wieviel Nullen eine Trillion hat? - Immer noch nicht genug - immer noch nicht soviele wie eine Durchschnittsregierung Minister.

    Allmählich entsteht der Eindruck als stünde die halbe Welt unter Drogen während die andere Hälfte verhungert.

    In der Zwischenzeit druckt die Fed das Kleingeld, mit dem die Wirtschaft gerettet werden soll. Inflation ist in diesen Tagen der Theoretiker liebstes Kind.

    Technischer Fortschritt, Produktivität, Einkommensverteilung sind als makroökonomische Größen völlig abgemeldet.

    Aber warten wir noch ein Weilchen. Wielange? Bis spätestens Sommer. Bis dahin hat Präsident Mugabe seinen Finanzminister als Ratgeber zur Verfügung gestellt und Bernard Madoff ist als Präsidentenberater rehabilitiert.

    Bis dahin lesen wir amüsiert Tim Geithners Kettenbrief und fragen uns: Sind die Leute um Obama so verzweifelt oder ist die Wirtschaftskrise eine Internetlegende?!

    • 23.03.2009 um 18:50 Uhr
    • politz

    Der Skandal ist nicht nur, dass die Steuerzahler mit dem Geithner-Plan um Milliarden von Euro betrogen werden. Trotz allem könnte man das noch irgendwie akzeptieren, wenn er wenigstens die Kreditvergabe der Banken und so die Konjunktur wiederbeleben würde. Auch das ist aber nicht der Fall, denn trotz Staatsgarantie werden die Schrott-Papiere nahe am jetzigen Marktwert bewertet werden und damit nicht zur Rekapitalisierung der Banken beitragen.

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    woher der Kreditrahmen kommen soll, wenn der Staat durch seine horrende Neuverschuldung das meiste gleich wieder selbst benötigt ("crowding-out")?

    No bailouts!

  3. woher der Kreditrahmen kommen soll, wenn der Staat durch seine horrende Neuverschuldung das meiste gleich wieder selbst benötigt ("crowding-out")?

    No bailouts!

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    kauft die Federal Reserve ja inzwischen amerikanische Staatsanleihen auf. Und auch sonst ist das Argument falsch, denn in einer Zeit, wo sich die gesamte Volkswirtschaft entschuldet – mithin weniger Kredite von Privathaushalten und Unternehmen nachgefragt werden – erhöht die Staatsverschuldung eben nicht das Zinsniveau. Die Geldpolitik ist mittlerweile ohnehin wirkungslos geworden – auf ein paar Prozentpunkte mehr oder weniger Zinsen kommt es da auch nicht mehr an. Wichtig ist, dass die Konjunktur belebt wird und die Unternehmen überhaupt wieder die Kapitalmärkte zur Finanzierung von Investitionen in Anspruch nehmen wollen.

    • 23.03.2009 um 19:06 Uhr
    • politz

    kauft die Federal Reserve ja inzwischen amerikanische Staatsanleihen auf. Und auch sonst ist das Argument falsch, denn in einer Zeit, wo sich die gesamte Volkswirtschaft entschuldet – mithin weniger Kredite von Privathaushalten und Unternehmen nachgefragt werden – erhöht die Staatsverschuldung eben nicht das Zinsniveau. Die Geldpolitik ist mittlerweile ohnehin wirkungslos geworden – auf ein paar Prozentpunkte mehr oder weniger Zinsen kommt es da auch nicht mehr an. Wichtig ist, dass die Konjunktur belebt wird und die Unternehmen überhaupt wieder die Kapitalmärkte zur Finanzierung von Investitionen in Anspruch nehmen wollen.

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    was die Wirkungslosigkeit der künstlich niedrigen Zinsen anlangt. Über den Rest müssten wir noch einmal gesondert disputieren, Herr Politz.

  4. was die Wirkungslosigkeit der künstlich niedrigen Zinsen anlangt. Über den Rest müssten wir noch einmal gesondert disputieren, Herr Politz.

    Antwort auf "Dafür..."
  5. Vom ehemaligen Investmentbanker Geithner wird wohl keiner erwarten, dass er die verantworlichen Abzocker und Profiteure des Deregulierungswahns der letzten Jahrzehnte, in denen die Reichen immer reicher und die Ärmen immer ärmer wurden zur Kasse bittet und zur Finanzierung der Bankenrettung abzockt. Über eine Mehrgeldsteuer auf Finanztransaktionen und auf Vermögen könnte dies in internationalen Weltverträgen und Maßnahmen durchgesetzt werden. Da er dies seinen altvertrauten Clienten nicht zumuten möchte, bleibt nur der skandalöse Weg, den kleinen Steuerzahler das Risiko anzulasten und sie ggf. abzuzocken, so dass die Verteilung des Reichtums von unten nach oben fortgesetzt werden kann.

    Ist das schon das Ende der Hoffnung auf einen OBAMA-CHANGE ??

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  • Von Mark Schieritz
  • Datum 23.3.2009 - 18:06 Uhr
  • Quelle ZEIT ONLINE
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  • Schlagworte Finanzkrise | USA | Wertpapier | Bankenrettung
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